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JOD UND HORMON IM DOPPELPACK – KROPFBEHANDLUNG AUF MODERNE ART

Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland haben eine vergrößerte Schilddrüse, die behandelt werden muss. Zu wenig Jod in der Nahrung ist fast immer die Ursache für die Veränderung. Die Schilddrüse vergrößert sich bei Jodmangel wie ein Schwamm, um möglichst viel von dem knappen Jodangebot aus dem Blut aufzunehmen.

Die tiefere Ursache für das übermäßige Wachstum liegt in der Hirnanhangsdrüse: Bei Jodmangel kurbelt sie durch das Steuerungshormon TSH die Schilddrüse an, mehr Hormon zu produzieren. Das TSH treibt die Schilddrüse dann nicht nur zu Höchstleistungen an, sondern auch zum Wachstum, um den Jodmangel dadurch auszugleichen.

Bei einem Kropf (Struma) verordnet der Arzt in jedem Fall zunächst Jod in Tablettenform, um die Erkrankung aufzuhalten. Denn sobald sich die Schilddrüse an einem „gedeckten Jod-Tisch“ ausreichend versorgen kann, hat sie keinen Grund mehr zu wachsen. Bei Kindern ist diese so genannte Monotherapie, also die alleinige Gabe von Jod, auch erfolgreich und bewirkt zumeist eine Verkleinerung des Organs auf Normalgröße.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen mit einer vergrößerten Schilddrüse ist Jod allein jedoch oft zu wenig, um eine Struma zum Schrumpfen zu bringen. Viele Betroffene wundern sich dann, warum sie außer dem Spurenelement auch noch Schilddrüsenhormon einnehmen sollen, obwohl keine Hormonstörung der Schilddrüse vorliegt. Doch die Hormongabe hat mit einem Mangel an Schilddrüsenhormon, also einer Unterfunktion, nichts zu tun. Vielmehr durchbricht das zusätzliche Schilddrüsenhormon den Regelkreis, der die Schilddrüse zum Wachsen bringt: Die Hirnanhangsdrüse schüttet dadurch weniger von dem Wachstumsfaktor TSH aus, die Schilddrüse wird „entlastet“.

Bei dieser sogenannten Kombinationstherapie von Jod und L-Thyroxin wird der Kropf also gleich doppelt bekämpft: Das Medikament wirkt gleichzeitig gegen den Jodmangel als eigentliche Ursache und unterstützend gegen den Wachstumsreiz im Schilddrüsengewebe.

Je früher der Kropf (Struma) entdeckt wird, umso erfolgreicher lässt er sich mit dieser Wirkstoffkombination verkleinern. Auch bei kalten Knoten, die nachgewiesen gutartig und noch nicht allzu groß sind, kann der Arzt hier einen Behandlungsversuch machen. Um die Behandlung zu kontrollieren, sollte er regelmäßig den TSH-Wert im Blut messen. Ein Wert, der im unteren Drittel des normalen Bereichs liegt (ca. 0,3–1,2 mU/l), zeigt an, dass die „Wachstumsunterdrückung“ genau richtig eingestellt ist. Eine Verkleinerung ist dann nach etwa sechs bis zwölf Monaten zu erwarten.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020