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SCHLÜSSELLOCHTECHNIK BEI DER SCHILDDRÜSENOPERATION: NICHT IMMER DIE BESSERE WAHL

100.000 Menschen werden in Deutschland jährlich an der Schilddrüse operiert – mit unterschiedlichen Methoden. Häufig berichten die Medien über die minimalinvasive Chirurgie („Schlüssellochchirurgie“), die zunehmend auch bei der Schilddrüse angewendet wird. Der Begriff Schlüssellochchirurgie beschreibt dabei die Vorgehensweise beim Eingriff: Durch kleine Schnitte führt der Operateur wie durch ein Schlüsselloch die Operationsinstrumente zusammen mit einer winzigen Kamera in das Operationsgebiet ein. Diese Schnitte setzt er dabei am Hals oder alternativ an den Rändern der Brustwarzen und der Achselhöhle. Die Kamera überträgt die Operation im Inneren des Körpers auf einen Monitor, so dass die Instrumente entsprechend gesteuert werden können. Vor allem aus kosmetischen Gründen wünschen sich viele Betroffene durch diese Technik eine kleinere Narbe.

Aber auch bei der normalerweise üblichen Operationsmethode wird eine möglichst unauffällige Narbe angestrebt. Mit einem sogenannten Kragenschnitt am Hals, nutzt der Operateur ebenso wie bei der Schlüssellochchirurgie die Halsbeugefalte für den kurzen Schnitt, durchtrennt dann die oberen Gewebeschichten, legt die Schilddrüse frei und entfernt vorsichtig krankes oder überschüssiges Gewebe. Vor einer Entscheidung für die eine oder andere Operationsmethode sollten Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Denn das kosmetische Ergebnis – der am häufigsten angeführte Vorteil der Schlüssellochchirurgie – unterscheidet sich bei beiden Methoden letztlich nur wenig. Zudem eignet sich die minimalinvasive Chirurgie nicht für die Mehrzahl aller Erkrankungen der Schilddrüse.

Der Hauptvorteil der Schlüssellochchirurgie ist die Tatsache, dass die Narbe mit ca. zwei Zentimetern etwas kleiner ist als bei der herkömmlichen Methode (heute 4—5 cm, früher 8—12 cm). Sonst konnten in vergleichenden Untersuchungen bisher keine Unterschiede gefunden werden. So konnte in Studien auch nicht bestätigt werden, dass Nackenschmerzen danach weniger ausgeprägt auftreten oder Patienten etwas früher nach Hause entlassen werden konnten.

Um das kranke oder überschüssige Schilddrüsengewebe zu entfernen, müssen bei beiden Methoden am Organ die gleichen Schnitte durchgeführt werden. Insofern können mögliche Komplikationen wie Stimmbandverletzungen gleichermaßen auftreten, so dass in jedem Fall die an der Schilddrüse anliegenden Stimmbandnerven während der Operation sorgfältig vom Chirurgen überwacht werden müssen. Zu bedenken ist auch, dass das weggeschnittenene Schilddrüsengewebe letztlich „abtransportiert" werden muss. Bei den kleinen Öffnungen kann das eine mühsame Angelegenheit sein: Die minimalinvasive Operation dauert deshalb mit zwei bis vier Stunden durchweg länger als eine herkömmliche offene Operation. Bei einer stark vergrößerten Schilddrüse oder Knoten über drei Zentimetern ist sie sogar völlig ungeeignet, ebenso bei Schilddrüsenkrebs. Die Schlüssellochchirurgie eignet sich auch dann nicht, wenn eine Entzündung der Schilddrüse besteht oder bereits ein zweites Mal operiert werden muss. Infrage kommt die Schlüssellochtechnik also nur für einen kleinen Teil der Schilddrüsenerkrankungen: vor allem bei kleinen, möglichst einseitigen Knoten oder Kröpfen.

Ob nun Schlüssellochchirurgie oder Kragenschnitt, die Kosten übernehmen in beiden Fällen die Krankenkassen gleichermaßen. So bleibt also als Hauptargument für die neue Technik vor allem die Narbe. Auch beim Kragenschnitt wird die Wunde meist mit resorbierbaren Fäden und einer kosmetisch unauffälligen Nahtmethode verschlossen Es ist in allen Fällen darauf zu achten, die Narbe mindestens sechs Wochen nach der Operation nicht der prallen Sonne auszusetzen. Von Saunagängen, Parfüm, Chlor- oder Salzwasser ist in dieser Zeit ebenfalls eher abzuraten. Wer sich an diese Tipps hält, kann auch auf Dauer seinen Hals mit einer weitgehend unauffälligen Narbe sehen lassen.

Letzte Aktualisierung: 08.08.2018