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SCHWANGERE: SCHEINBARE SCHILDDRÜSENGESUNDHEIT WIEGT IN FALSCHER SICHERHEIT

Frauen, die gerade schwanger geworden sind oder die es werden wollen, sollten unbedingt die Schilddrüse auf eine sogenannte subklinische Unterfunktion (subklinische Hypothyreose) hin untersuchen lassen. Sonst riskieren sie Folgen für die geistige Entwicklung des Kindes sowie eine Frühgeburt. Das raten Experten angesichts neuer Erkenntnisse darüber, dass viele Frauen eine Schilddrüsenunterfunktion haben, die nicht erkannt wird, weil sich keine Symptome bemerkbar machen. Daher wird sie als subklinisch bezeichnet und wirkt in ihrer Unauffälligkeit wie eine Art Zeitbombe. Denn dieser Zustand der Schilddrüse birgt gerade in der Frühschwangerschaft ein hohes Risiko für Mutter und Kind. Bei den meisten Frauen ist weder ein Schilddrüsenhormonmangel bekannt noch ein Kropf sichtbar und sie sind völlig beschwerdefrei. Daher hilft nur eine auf jeden Fall wichtige Blutuntersuchung, bei der die Konzentration des Hormons TSH aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) bestimmt wird.

Schon ganz leichte Schilddrüsenunterfunktion riskant:

Schon bei einer leichten Unterfunktion des kleinen „Schmetterlingsorgans" ist der TSH-Wert erhöht. Galten bislang noch TSH-Werte bis zu 4—5 mU/l (Millieinheiten pro Liter) als normal, so zeigte ein aktuelle Studie aus Italien, dass schon bei TSH-Werten über 2.5 mU/l bei schilddrüsengesunden Frauen, die kein Schilddrüsenmedikament einnahmen und auch keine Schilddrüsenantikörper aufwiesen, in der Frühschwangerschaft Schädigungen des Kindes auftreten können.

Abgesehen davon, dass auch jede Frau mit gesunder Schilddrüse in der Frühschwangerschaft oder besser noch vor Eintritt einer Schwangerschaft in jedem Fall ihr TSH im Blut bestimmen lassen sollte, ist diese Untersuchung unerlässlich, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind: Müdigkeit, Kältegefühl, Antriebslosigkeit, Blutarmut, erhöhte Cholesterinwerte oder Erkrankungen wie beispielsweise Typ-1-Diabetes mellitus oder andere Autoimmunerkrankungen, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Nebennierenunterfunktion, Vitiligo („Weißfleckenkrankheit") sowie eine Reihe weiterer Krankheiten. Auch frühere Schilddrüsenerkrankungen, Verwandte mit Schilddrüsenerkrankungen oder auch schon eine geringe Vergrößerung am Hals im Schilddrüsenbereich geben Anlass für einen Schilddrüsencheck zur TSH-Wert-Ermittlung. Manchmal ist auch ein über längere Zeit unerfüllter Kinderwunsch ein Anzeichen für eine bisher übersehene Unterfunktion der Schilddrüse.
Negro R et al.: Increased Pregnancy Loss Rate in Thyroid Antibody Negative Women With TSH-Levels between 2.5 and 5.0 in the First Trimester of Pregnancy.;J Ciln Edocrinol Metab 2010 Jun 9 [Epub ahead of print]

 

Oktober 2010

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020