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Bedeutung von Jod, Eisen und Selen für die Schilddrüse

Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone wichtige Stoffwechselprozesse im Körper. Damit das reibungslos ablaufen kann, ist der Schilddrüsenstoffwechsel auf bestimmte Nährstoffe angewiesen. Dazu gehören die Spurenelemente Jod, Eisen und Selen. Jod ist ein Hauptbestandteil der Schilddrüsenhormone. Eisen und Selen werden wiederum für Enzyme benötigt, die an der Bildung der Schilddrüsenhormone oder deren Umwandlung beteiligt sind. Da der Körper die drei Spurenelemente nicht selbst bilden kann, müssen sie in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen werden. Ein Mangel an Jod, Eisen oder Selen sind in der Lage, den Schilddrüsenstoffwechsel zu stören und die Schilddrüsengesundheit zu beeinträchtigen.

Jod ist der Garant der Schilddrüsenhormone

Die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin, Thyroxin) werden in den Schilddrüsenzellen gebildet, indem am Ende eines komplexen Prozesses Jod an spezifische Proteinstrukturen, sogenannte Tyrosinreste, gebunden wird. Schlussendlich weist das T3 drei Jodatome und das T4 vier Jodatome auf. Für die Jodversorgung über die Ernährung stehen Lebensmittel wie Seefisch, Milchprodukte und Jodsalz zur Verfügung. Eine ausreichende Zufuhr ist allerdings nicht immer so leicht. Dies zeigt die Tatsache, dass Deutschland weiterhin als Jodmangelgebiet gilt: Rund 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben hierzulande ein deutliches Jodmangelrisiko. Erschwerend kommt hinzu, dass die individuelle Jodbestimmung im Körper nicht so einfach ist. Es gibt zwar die Messung der Jodausscheidung über den Urin. Diese machen sich Wissenschaftler zunutze, um in großangelegten Studien die Jodversorgung von Bevölkerungsgruppen zu bestimmen. Für Einzelperson ist sie aufgrund starker Schwankungen allerdings nur wenig aussagekräftig. Rückschlüsse über die Jodversorgung lassen sich nur indirekt, über die Schilddrüsenhormonwerte sowie die Größe und Funktion des Schmetterlingsorgans bestimmen.

Auch Eisen leistet essenziellen Beitrag

Bei der komplexen Herstellung der Schilddrüsenhormone spielen auch Enzyme eine Rolle, die auf Eisen angewiesen sind. Diese sogenannten thyreoidalen Peroxidasen binden das Jod an die erwähnten Tyrosinreste. Eine bedarfsgerechte Eisenzufuhr ist also auch für diesen Prozess wichtig. Wie gut die Versorgung mit Eisen ist, lässt sich anhand einer Blutuntersuchung erkennen. Dabei werden unter anderem Werte wie das Serumferritin, die Speicherform des Eisens, die freie Eisenbindungskapazität des Blutes oder auch die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin betrachtet. Auch wenn die Eisenversorgung in Deutschland laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und dem Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) allgemein als gut gilt, gibt es bestimmte Bevölkerungsgruppen, die ein erhöhtes Eisenmangelrisiko aufweisen. Hierzu zählen unter anderem Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Leistungssportler sowie Vegetarier und Veganer. Die Symptome eines Eisenmangels sind beispielsweise Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsminderung und Leistungsschwäche.

Selen aktiviert T4 und schützt die Schilddrüse

Sind die Schilddrüsenhormone erst einmal gebildet, zirkuliert ein Teil von ihnen im Blut – vor allem T4. Mithilfe spezifischer Enzyme, den sogenannten Dejodasen, wird das T4 in verschiedenen Organen – beispielsweise in Muskeln, Herz und Leber – in das aktive T3 umgewandelt. Die Dejodasen selbst sind selenabhängig und benötigen es für ihre Funktion. Auch ist das Spurenelement an der Neutralisierung freier Radikale beteiligt und erfüllt somit eine wichtige Schutzfunktion. Der Selenspiegel im Körper lässt sich ebenfalls über das Blutserum bestimmen. Anders als bei Jod und Eisen gibt es zur Selenzufuhr in Deutschland keine aktuellen Daten. Allerdings wird angenommen, dass ein Selenmangel eher selten vorkommt. Wenn doch ist er meist Folge einer zu strengen und einseitigen Ernährungsweise.

Ausreichende Zufuhr sicherstellen und Mangel vermeiden

Aufgrund ihrer Bedeutung für den Schilddrüsenstoffwechsel sollte auf eine ausreichende Zufuhr an Jod, Eisen und Selen geachtet werden. Besteht der Verdacht einer unzureichenden Versorgung über die Nahrung ist es empfehlenswert, dies ärztlich überprüfen zu lassen und gegebenenfalls die Ernährung anzupassen oder nach ärztlicher Absprache entsprechende Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

Autor:
Prof. Dr. med. Dr. hc. Peter Goretzki
Facharzt für Chirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie
Bereichsleitung Endokrine Chirurgie (CCM | CVK) Charité – Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. med. P. E. Goretzki

Quellen:

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung Stellungnahme Nr. 026/2022 vom 17.10.2022 https://www.bfr.bund.de/cm/343/ruecklaeufige-jodzufuhr-in-der-bevoelkerung.pdf (abgerufen am 05.08.2025)
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung https://www.bfr.bund.de/lebensmittelsicherheit/bewertung-der-stofflichen-risiken-von-lebensmitteln/bewertung-von-lebensmittelinhaltsstoffen/bewertung-von-vitaminen-und-mineralstoffen-in-lebensmitteln/gesundheitliche-bewertung-von-eisen/ (abgerufen am 05.08.2025)
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Eisen. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/eisen/#c6630. (abgerufen am 05.08.2025)
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Selen. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/selen. (abgerufen am 05.08.2025)
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Jod. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/. (abgerufen am 05.08.2025)
  6. DocCheck Selenmangel https://flexikon.doccheck.com/de/Selenmangel (abgerufen am 05.08.2025)
  7. Köhrle J. Selenium in Endocrinology-Selenoprotein-Related Diseases, Population Studies, and Epidemiological Evidence. Endocrinology. 2021; 162(2):
  8. Gärtner R. Selen bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, Der Nuklearmediziner 2013; 36(04): 241-245.

Letzte Aktualisierung: 09.01.2026

MAT-DE-2503281-1.0-08/2025