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SEELENLEBEN UND SCHILDDRÜSENFUNKTION SIND ENG VERBUNDEN

Bei Depression und anderen psychischen Problemen wie z. B. Angstzuständen sollte immer auch die Schilddrüsenfunktion untersucht werden. Schilddrüse und Psyche stehen in einem engen Zusammenhang. Mehr als die Hälfte aller Patienten mit einer Unterfunktion der Schilddrüse leiden gleichzeitig unter Depressionen.

Erkrankungen der Schilddrüse sind psychischen Erkrankungen oft zum Verwechseln ähnlich: So können bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auch die Gefühle stark „überreagieren“: mit Reizbarkeit, Ungeduld, Rastlosigkeit und verstärkter Ängstlichkeit, manchmal sogar mit Panikattacken – ähnlich wie bei einer psychisch bedingten Angststörung. Die Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) macht sich dagegen durch Antriebslosigkeit, verlangsamtes Denken oder Verwirrung sowie Rückzug aus der sozialen Gemeinschaft bemerkbar. Hier wird bei der Behandlung zunächst oft nicht an eine Schilddrüsenstörung gedacht, sondern negative äußere Lebensumstände oder Alterserscheinungen für die Beschwerden verantwortlich gemacht.

Von einer solchen Fehldeutung können neben den älteren Menschen mit Schilddrüsenstörungen auch junge Frauen betroffen sein: Nahezu jede zehnte Frau entwickelt nach der Geburt eines Kindes eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis), die ebenfalls mit depressionsähnlichen Symptomen verbunden sein kann. Diese Stimmungsschwankung hat dann nichts mit dem bekannten „Baby-Blues“ oder einer überlasteten Mutter zu tun, sondern mit einer körperlichen Reaktion, die unbedingt behandelt werden muss.

Für viele psychische Erkrankungen gilt: Die Überprüfung der Schilddrüse mit einer Blutuntersuchung ist einfach und lohnt sich auf jeden Fall. Denn wird die Funktionsstörung vom Arzt erkannt und entsprechend behandelt, verschwinden auch die seelischen Probleme meist wieder.

Doch auch wenn die Depression andere Ursachen hat und eine Behandlung mit antidepressiven Arzneimitteln begonnen werden soll, können Schilddrüsenhormone manchen Menschen helfen. Zusätzlich eingenommen, können sie bei einigen Depressionsformen bewirken, dass die antidepressiven Medikamente schneller wirken und der Betroffene nicht – wie normalerweise bei diesen Mitteln – mehrere Wochen auf die erleichternde und stimmungsaufhellende Wirkung warten muss.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020