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SCHILDDRÜSENKREBS: EINE SELTENE KREBSART MIT GUTER HEILUNGSCHANCE

Stellt der Arzt die Diagnose „Knoten“, denkt so mancher an eine bösartige Erkrankung. Doch glücklicherweise haben Schilddrüsenknoten nur in den allerwenigsten Fällen tatsächlich etwas mit Krebs zu tun.

Bei heißen Knoten kann in aller Regel „Krebsentwarnung“ gegeben werden, denn sie sind so gut wie nie bösartig. Kalte Knoten bedeuten jedoch „unterste Alarmstufe“: Sie sollten besonders beobachtet und im Zweifel mit einer Gewebsentnahme untersucht werden. Hinter solchen „kalten“ (nicht hormonproduzierenden) Gewebeveränderungen kann sich nämlich gelegentlich ein Karzinom verbergen. Allerdings ist dies mit bis zu zehn Prozent aller kalten Knoten eher die Ausnahme als die Regel. Weitere Wachsamkeit ist außerdem nötig, wenn ein Kropf innerhalb kurzer Zeit entsteht oder ein lange bestehender Kropf oder Knoten plötzlich rasch wächst. Auch wenn sich die vergrößerte Schilddrüse bzw. die Knoten derb und hart anfühlen oder die Lymphknoten im Halsbereich anschwellen, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden. Nicht immer steckt hinter diesen Zeichen eine Krebserkrankung, eine frühzeitige Abklärung durch den Arzt ist jedoch auf jeden Fall notwendig. Experten schätzen, dass von allen Schilddrüsenknoten nur jeder tausendste etwas mit Krebs zu tun hat, so dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung als sehr niedrig einzuschätzen ist.

Und es gibt noch eine gute Nachricht: Je nach „Unterart“ des Schilddrüsentumors stehen die Heilungschancen sehr gut, rechtzeitiges Erkennen vorausgesetzt. Bei über 90 Prozent der Betroffenen kann der Krebs mit den modernen Behandlungsformen dauerhaft beseitigt werden. Etwa vier Wochen nach der operativen Schilddrüsenentfernung erhalten die meisten Patienten eine sogenannte Radiojodtherapie. Diese „Bestrahlung von innen“ beseitigt weitgehend zuverlässig alle Krebszellen, die im Körper geblieben sind oder vom Tumor bereits gestreut wurden. Die schädlichen Zellen lassen sich dabei durch ihre besonderen Eigenschaften gut „finden und überlisten“. Denn die meisten Schilddrüsenkrebszellen verhalten sich ebenso wie ihre gesunden „Bruderzellen“ in der Schilddrüse: Sie speichern Jod, unabhängig davon, wo sie im Körper wachsen. Auch das radioaktive Jod, das der Patient in einer Kapsel schluckt, nehmen die Krebszellen bereitwillig auf. Die Krebszellen reichern die radioaktive Substanz an und besiegeln so ihren eigenen Untergang. Eine äußere Bestrahlung oder belastende Chemotherapie wie bei anderen Krebsarten ist dann meist nicht mehr nötig, möglicherweise aber mehrere Radiojodbehandlungen.

Die Radiojodbehandlung eignet sich für die sogenannten papillären und die follikulären Karzinome der Schilddrüse, die den größten Teil aller bösartigen Schilddrüsenerkrankungen ausmachen. Die beiden anderen weniger häufigen Schilddrüsenkrebsarten, die medullären und die undifferenzierten (anaplastischen) Karzinome, sprechen nicht auf eine Radiojodbehandlung an, da deren Zellen kein Jod speichern.

Da bei Schilddrüsenkrebs grundsätzlich die vollständige Schilddrüse entfernt wird, ist anschließend die tägliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen lebenslang nötig. Eine sorgfältige Einstellung der richtigen Dosis und vor allem zu Anfang engmaschige Kontrollen spielen eine zentrale Rolle für die Tumornachsorge.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020