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AUTOIMMUNERKRANKUNGEN: SELBSTANGRIFF DES KÖRPERS

Schilddrüsenerkrankungen können auf ganz verschiedenartige Weise entstehen. So ist der Jodmangel in der Nahrung eine der häufigsten Ursachen für Kropf- und Knotenbildung. Doch auch der Körper selbst kann schwere Schäden an dem Mini-Organ auslösen: Die Basedow'sche Krankheit (Morbus Basedow) oder die Hashimoto-Thyreoiditis sind sogenannte Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse.

Dabei greift der Körper sich selbst bzw. seine eigenen Organe mit dem Immunsystem an (griech. auto = selbst). Die Abwehrstoffe, die normalerweise körperfremde Eindringlinge wie z.B. Krankheitserreger bekämpfen sollen, werden plötzlich fehlprogrammiert und richten sich beispielsweise gegen die Schilddrüse. Der Körper reagiert dann so wie bei einer „normalen“ Abwehrreaktion: mit einer Entzündung des Organs. Diese chronische Entzündung führt bei der Schilddrüse auf Dauer zur Zerstörung.

Die Autoimmunstörungen der Schilddrüse werden meist erst festgestellt, wenn das Organ bereits in seiner Funktion verändert ist, so dass je nach Erkrankung die Beschwerden einer Über- oder Unterfunktion auftreten. Typischerweise ist der Morbus Basedow mit einer Überfunktion verbunden: Der Betroffene leidet unter Herzrasen, Nervosität, Schlafstörungen und Rastlosigkeit. Zusätzlich kommen noch die Folgen der Fehlreaktion des Immunsystems hinzu wie hervortretende Augen, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Auch die Hashimoto-Entzündung kann zunächst mit einer Überfunktion beginnen, führt jedoch langfristig zu einem Untergang des Schilddrüsengewebes und damit zu einer Unterfunktion mit Müdigkeit, allgemeiner Erschöpfung, depressiver Stimmung und Frieren. Auch hier können zusätzliche Veränderungen z. B. an der Haut auftreten. Sowohl bei Morbus Basedow als auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis werden die vermehrten Schilddrüsen-Antikörper im Blut gemessen und so die Erkrankung festgestellt. Dabei sind vor allem drei Arten von Antikörpern wichtig, die jeweils gegen verschiedene Eiweiße der Schilddrüse wirksam sind: TSH-Rezeptorantikörper (TRAK), Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK) und TPO-Antikörper. Je nach Art und Schwere der Erkrankung können diese Typen von Abwehrstoffen unterschiedlich hohe Blutspiegel aufweisen.

Warum sich das Immunsystem so sehr „irren“ kann, ist noch nicht ausreichend bekannt. Besondere Immunsituationen wie eine Schwangerschaft oder bestimmte Infektionen können ebenso eine Rolle spielen wie Veranlagung, psychische oder Umweltfaktoren. Leider lässt sich das Immunsystem nicht von seinem falschen Weg abbringen, so dass es bei der Behandlung häufig durch Medikamente unterdrückt oder das Angriffsziel, die Schilddrüse, entfernt werden muss.

Übrigens: Nicht immer ist die Schilddrüse das „Opfer“ des verirrten Immunsystems. Beispielsweise wird bei Diabetes mellitus Typ I auf dem gleichen Wege die Bauchspeicheldrüse angegriffen und geschädigt. Da die Bereitschaft zur „Immunentgleisung“ dauerhaft besteht, entwickelt ein Teil dieser Patienten sogar später eine weitere Autoimmunerkrankung wie die Hashimoto-Thyreoiditis. Typ-1 Diabetiker sollten daher routinemäßig auf Schilddrüsenantikörper untersucht werden.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020