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SCHMUCKKERBE ODER TEILUNGSHILFE? — WANN TABLETTEN GETEILT WERDEN DÜRFEN

Das Teilen von Tabletten ist in Deutschland gängige Praxis. So hat eine Studie der Universität Heidelberg ergeben, dass etwa ein Viertel aller Tabletten von ambulant behandelten Patienten vor der Einnahme geteilt werden. Für diese Vorgehensweise gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Ärzte nutzen die zusätzlichen Dosierungen, Patienten schätzen Einsparungen bei der Zuzahlung. Oft macht auch eine schrittweise Erhöhung der Dosis, das sogenannte Einschleichen, das Teilen von Tabletten notwendig.

Das Teilen von Tabletten hat aber nicht nur Vorteile, sondern birgt auch Risiken. Manche Tabletten lassen sich schlecht teilen, andere dagegen dürfen überhaupt nicht geteilt werden. Zum einen lässt sich eine geteilte Tablette durch die Bruchkanten deutlich schlechter schlucken. In der Praxis kann es je nach Wirkstoff zu mitunter gefährlichen Über- oder Unterdosierungen mit gesundheitlichen Risiken für Patienten kommen. Nicht immer enthält der Beipackzettel Angaben darüber, ob eine Tablette geteilt werden darf. Entgegen der landläufigen Meinung sind Kerben oder Rillen auf den Tabletten leider kein eindeutiger Hinweis auf die Teilbarkeit. In manchen Fällen sind sie nicht zum Teilen der Tabletten vorgesehen, sondern um Tabletten zu unterscheiden, Tabletten zu stabilisieren oder einfach als „Schmuckkerbe“. Doch auch bei zur Teilung vorgesehenen Tabletten kann es durchaus zu Problemen kommen. Bei unsachgemäßem Vorgehen kann es zu Abweichungen im Tablettensollgewicht kommen. Das heißt in der Praxis, nicht jede Tabletten „hälfte“ enthält auch, wie eigentlich beabsichtigt, genau die Hälfte des Wirkstoffs.

Gerade Schilddrüsenpatienten sollten sich genau informieren, wenn im Verlauf der Behandlung möglicherweise das Teilen ihrer Schilddrüsentabletten ansteht. Wie viele andere Wirkstoffe sollte auch das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin möglichst gleichmäßig im Körper zur Verfügung stehen. Dafür sind jedoch bestimmte Bedingungen Voraussetzung. Zum einen sollte L-Thyroxin stets nüchtern eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden, da die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen im Darm durch Nahrung oder Medikamente behindert werden kann. Zum anderen sollte gewährleistet sein, dass die täglich zugeführte Wirkstoffmenge gleichbleibend ist. Anders als manche anderen Medikamente muss L-Thyroxin ganz besonders fein eingestellt werden. Wenn dauerhaft falsche Dosierungen eingenommen werden, können Funktionsstörungen die Folge sein. So kann z.B. schon eine geringe Erniedrigung im Blutspiegel des Hormons die Beschwerden einer Unterfunktion hervorrufen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Frieren – eine vermeidbare Belastung für den Betroffenen. Sind die Spiegel dagegen zu hoch, können Herzrhythmusstörungen oder Osteoporose auftreten.

Damit solche unkontrollierbaren Schwankungen durch nicht sachgemäßes Teilen von Tabletten gar nicht erst auftreten, sollten sich Patienten möglichst „passgenaue“ Dosierungen verordnen lassen. Ist ein Teilen von Tabletten dennoch unumgänglich, sollte man sich in der Apotheke das korrekte Vorgehen erläutern lassen. Manchmal helfen kleine Tricks, wie die Tabletten mit einfachem Fingerdruck an der vorgesehenen Stelle brechen, andere Patienten verlassen sich lieber auf Tablettenteiler, die in jeder Apotheke erhältlich sind.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020