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SELEN BEI SCHILDDRÜSENERKRANKUNGEN: MIT VORSICHT ZU GENIESSEN

Immer mehr Schilddrüsenerkrankte setzen ihre Hoffnung auf ein vermeintlich „neues Wundermittel“: Selen. Dieses Spurenelement machte in den letzten Jahren besonders von sich reden und soll so genannte Autoimmunerkrankungen günstig beeinflussen.

In der Tat benötigt unser Körper das lebensnotwendige Element für eine funktionierende Immunabwehr: Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen täglich etwa 30 bis 60 Mikrogramm Selen. Diese Menge ist durch eine ausgewogene Ernährung in aller Regel gut zu erreichen.

Doch ob auch eine regelmäßige zusätzliche Einnahme von Selen in Tablettenform insbesondere für Schilddrüsenpatienten sinnvoll ist, kann noch nicht vollständig medizinisch beurteilt werden. Fest steht auf jeden Fall, dass die Selenbehandlung nur für eine ganz bestimmte Gruppe von Betroffenen nützlich ist. So konnte in Studien ein günstiger Einfluss von Selen auf den Verlauf einer Hashimoto-Thyreoiditis gezeigt werden. Bei dieser Erkrankung greift das körpereigene Abwehrsystem die Schilddrüse an, als ob sie ein fremdes Organ sei, und versucht, die Schilddrüse mit dieser Entzündungsreaktion zu zerstören. Bekamen solche Patienten über drei bzw. sechs Monate 200 Mikrogramm eines Selenpräparats, ging die Entzündungsreaktion bei der Mehrzahl zurück und das Wohlbefinden besserte sich. Für die Patientengruppe, bei denen eine Autoimmun-Schilddrüsenentzündung mit hohen Antikörperwerten im Blut neu festgestellt wurde, kann also eine ärztlich überwachte Therapie mit zusätzlichem Selen durchaus empfohlen werden.

Diese gute Nachricht ist jedoch kein Grund, unkritisch zum Selen als Nahrungsergänzung zu greifen: Die Langzeitwirkung dieser Behandlung ist noch nicht erforscht, ebenso wenig die Wirkung auf andere Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Morbus Basedow. Und auch bei der Hashimoto-Thyreoidits gibt es Einschränkungen: Bei Patienten mit bereits lange bestehender Entzündung ist die Schilddrüse bereits so weit geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen kann und auch die Selengabe nichts mehr nützt.

In jedem Fall sollte also der Arzt über eine zusätzliche Seleneinnahme in Tablettenform entscheiden. Er kann gegebenenfalls auch das richtige Präparat empfehlen: Eine tägliche Höchstdosis von 400 Mikrogramm sollte nicht überschritten werden, außerdem verwertet der Körper die verschiedenen Selenverbindungen unterschiedlich, die in den Mitteln angeboten werden. Und nicht zuletzt ist noch eine weitere Einschränkung bei der Selen-Behandlung zu beachten: Die Kosten für entsprechende Nahrungsergänzungsmittel bzw. frei erhältliche Arzneimittel werden nur bei einem nachgewiesenen Selenmangel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020