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WAS GLEICH HEISST, KANN ANDERS WIRKEN: NOTWENDIGE KONTROLLE BEIM WECHSEL VON L-THYROXIN-PRÄPARATEN

Manch ein Patient, der in den letzten Monaten sein Rezept für das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin in der Apotheke einlösen wollte, konnte eine Überraschung erleben. Seit dem 1. April 2007 sind Ärzte und Apotheker verpflichtet, bei den Medikamenten, von denen es mehrere Hersteller gibt, nur noch ganz bestimmte zu berücksichtigen. So kann es nun sein, dass die Betroffenen plötzlich das Schilddrüsenhormon von einer anderen Firma als bisher gewohnt in den Händen halten.

Die meisten Patienten haben wenig von dieser neuen Regelung der Gesundheitsreform bemerkt, als die Krankenkassen und Generikahersteller (Hersteller von Medikamenten, deren Patent abgelaufen ist) im Laufe des Jahres entsprechende Rabattverträge für bestimmte Medikamente schlossen. Erst die völlig ungewohnte Packung im Alltag lässt nun die meisten stutzen. Und Vorsicht ist gerade bei der Einnahme der „anderen“ Schilddrüsenhormone auch angebracht, denn ganz so problemlos, wie häufig angenommen wird, lässt sich L-Thyroxin nicht austauschen.

Grundsätzlich ist zwar der Stoff L-Thyroxin in allen Tabletten gleich, doch die Verfügbarkeit für den Körper kann sich bei verschiedenen Herstellern unterscheiden. Also kann auch bei gleicher Dosierung die Wirkung im Körper unterschiedlich ausfallen. Fachleute diskutieren hier über die sogenannte Bioäquivalenz, also die Vergleichbarkeit der zugeführten Schilddrüsenhormone mit dem natürlichen Hormon. Da dies besonders schwierig zu bestimmen ist, gelten bei verschiedenen Präparaten sogar noch Abweichungen von bis zu 12,5 Prozent als bioäquivalent. In der Praxis kann diese Differenz aber einen deutlichen Unterschied für die Einstellung bedeuten.

Das Problem beim Tablettenaustausch: Anders als manche anderen Medikamente muss L-Thyroxin ganz besonders fein eingestellt werden. Doch bei abweichender Bioverfügbarkeit ausgetauschter Präparate ist dies nicht immer gewährleistet. So kann z. B. schon eine geringe Erniedrigung im Blutspiegel des Hormons die Beschwerden einer Unterfunktion hervorrufen wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Frieren – eine vermeidbare Belastung für den Betroffenen. Sind die Spiegel dagegen zu hoch, können Herzrhythmusstörungen oder Osteoporose auftreten. Besonders riskant sind deshalb abweichende Dosierungen für ältere oder herzkranke Patienten. So könnte sich bei einem Zuviel an Schilddrüsenhormonen eine Herzerkrankung durch die ständige „Ankurbelung“ verschlechtern. Eine besonders sorgfältige Einstellung benötigen außerdem Patienten mit Schilddrüsenkrebs, Neugeborene und kleine Kinder mit Schilddrüsenerkrankungen.

Falls der Apotheker den Austausch vorgenommen hat, wie es in der Gesundheitsreform vorgesehen ist, muss zunächst einmal der Arzt überhaupt von dem Wechsel erfahren. Nach der Umstellung auf ein anderes Medikament sollte deshalb der Arzt unbedingt nach vier bis sechs Wochen erneut die Blutwerte kontrollieren, um sicherzustellen, dass die verwendete Dosis auch mit dem neuen Mittel noch im richtigen Bereich liegt. Oft sind Generika nur sehr wenig preiswerter als Markenpräparate. Es kann also durchaus sein, dass die Medikamentenersparnis durch die erneuten Laborkontrollen aufgehoben wird.

Wenn Sie also gemeinsam mit Ihrem Arzt ganz sichergehen möchten, dass Sie in der Apotheke das gewohnte Arzneimittel „Ihres“ Herstellers bekommen, dann gibt es eine Möglichkeit, die dem Arzt jederzeit offensteht: Kreuzt er auf dem Rezept „aut-idem“ an, so verbietet er automatisch den Austausch in der Apotheke und stellt sicher, dass kein Wechsel stattfindet.

Literatur auf Anforderung vorhanden

Letzte Aktualisierung: 08.08.2018