SERVICE












JODHALTIGE KONTRASTMITTEL: HERZKATHETER-UNTERSUCHUNG KANN DIE SCHILDDRÜSE GEFÄHRDEN

Bevor eine Untersuchung mit dem Herzkatheter oder eine röntgenologische Untersuchung von Nieren oder Blutgefäßen (Angiographie, Venographie) durchgeführt wird, sollte möglichst rechtzeitig die Schilddrüse untersucht werden. Denn bei all diesen Untersuchungen müssen zunächst jodhaltige Kontrastmittel per Spritze oder Infusion verabreicht werden, damit später auf dem Diagnosebild mögliche Veränderungen oder Erkrankungen besser zu erkennen sind. Auch bei manchen Computertomographien werden solche jodhaltigen Kontrastmittel eingesetzt.

Doch so sinnvoll und hilfreich diese Mittel für die Diagnostik sind, können sie leider mit ihrem extrem hohen Jodgehalt die Schilddrüse völlig aus dem Takt bringen. Zwar verträgt eine gesunde Schilddrüse die Jodmengen bei einer Kontrastmitteluntersuchung ohne Weiteres, doch riskant wird es bei sogenannten heißen Knoten, die häufig auch unentdeckt vorliegen können. Erst mit einer vorbereitenden Medikamenteneinnahme ist die Untersuchung gefahrlos möglich.

Heiße Knoten sind regelrechte „Jodsauger“: Sie nehmen das Spurenelement unkontrolliert auf und produzieren damit mehr Schilddrüsenhormone, als der Körper benötigt. Diese Schilddrüsenüberfunktion macht sich dann meist mit Beschwerden bemerkbar: Der Betroffene leidet unter Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen oder ungewolltem Gewichtsverlust. Doch die heißen Knoten können auch eine Weile im Verborgenen „schwelen“ — mit einer normalen Jodzufuhr liegen die produzierten Hormonmengen noch im Normalbereich, und der Betroffene merkt zunächst nichts.
Bei einem plötzlichen starken Überangebot an Jod, einem so genannten „Jodexzess“, kommt es jedoch zu einer überschießenden Produktion von Schilddrüsenhormonen. Am häufigsten wird dies durch jodhaltige Röntgenkontrastmittel oder jodhaltige Desinfektionsmittel ausgelöst. Auch Augentropfen, Meeresalgenpräparate oder bestimmte Medikamente (z. B. Amiodaron) können große Mengen Jod enthalten.

Der so ausgelöste „Gipfelsturm“ der Schilddrüsenhormone kann zu einer sogenannten thyreotoxischen Krise führen, einer plötzlichen extremen Überfunktion. Symptome dieser Hormonvergiftung sind ein extrem hoher Puls, Herzrhythmusstörungen, Fieber, Zittern, Ruhelosigkeit, starke Durchfälle, Verwirrung und Bewusstseinsstörungen. In Extremfällen kann diese Krise bis zum Koma führen und sogar tödlich enden.

Da auf die wichtige Untersuchung nicht verzichtet werden kann, gilt es, vorher für ausreichenden Schilddrüsenschutz zu sorgen: Wer heiße Knoten hat, muss deshalb zur Vorbeugung vor einer geplanten Untersuchung mit jodhaltigen Kontrastmitteln auf jeden Fall Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) nach ärztlicher Verordnung einnehmen. Diese Medikamente müssen auch nach der Untersuchung noch etwa vierzehn Tage weiter verabreicht werden, da der Jodüberschuss nicht sofort ausgeschieden wird. Doch auch wenn noch keine heißen Knoten bekannt sind, ist es gerade für ältere Menschen sinnvoll, vor einer Kontrastmitteluntersuchung die Schilddrüse vorbeugend untersuchen zu lassen, denn ab 45 Jahren hat etwa jeder vierte Deutsche Knoten in der Schilddrüse, oft ohne davon zu wissen. Neben dem Blutcheck (Bestimmung des TSH-Wertes) sollte der Arzt dabei die Schilddrüse unbedingt auch mit Ultraschall untersuchen, da er nur so Knoten erkennen kann.

Wird der Arzt fündig, dann sollte er ebenfalls vor der Untersuchung mit jodhaltigen Kontrastmitteln einen Schilddrüsenblocker zum Schutz verordnen. Die Diagnose hat außerdem noch einen weiteren Vorteil: Rechtzeitig erkannt, können die Knoten auch künftig vom Arzt beobachtet und angemessen behandelt werden.

Letzte Aktualisierung: 08.08.2018