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„BASEDOW'SCHE AUGENERKRANKUNG“ – EINE HERAUSFORDERUNG FÜR ARZT UND PATIENT

Wer an der Basedowschen Erkrankung leidet, kennt meist die vielfältigen Beschwerden, die durch die Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst werden können: Herzrasen, Unruhe, Schwitzen, Gewichtsverlust oder Schlaflosigkeit. Doch bei manchen Patienten, die von dieser speziellen Schilddrüsenerkrankung betroffen sind, kommt noch ein weiteres Krankheitsbild hinzu, die endokrine Orbitopathie.

Im Volksmund als „Basedow'sche Augen“ bezeichnet, betrifft diese Folgeerscheinung des Morbus Basedow vor allem die Augenhöhlen (lat. = Orbita). Das Abwehrsystem des Körpers richtet sich bei der Basedow'schen Erkrankung zwar hauptsächlich gegen die Schilddrüse und bewirkt dort eine dauerhafte Entzündung mit der Überproduktion von Hormonen. Doch die Erkennungsstellen für den Schilddrüsenangriff sind mit denen in der Augenhöhle „verwandt“; beide Rezeptoren sind in ihrer Struktur ganz ähnlich, so dass auch die Augenhöhle gleichzeitig angegriffen werden kann. In diesem Fall findet dann dort ebenfalls eine Entzündung statt, die verschiedene Veränderungen rund um das Auge hervorruft.

Die Entzündung macht sich mit Tränenneigung, seltener Trockenheit, Rötung, Brennen, Fremdkörpergefühl, Lidschwellung oder Schmerzen bemerkbar. Besonders schwierig für den Arzt: Die Erkrankung verläuft bei jedem Betroffenen anders, der weitere Verlauf und die Therapie sind kaum vorhersehbar. Nicht immer schreitet die Gewebeveränderung weiter voran. Doch in einigen Fällen verändert sich das Fett- und Bindegewebe in der Augenhöhle, so dass die Augen hervortreten. Durch eine Verdickung des Augenmuskels kann es zu Fehlstellungen des Auges oder sogar zu Sehstörungen, besonders zu Doppelbildern, kommen. So wird die Erkrankung nicht nur zu einer medizinischen Herausforderung, sondern durch das veränderte Aussehen auch zu einer großen seelischen Belastung für die Betroffenen.

Eine Ursachenbehandlung für diese autoimmunbedingte Augenerkrankung gibt es nicht. Allerdings kann eine frühzeitige und gezielte Behandlung die Beschwerden lindern, die gesamte Entzündung zurückdrängen und so mögliche Komplikationen vermeiden. Die Behandlung der Schilddrüsenfehlfunktion steht dabei an erster Stelle. Wird die Überfunktion mit Medikamenten, einer Radiojodbehandlung oder einer Operation gestoppt, bessern sich oft auch die Augenprobleme. Gelegentlich entwickelt sich die endokrine Orbitopathie jedoch auch unabhängig von der (behandelten) Schilddrüsenerkrankung weiter.

In jedem Fall wichtig: Wer raucht, sollte möglichst sofort damit aufhören, denn der schädliche Qualm beschleunigt die Entzündung und wirkt sich ganz besonders schlecht auf den Verlauf der Augenkrankheit aus. Einfache Verhaltensregeln sind außerdem: psychischen Stress vermeiden, lange Bildschirmarbeit reduzieren und die Augen im Sommer durch Sonnenbrillen schützen.
Bei jedem Patienten sollte die Behandlung insgesamt sehr sorgfältig auf den persönlichen Krankheitsverlauf abgestimmt werden. Neben Salben und Tropfen zur örtlichen Linderung kann die Einnahme von entzündungshemmendem Cortison nötig sein. Gegen die Fett- und Bindegewebsveränderungen setzen Experten eine Bestrahlung des hinteren Augenabschnitts ein oder können bei zu großem Druck in der Augenhöhle auch eine Operation in Erwägung ziehen. Idealerweise sollte die Behandlung der endokrinen Orbitopathie deshalb in spezialisierten Zentren erfolgen, in denen Experten verschiedener Fachrichtungen eng zusammenarbeiten, neben den Endokrinologen und Nuklearmedizinern als Schilddrüsenspezialisten auch Augenärzte, Chirurgen und Strahlentherapeuten.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020