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BEI STÖRUNGEN DER SCHILDDRÜSE AUCH AN EISENMANGEL DENKEN

Die meisten Menschen in Deutschland nehmen immer noch weniger Jod zu sich, als ihre Schilddrüse benötigt. Auf Dauer versucht dann die Schilddrüse, diesen Mangel auszugleichen. Häufig ist eine vergrößerte Schilddrüse die Folge. Ein solcher Kropf kann zu zusätzlichen Problemen, etwa heißen oder kalten Knoten, führen. Zwar hat sich die Jodzufuhr in den letzten Jahren verbessert, von einer Entwarnung ist aber immer noch nicht zu sprechen. Die Deutschen decken derzeit durchschnittlich etwa nur zwei Drittel ihres Jodbedarfs. Spezielle Personengruppen wie Schwangere oder Stillende weisen noch größere Defizite auf.

Ähnliches gilt auch für die Versorgung mit Eisen. Es wird geschätzt, dass ungefähr 25 % der Weltbevölkerung unter Eisenmangel leiden. Überwiegend sind Frauen im gebärfähigen Alter davon betroffen. In Europa sind es ca. 10 %, in den Entwicklungsländern sogar bis zu 50 %. Ein erhöhter Eisenbedarf wird bei Frauen besonders durch Menstruation, Schwangerschaft und Stillperiode hervorgerufen. Nur ein geringer Prozentsatz von Männern (ca. 3 %) leidet an Eisenmangel. Eisen ist ein Mineral, das in unserem Körper wichtige Funktionen erfüllt. So ist es der zentrale Baustein des roten Blutfarbstoffs und wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen. Normalerweise ist Eisen in der Nahrung in ausreichender Menge enthalten und wird im Dünndarm aufgenommen. Liegt im Körper zu wenig Eisen vor, kann eine Eisenmangelanämie (Blutarmut) die Folge sein. Durch Eisenmangel wird die Produktion des roten Blutfarbstoffes, des Hämoglobins, gestört. Er ist der Hauptbestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Die Folgen sind Müdigkeit, Infektanfälligkeit und verminderte körperliche Leistungsfähigkeit.

Eisenmangel hemmt jedoch auch den Schilddrüsenstoffwechsel und verringert dadurch die Wirksamkeit von jodiertem Salz. In Entwicklungsländern hat man festgestellt, dass durch eine Salzjodierung die durch Jodmangel verursachten Gesundheitsstörungen nicht immer vollständig behoben werden. Die Gabe von Eisen verbesserte bei Kindern, die unter einem Kropf und Eisenmangel litten, deutlich die Wirksamkeit des jodierten Salzes. Die vergrößerte Schilddrüse ließ sich so wesentlich besser behandeln. Gleichzeitig ist Eisen auch wichtiger Bestandteil des Enzyms Schilddrüsen-Peroxidase (TPO). Die Bildung von Schilddrüsenhormonen ist also nicht nur von Jod, sondern auch von Eisen abhängig. Ein Eisenmangel trägt zu einer Hemmung des Schilddrüsenstoffwechsels bei, kann also eine Schilddrüsenunterfunktion mit verursachen und vor allem verstärken. Gleichzeitig ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion die Aufnahme von Eisen verschlechtert.

Ebenso wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung kann der Arzt einen Eisenmangel anhand einer Blutuntersuchung feststellen. In einigen Fällen sind dann möglicherweise weitere Untersuchungen notwendig, um die Ursachen für den Eisenmangel zu finden. Schilddrüsenpatienten, die Schilddrüsenhormone verordnet bekommen haben, müssen jedoch bei der Einnahme von Eisenpräparaten eine Besonderheit unbedingt beachten. Eisen und Thyroxin sollten keinesfalls gleichzeitig eingenommen werden. Das Eisen könnte die Resorption und damit die Wirkung von Thyroxin hemmen. Nach der morgendlichen Thyroxin-Tablette sollten bis zur Eiseneinnahme mindestens vier Stunden vergehen.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020