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ZU UNRECHT VERDÄCHTIGT: JODSALZ VERURSACHT KEINE HAUTVERÄNDERUNGEN

Bereits seit Jahrzehnten gibt es weltweite Bemühungen, den Jodmangel in unserer Nahrung zu beheben bzw. zu lindern. Je nach Schweregrad des Jodmangels bestehen unterschiedliche Risiken: Diese reichen von einer erhöhten Kropfhäufigkeit über milde Schilddrüsenunterfunktionen bis zum angeborenen Kropf und klinisch manifesten Schilddrüsenunterfunktionen. Als wirksamste Maßnahme gegen den Jodmangel hat sich dabei die Verwendung von jodiertem Speisesalz erwiesen. So konnte die Jodversorgung der Bevölkerung deutlich verbessert werden, wenngleich der Jodmangel dadurch noch nicht vollständig behoben ist. Erwünscht ist eine Zufuhr von Jod zwischen 100 bis maximal 250—300 µg (Mikrogramm) pro Tag.

Seit es die Jodsalzprophylaxe gibt, steht die Jodzufuhr bei Kritikern in Verdacht, Hautveränderungen auszulösen. Häufig ist hier die Rede von sogenannten Jodallergien und einer Jodakne. Diese Behauptungen entsprechen jedoch nicht den Tatsachen, verwendet werden sogar medizinisch falsche Begriffe. Allergien sind Erkrankungen, die durch eine Überreaktion des Immunsystems hervorgerufen werden. Dabei lösen Antigene, die in den Körper gelangen, die Bildung von Antikörpern aus. Solche Antigene müssen eine bestimmte Molekülgröße haben, damit sie als Fremdstoffe überhaupt erkannt werden können. Die Jodverbindungen Kalium- und Natriumjodid sowie Kalium- und Natriumjodat, wie sie im jodierten Speisesalz und jodierten Lebensmitteln vorkommen, sind Moleküle von so geringer Größe, dass sie vom menschlichen Organismus nicht als Antigen erkannt werden und somit auch keine Allergien auslösen können. Es gibt also überhaupt keine Allergien gegen das Element Jod und die Salzverbindungen des Jods.

Sehr wohl gibt es hingegen Allergien gegen großmolekulare Jodverbindungen, die z. B. in Röntgenkontrastmitteln, jodhaltigen Desinfektionsmitteln und anderen jodhaltigen Medikamenten vorkommen. Niemand, der eine Allergie gegen diese großmolekularen Jodverbindungen hat, reagiert allerdings allergisch oder nimmt Schaden, wenn er Jodsalze auch in größeren Mengen zu sich nimmt.

Das Problem einer Jodakne wird durch Elemente aus der Gruppe der Halogene (Jod, Brom, Chlor) hervorgerufen, die in großen Mengen zugeführt werden. Berichte über Hautveränderungen in Zusammenhang mit Jod oder Brom beziehen sich immer auf Mengen im Milligramm- bis Grammbereich (1.000 bis 1.000.000-mal mehr als das Jod im Speisesalz), wie sie früher zur Behandlung von bestimmten Erkrankungen eingesetzt wurden und heute nur im Rahmen von Vergiftungen vorkommen können. Aus hautärztlicher Sicht sind Hauterscheinungen immer mit einer Überdosierung von Jod verbunden, die nichts mit der diskutierten Dosierung von Speisesalz zu tun hat.

Ein Sonderfall liegt bei der Erkrankung Morbus Duhring (Dermatitis herpetiformis Duhring) vor. Bei dieser sehr seltenen Autoimmunerkrankung, die nur 1 von 100.000 Menschen betrifft, können auch physiologische Jodmengen zu einer Verschlechterung des Hautbildes führen, so dass diesen Patienten jegliche Speisen und Medikamente mit hohem Jodgehalt verboten werden, insbesondere auch Seefisch. Die Erkrankung wird allerdings nicht durch Jod ausgelöst, sondern besteht in einer besonderen Disposition der Betroffenen.

Insgesamt gilt, dass Veränderungen an der Haut nur bei der Zufuhr sehr hoher Joddosen beobachtet werden, die mit den Maßnahmen zur Behebung des Jodmangels, insbesondere aber mit der Jodsalzprophylaxe, in keinerlei Zusammenhang stehen.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020