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SCHWACHE KNOCHEN DURCH SCHILDDRÜSENÜBERFUNKTION

Besonders Frauen wissen es bereits: Hormone sorgen im Körper dafür, dass die Knochen stark bleiben. Doch die meisten denken dabei an die zurückgehenden weiblichen Hormone in den Wechseljahren und den Knochenschwund, der danach oft auftritt. Osteoporose kann jedoch auch mit einer anderen Art von Hormonen etwas zu tun haben: den Schilddrüsenhormonen.

Zeitlebens wird unsere Knochenmasse ständig auf- und abgebaut – gesteuert von einem ganzen Orchester an verschiedenen Botenstoffen, den Hormonen. Die Nährstoffe Calcium und Vitamin D sind ebenfalls mit von der Partie. Spielt dabei einer der „Mitwirkenden“ falsch, gerät auch der Knochenstoffwechsel aus dem Takt: So beschleunigen zu viele Schilddrüsenhormone im Blut nicht nur den gesamten Stoffwechsel im Körper, sondern erhöhen auch den Calciumstoffwechsel im Knochen („high turnover“). Langfristig überwiegt dann der Abbau von Knochenmasse; es kann zu einer Osteoporose kommen.

Die Schilddrüsenüberfunktion wird in den meisten Fällen durch sogenannte heiße Knoten („autonome Adenome“) ausgelöst, bei vielen Betroffenen auch durch die Basedow'sche Erkrankung. Die Beschwerden durch die Überfunktion sind mit Herzrasen, Nervosität, Schwitzen vielfältig und ohnehin belastend. Durch den möglichen Knochenschwund riskieren Betroffene außerdem spätere Knochenbrüche, in der Folge oft Schmerzen oder sogar Bettlägerigkeit.

Nicht zuletzt wegen dieses Knochenrisikos steht die Behandlung der Überfunktion deshalb an erster Stelle. Bei beiden Schilddrüsenkrankheiten können schilddrüsenblockierende Medikamente (Thyreostatika) zunächst die Schilddrüsenfunktion „drosseln“, bevor dann langfristig an eine Operation oder Radioiodbehandlung des überaktiven Organs gedacht werden muss.

Heiße Knoten in der Schilddrüse sind bei Menschen über 45 Jahre besonders häufig und werden oft zu spät behandelt. Meist bestehen heiße Knoten oder sogar eine unterschwellige Schilddrüsenüberfunktion schon seit Jahren, ohne dass die Betroffenen oder der Arzt es merken. Da die Knoten zunächst keine Schmerzen oder Beschwerden machen, sollte jeder gelegentlich den Arzt um eine Tastuntersuchung der Schilddrüse bitten. Alle Menschen über 45 Jahre sollten außerdem regelmäßig den sogenannten TSH-Wert im Blut messen lassen, der eine Überfunktion rechtzeitig anzeigt.

Umgekehrt sollte bei einer bestehenden Osteoporose immer auch die Schilddrüse als mögliche Ursache untersucht werden. Wird der Knochenschwund festgestellt, sollten Arzt und Patient auf jeden Fall gemeinsam überlegen, ob im Laufe des bisherigen Lebens zeitweise einmal eine Schilddrüsenüberfunktion bestanden hat. Keine Sorgen sind dagegen bei einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen angebracht: Diese werden vom Arzt meist gegen eine Unterfunktion verordnet und führen nicht zu Osteoporose.

Bei älteren Menschen muss besonders gründlich auf Schilddrüse und Knochengesundheit geachtet werden, denn sie sind gleich doppelt gefährdet: Im fortgeschrittenen Alter treten heiße Knoten nicht nur wesentlich häufiger auf, sondern auch die verschwundene Knochenmasse kann nicht mehr ohne Weiteres – wie bei jungen Menschen – ersetzt werden. Ein niedriger Östrogenspiegel bei Frauen nach den Wechseljahren kommt als zusätzlicher Risikofaktor hinzu.

Rechtzeitige Untersuchung der Schilddrüse und die entsprechende Behandlung lohnt sich in jedem Alter für die Knochengesundheit – für ältere Menschen sogar doppelt.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020