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SCHILDDRÜSENSTÖRUNGEN BEI KINDERN: NORMALE ENTWICKLUNG DANK FRÜHER BEHANDLUNG

Für die Entwicklung des Menschen ist die Schilddrüse bereits im Mutterleib von größter Bedeutung. Sie produziert Schilddrüsenhormone (T3 = Trijodthyronin und T4 = Thyroxin), die in der frühkindlichen Entwicklung eine herausragende Bedeutung für die Entwicklung des Gehirns haben und eine wesentliche Rolle für das Wachstum des Kindes spielen. Dafür müssen diese Hormone in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Bei Neugeborenen, die mit einer Schilddrüsenunterfunktion auf die Welt kommen (man spricht von einer kongenitalen Hypothyreose), fehlen die wichtigen Schilddrüsenhormone. In den allermeisten Fällen hat sich die Schilddrüse nicht richtig entwickeln können: Sie ist entweder gar nicht vorhanden, nur sehr klein, oder ein Schilddrüsenrest befindet sich an einer anderen Stelle im Körper (meist am Zungengrund). Auch ein hochgradiger Jodmangel oder eine Störung der Hirnanhangsdrüse, bei der das Regelhormon TSH fehlt, können zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

Unbehandelt würde eine solche Hypothyreose schwere bleibende geistige und körperliche Schäden zur Folge haben. Daher findet in Deutschland wenige Tage nach der Geburt eine Schilddrüsenvorsorgeuntersuchung statt. Bei dem sogenannten Neugeborenen-Screening zeigt ein erhöhter Wert des Regelhormons TSH eine Schilddüsenunterfunktion an. Mit einer entsprechenden Behandlung lassen sich Entwicklungsstörungen des Kindes jedoch verhindern. Der Mangel an Schilddrüsenhormon lässt sich leicht durch die Einnahme von Thyroxin-Tabletten oder -Tropfen ersetzen – und das Kind entwickelt sich ganz normal. Eltern müssen jedoch unbedingt darauf achten, dass die verordnete Dosis täglich eingenommen wird, und das lebenslang. Die Einnahme sollte wie eine Selbstverständlichkeit in den täglichen Alltag eingebunden werden. Die Dosierung muss dem Wachstum des kleinen Patienten immer wieder angepasst werden. Dafür sorgen regelmäßige ärztliche Kontrollen.

Neben den angeborenen Schilddrüsenstörungen spielen auch die später erworbenen eine Rolle. So ist eine sich schleichend entwickelnde Unterfunktion nicht immer gleich erkennbar. Oft fällt sie durch schlechtes Wachstum oder (Schul)-Leistungsstörungen und ein hohes Schlafbedürfnis auf. Auch hier bietet eine Ersatzbehandlung mit Schilddrüsenhormonen rasch Abhilfe. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), bei der zu viele Schilddrüsenhormone gebildet werden, tritt meist erst im jugendlichen Alter auf, kann aber in seltenen Fällen auch schon bei Geburt bestehen. Hauptanzeichen sind Herzklopfen, Wärmeunverträglichkeit und Unruhe. Die Überfunktion wird meist medikamentös behandelt.

Schilddrüsenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter werden vom Pädiatrischen Endokrinologen (Hormonspezialist für Kinder und Jugendliche) in Zusammenarbeit mit Kinderärzten behandelt.

Letzte Aktualisierung: 08.08.2018