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WOLFSTRAPP UND MÖNCHSPFEFFER: PFLANZLICHE MITTEL SIND BEI SCHILDDRÜSENERKRANKUNGEN UNGEEIGNET

In keinem Land Europas sind pflanzliche Arzneimittel so beliebt wie in Deutschland. Von der „sanften Medizin“ versprechen sich viele eine schonende Behandlung, die mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist als bei herkömmlichen Arzneimitteln. Für eine ganze Reihe von Erkrankungen ist in der Tat das richtige Kraut gewachsen. Oft tut man beispielsweise bei einer Erkältung als Betroffener gut daran, zuerst einmal einen Heilungsversuch mit solchen traditionellen Hausmitteln zu machen.

Doch nicht alle Pflanzen sind in ihrer Wirkung so sanft und harmlos, wie die meisten vermuten. So werden von der Alternativmedizin ganz verschiedene Pflanzen gegen Schilddrüsenerkrankungen empfohlen. Von den eher milden (aber auf die Schilddrüse wirkungslosen) Arzneipflanzen wie Salbei, Lavendel, Klette oder Schachtelhalm reichen die Empfehlungen bis hin zum weniger harmlosen Wolfstrapp (Lycopus europaeus).

Dieser europäische Lippenblütler erinnert mit der Form seiner Blätter an den Abdruck einer Wolfspfote. Tatsächlich kann für die daraus hergestellten Pulver oder Extrakte eine hemmende Wirkung bei Schilddrüsenüberfunktion beobachtet werden, so dass sie als pflanzliche Thyreostatika bezeichnet werden können. Doch bei dieser Pflanze ist große Vorsicht geboten. Sie hemmt zwar die Schilddrüsenhormone, doch greift sie gleichzeitig auch in den übrigen Hormonhaushalt ein, beispielsweise senkt sie Gonadotropin und Prolaktin. Auch der Mönchspfeffer beeinflusst verschiedene Hormone im Körper und wird deshalb gegen Wechseljahresbeschwerden eingesetzt; auch bei Schilddrüsenerkrankungen wird diese Pflanze von Naturheilkundlern gelegentlich empfohlen.
Da Wolfstrapp nur für die Überfunktion geeignet ist, gilt für Patienten mit einer Unterfunktion oder einem Kropf ohne Funktionsstörung in jedem Fall: Finger weg! Völlig tabu ist das Mittel auch für Schwangere und Stillende. Wichtig zu wissen: Bei einer geplanten nuklearmedizinischen Schilddrüsendiagnostik können Wolfstrapp-Präparate die Ergebnisse verfälschen. Während herkömmliche Medikamente zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen sehr genau in klinischen Studien auf ihre Unbedenklichkeit geprüft werden müssen, haben Experten beim Wolfstrapp wegen der fehlenden Studien einige Zweifel zu seiner möglichen giftigen oder krebserregenden Wirkung.

Angesichts der gut erforschten und deshalb sicheren „herkömmlichen“ Arzneimittel macht es also wenig Sinn, pflanzliche Experimente zu machen. Moderne Schilddrüsenarzneimittel sind zudem in ihrer Wirkweise verlässlich und vorhersehbar; sie bieten somit eine hohe Therapiesicherheit, so dass pflanzliche Mittel bei Schilddrüsenerkrankungen keinerlei Bedeutung haben.

Wer dennoch bei einer Schilddrüsenüberfunktion unbedingt auf das pflanzliche Mittel Wolfstrapp zurückgreifen möchte, sollte folgende wichtige Hinweise beachten:

  • Wolfstrapp-Zubereitungen dürfen nicht plötzlich abgesetzt werden, da es sonst zu einer Verstärkung der Beschwerden kommen kann.
  • Es dürfen keine Schilddrüsenhormon-Präparate gleichzeitig mit Wolfstrapp eingenommen werden.
  • In keinem Fall sollten Wolfstrapp-Präparate ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.

Zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion werden in der pflanzlichen Medizin oft jodhaltige Pflanzen empfohlen wie z. B. Islandflechten, Efeu, Thymian, Klette, Hirtentäschel. Doch der Jodgehalt dieser Pflanzen dürfte je nach Standort sehr unterschiedlich und oft nicht genau bekannt sein. Eine regelmäßige Jodzufuhr kann dagegen mit regelmäßigen Seefischmahlzeiten, Jodsalz im Haushalt und evtl. zusätzlichen Jodtabletten gesichert erreicht werden. Bei einer Unterfunktion muss darüber hinaus in der Regel das fehlende körpereigene Schilddrüsenhormon mit Hilfe von Tabletten ersetzt werden – ein pflanzliches Mittel gibt es hier nicht.

Letzte Aktualisierung: 08.08.2018