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KNOTEN-KROPF: „GLEICHBERECHTIGUNG“ BEI MANN UND FRAU

„Von Schilddrüsenerkrankungen sind Frauen häufiger betroffen als Männer“ – diese Aussage war auch in Fachkreisen vor Jahren noch eine akzeptierte Tatsache. Doch heute weiß man durch neuere Studien, dass sich dies keineswegs so eindeutig behaupten lässt: Gewebeveränderungen der Schilddrüse treten bei Männern und Frauen bundesweit gleich häufig auf.

In der Papillon-Studie, bei der 100.000 Deutsche untersucht wurden, fanden sich Knoten oder Vergrößerungen des kleinen Organs bei 34 Prozent aller Frauen. Die Männer lagen mit 31,8 nur so wenig darunter, dass von einer typischen „Frauenkrankheit“ keine Rede sein kann – eher von einer „Volkskrankheit“, die immerhin ein Drittel aller erwachsenen Deutschen betrifft. Jeder sollte deshalb seine Schilddrüse vom Hausarzt regelmäßig abtasten lassen, um Knoten oder Vergrößerungen rechtzeitig feststellen zu können – Männer ebenso wie Frauen.

Trotz des bundesweiten Gleichstands der Geschlechter unter den 20 Millionen Schilddrüsenveränderungen hält sich das (Vor-)Urteil von der weiblichen Häufung noch immer. Hier kommt jedoch eine andere Schilddrüsenerkrankung ins Spiel: Autoimmunerkrankungen sind tatsächlich häufiger bei Frauen. So schätzen Experten, dass die sogenannte Hashimoto-Entzündung und auch die Basedow'sche Erkrankung bei Frauen fünf- bis zehnmal häufiger auftreten als bei Männern.

Während eine zu niedrige Jodversorgung gleichmäßig in der gesamten Bevölkerung Gewebeveränderungen verursacht, spielen bei den Schilddrüsenentzündungen die weiblichen Hormonumstellungen eine Rolle. So können manche Schilddrüsenstörungen durch Hormonschwankungen (mit) ausgelöst werden, die jede Frau in ihrem Leben durchmacht: Pubertät, Schwangerschaft, Stillzeit und die Wechseljahre führen zu beträchtlichen Hormonveränderungen. Nicht selten gerät deshalb nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren die weibliche Schilddrüse aus dem Takt. Frauen sollten deshalb bei Schwangerschaft und Wechseljahren auf mögliche schilddrüsenbedingte Stoffwechselbeschwerden achten, wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Frieren oder Haarausfall.

Diese Schilddrüsenerkrankungen treten jedoch zahlenmäßig insgesamt weitaus weniger häufig auf als die Gewebeveränderungen Knoten oder Kropf, so dass sie in der Bevölkerung nur einen kleineren Teil der gesamten Schilddrüsenerkrankungen ausmachen.

Ob Mann oder Frau – spätestens ab dem 45. Lebensjahr gilt deshalb für jeden Erwachsenen: Zur Früherkennung von Knoten und Vergrößerung sollte der Arzt die Schilddrüse mindestens einmal im Jahr abtasten.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020