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GEHÖREN SCHILDDRÜSENPATIENTEN ZUR RISIKOGRUPPE?

Das Corona-Virus SARS-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 auslöst, sorgt zurzeit für viele Fragen. Wer zählt zur Risikogruppe? Gibt es Medikamente, die das Risiko erhöhen? Die Liste lässt sich fortführen. Verständlich also, dass auch Schilddrüsenpatienten verunsichert sind, denn bei ihnen spielen mitunter Langzeit-Medikamente und das Immunsystem eine Rolle.

Nach bisheriger Datenlage gibt es keine Hinweise darauf, dass Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen wie der Hashimoto Thyreoiditis zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von Covid-19 gehören.

Die Einnahme von L-Thyroxin oder Thyreostatika wie Carbimazol führt nach bisherigen Erfahrungen nicht zu einem erhöhten Risiko. Das gilt auch für die Zeit nach einer Radiojodtherapie sowie nach einer Operation der Schilddrüse. Auch Patienten mit einer Hashimoto Thyreoiditis oder einem Morbus Basedow müssen nicht befürchten, zur Risikogruppe zu gehören. In den letzten beiden Fällen handelt es sich zwar um eine Autoimmunerkrankung, jedoch wird das Immunsystem hier nicht geschwächt. Stattdessen ist die Immun-Aktivität eher erhöht.

Eine Ausnahme bildet der Schilddrüsenkrebs, da Krebspatienten generell zur Risikogruppe zählen. Vorsicht sollte auch geboten sein, wenn zusätzliche Erkrankungen wie Diabetes, weitere Autoimmunerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen. Hier sollte das Risiko für die jeweiligen Diagnosen individuell bestimmt werden.

Autor:
Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Feldkamp Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Infektiologie, Klinikum Bielefeld

Joachim Feldkamp
 

Letzte Aktualisierung: 21.12.2020