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JODZUFUHR: DOPPELT UND DREIFACH IST EINMAL ZU VIEL

Um es vorwegzunehmen: Jod ist noch immer Mangelware bei den Deutschen. Nach wie vor bekommen nur wenige Menschen so viel Jod mit der Ernährung, wie ihre Schilddrüse benötigt. Zwar ist der Jodmangel nicht mehr so dramatisch wie noch vor fünfzehn oder zwanzig Jahren. Doch von der Empfehlung (180 bis 200 Mikrogramm Jod pro Tag) bis zu der durchschnittlichen täglichen Jodaufnahme eines Bundesbürgers (120 Mikrogramm) klafft noch immer eine breite Versorgungslücke.

Wenn eine Frau schwanger wird oder stillt, gerät das tägliche „Jodkonto“ noch stärker ins Minus. Dann steigt der Bedarf gleich auf 230 bis 260 Mikrogramm am Tag und ist kaum noch mit der „normalen“ Ernährung zu decken. Viele Frauenärzte empfehlen daher schwangeren Frauen, sich Jodtabletten zu kaufen und mindestens bis zum Abstillen einzunehmen. Obwohl dies bei allen die Regel sein sollte, nimmt nur ein Viertel der Schwangeren die Jodtabletten regelmäßig ein, ein weiteres Viertel greift unregelmäßig auf diese wichtige Ergänzung zurück. So bekommt nur etwa rund die Hälfte aller Kinder genug Jod für einen optimalen Start ins Leben.

Experten sind sich deshalb einig: In der Schwangerschaft ist die Jodzulage unbedingt notwendig. Gegenüber früheren Jahren ist allerdings die „Basisversorgung“ mit dem Spurenelement deutlich verbessert, so dass auch für Schwangere die Zusatzdosis etwas niedriger angesetzt werden kann: Wurden früher noch täglich 200 Mikrogramm Jod als Tablette empfohlen, sind es heute nur noch 100 bis 150 Mikrogramm am Tag.

Im Übrigen sollte natürlich die Jodzufuhr mit der Ernährung stimmen: beim Kochen und Zubereiten im Haushalt Jodsalz verwenden, ein- bis zweimal Seefisch pro Woche und regelmäßig Milch und Milchprodukte essen, auch in der Kantine, beim Bäcker oder Metzger nach der Herstellung mit Jodsalz fragen.

Doch wer sich mehrfach um die Extraportion Jod kümmert, kann auch des Guten zu viel tun. Wenn beispielsweise häufig Algengerichte auf dem Speisezettel stehen oder mehrere verschiedene (jodhaltige) Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, ist vereinzelt auch eine Überdosierung von Jod möglich.

Aus dem reichhaltigen Angebot an unterschiedlichen Vitamin- und Mineralstoffpräparaten in Apotheke und Drogerie sollte deshalb mit Sorgfalt ausgewählt werden, um nicht versehentlich das Doppelte oder Dreifache der empfohlenen Menge an Jod aufzunehmen. So bieten die Hersteller für Schwangere Jod oft bereits in der sinnvollen Kombination mit Folsäure an. Genau wie Jod ist das wichtige Vitamin Folsäure ein Muss für alle Frauen vor und während der Schwangerschaft. Wer dann zusätzlich weitere Jodtabletten bzw. ein Multivitaminmittel mit Jod nimmt oder Algen- und Tangpräparate auf dem Tagesplan hat, liegt schnell einmal über der empfohlenen Menge. Besser ist es, auf eine ausgewogene Menge Jod in der Ernährung zu achten und sich in der Schwangerschaft für ein einziges Zusatzpräparat zu entscheiden, das 100–150 Mikrogramm Jod sowie 400 Mikrogramm Folsäure enthalten sollte.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020