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REISESPASS TROTZ SCHILDDRÜSENSTÖRUNG

Unbeschwert auf Reisen gehen: Auch mit einer Funktionsstörung der Schilddrüse ist dies kein Problem – wenn im Vorfeld einige Dinge bedacht werden. Für jeden, der regelmäßig Medikamente wie z. B. Schilddrüsenhormone einnehmen muss, gehört es ganz oben auf die Reise-Checkliste, genügend Tabletten im Reisegepäck zu haben. Falls also der Vorrat knapp wird, sollte man unbedingt daran denken, rechtzeitig vorher ein Rezept vom Arzt ausstellen zu lassen und die Arzneimittel in der Apotheke zu besorgen. Am besten bittet man den Arzt dann auch gleich um eine kurze schriftliche Notiz über die Schilddrüsenerkrankung für eine eventuell nötige Behandlung im Urlaubsland. Für den Fall eines Arztbesuchs oder Krankenhausaufenthalts kann damit der Arzt vor Ort fachgerecht und umfassend über die bestehende Erkrankung der Schilddrüse informiert werden. Außer der Art der Schilddrüsenerkrankung und der derzeitigen Behandlung sollten hier auch die Dosierung und Zusammensetzung der Medikamente vermerkt werden. Selbst wenn das Medikament im Urlaubsland einen anderen Namen trägt, kann dann der örtliche Apotheker weiterhelfen und so bei Verlust der Packung schnell für Nachschub sorgen. Vor allem bei Flugreisen gilt: Wichtige Medikamente wie Schilddrüsenarzneimittel besser nicht in den Koffer packen, der gelegentlich auch einmal verspätet oder gar nicht ankommen kann. Das Handgepäck ist hier der bessere Transportweg, denn so sind die Medikamente immer zur richtigen Zeit dabei.

Sofern die Schilddrüsenstörung gut behandelt ist, steht dann den Urlaubsfreuden nichts mehr im Wege. Wer jedoch unter einer (noch unbehandelten oder nicht ausreichend behandelten) Überfunktion des kleinen Organs leidet, sollte sich im Urlaub an einige Regeln halten. So läuft der Kreislauf durch die Überfunktion ohnehin bereits ständig auf Hochtouren: Urlaubsziele mit extremen Belastungen wie Hochgebirge oder Tropen sind daher wenig geeignet. Auch mit großer Hitze kommen die meisten Betroffenen nicht gut zurecht, denn Schwitzen oder sogar regelrechte Hitzewallungen gehören auch bei gemäßigten Temperaturen schon zu den Beschwerden der Schilddrüsenüberfunktion. Die sommerliche Hitze in südlichen Ländern kann diese unangenehmen Erscheinungen so verstärken, dass der Urlaub zur Tortur wird. Wer also noch die Wahl hat, sollte ein Urlaubsziel mit „Wohlfühltemperaturen“ bevorzugen. Und falls doch einmal die Hitze zu schaffen macht, gilt an erster Stelle: Trinken, so viel es geht, damit der Kreislauf nicht noch stärker durch den Flüssigkeitsverlust belastet wird.

Kulinarische Überraschungen hält fast jedes Urlaubsland bereit, und dies können auch Betroffene mit einer Schilddrüsenstörung genießen. Ob Nordsee, Mittelmeer oder Skandinavien: Seefisch spielt hier die Hauptrolle auf der Speisekarte. Diese Extraportion Jod tut den meisten gut; vor allem Menschen mit Schilddrüsenvergrößerungen, die durch Jodmangel bedingt sind. Sie können bei den leckeren Fischgerichten reichlich „zuschlagen“.

Eine gelegentliche Fischmahlzeit schadet auch dann nicht, wenn wenig Jod gegessen werden soll. Auch Patienten mit Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis können am Meer Urlaub machen. Vorsicht ist geboten bei der hoch dosierten Gabe von jodhaltigen Medikamenten oder Röntgenkontrastmitteln. Bei einer akuten Erkrankung am Urlaubsort muss dann der Arzt auf die Schilddrüsenstörung aufmerksam gemacht werden. Im Urlaub noch ein weiterer Grundsatz, vor allem für Asien-Reisende: Einige Algenarten, die z. B. für Algensalate oder -suppen verwendet werden, enthalten extrem hohe Jodmengen. Bei einer bestehenden Schilddrüsenstörung lässt man von diesen Gerichten besser die Finger weg.

Von einem alten Vorurteil sollten sich alle (Nord-)See-Urlauber verabschieden: An der See ist die Luft sicher erfrischend und gesundheitsfördernd, mit ihrem angeblichen Jodgehalt kann ein Jodmangel jedoch sicher nicht behandelt werden, auf der anderen Seite schadet die Seeluft auch Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse nicht.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020