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ULTRASCHALLGESTEUERTE THERMOABLATION VON SCHILDDRÜSENKNOTEN

Bei manchen Patienten mit Schilddrüsenknoten reicht eine konservative, medikamentöse Behandlung nicht mehr aus. Die Knoten müssen entfernt werden. Lange geschah dies durch einen chirurgischen Eingriff oder eine Radiojodtherapie. Nun gibt es eine neue Methode, die schonender ist als eine Operation und weniger umständlich als eine Radiojodtherapie. Die Thermoablation arbeitet mit Wärme und Ultraschall. 

THERMOABLATION – ENTFERNUNG VON SCHILDDRÜSENKNOTEN OHNE OPERATION

Bereits seit den 1970er Jahren werden verschiedene Verfahren der Gewebsentfernung durch thermische Effekte (sog. Thermoablation) in der klinischen Routine angewendet (1). Sie sind in der Behandlung von Leber-, Lungen-, Milz-, Knochen- und Prostatatumoren etablierte Methoden. Bei der Thermoablation wird das erkrankte Gewebe durch Wärme zerstört (Ablation). Mit der Methode behandeln Mediziner erfolgreich heiße Knoten, kalte Knoten sowie undifferenzierte Knoten. Das Ziel der Thermoablation von Schilddrüsenknoten ist, das erkrankte Schilddrüsengewebe in den Knoten zu beseitigen, um die Knotengröße zu verringern. Bei der Thermoablation von Schilddrüsenknoten wird eine Temperatur von mindestens 60°C in der Ablationszone angestrebt. Im Gegensatz zur Radiofrequenzablation (RFA) und Mikrowellenablation (MWA) erfolgt der hochfokussierte Ultraschall (HIFU) komplett nicht-invasiv, das heißt ohne Nadel oder Hautschnitt.

Funktionsweise der Thermoablation durch hochfokussierten Ultraschall

Der therapeutische Ultraschallkopf des HIFU-Gerätes arbeitet mit einer Frequenz von 2 MHz und ist nach innen gebogen. Hierdurch  kommt es zu einer Fokussierung und gezielten Bündelung des Ultraschalls durch die Haut in den Schilddrüsenknoten. Bei der Ablation wird ein Volumen in der Größe eines Reiskorns erhitzt. Gleichzeitig wird mit einem zweiten, diagnostischen Ultraschallkopf die Behandlung überwacht. Der Vorteil dieses nicht-invasiven thermoablativen Verfahrens ist, dass es nahezu schmerzlos durchgeführt werden kann, kein Infektionsrisiko besteht und keine Narkose notwendig ist. Die Krümmung des Ultraschall-Kopfes bestimmt den Fokussierungsgrad und damit auch die Tiefe, in welcher der beste thermische Effekt auftritt. Abhängig von der Knotengröße kann die Behandlungszeit zwischen 10 und 60 Minuten liegen.

Thermoablation von benignen Schilddrüsenknoten mit hochfokussiertem Ultraschall

2011 wurden erstmals 25 Patienten mit einer Schilddrüsenvergrößerung mittels HIFU behandelt. Bei 16 Patienten zeigten sich signifikante Veränderungen im Ultraschall, und bei 17 Schilddrüsenknoten konnte der gewünschte Effekt an den Schilddrüsenzellen in den Knoten nachgewiesen werden. (2). Mit einer Szintigraphie überprüft der Arzt im Anschluss an die Therapie das Ergebnis der Behandlung sowie in der Nachsorge zunächst nach 3 Monaten und anschließend jährlich (3, 4). Es hat sich gezeigt, dass sowohl gutartige hypofunktionelle („kalte“), indifferente (weder „heiß“ noch „kalt“) oder hyperfunktionelle („heiße“) Schilddrüsenknoten mit der HIFU erfolgreich behandelt werden können (3, 4). Das Volumen der Knoten ist nach 3 Monaten bei einmaliger HIFU-Behandlung um etwa 50 % reduziert (4, 5). Dafür darf das Ausgangsvolumen der zu behandelnden Knoten jedoch nicht zu groß sein (bis ca. 10 ml). Das Behandlungssystem definiert automatisch Sicherheitsabstände zu Luftröhre, Halsschlagader und Haut um diese zu schützen - dadurch müssen Randbereiche des Schilddrüsenknotens unter Umständen aus dem Zielvolumen herausgenommen werden (4–7). Schwerwiegende Komplikationen treten aufgrund der definierten Sicherheitsabstände nicht auf (2–7).

Die HIFU von gutartigen Schilddrüsenknoten kann als alternative Therapie bei Knoten bis 10 ml durchgeführt werden, wenn die Knoten genügend Abstand zur Luftröhre, Halsschlagader und Haut aufweisen und wenn Vorbehalte gegen eine Operation oder eine Radiojodtherapie bestehen. Dabei handelt es sich jedoch noch nicht um ein Standardverfahren und wird daher noch nicht in allen Schilddrüsenzentren angeboten. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist möglich.

Autoren: Prof. Dr. med. Frank Grünwald, PD Dr. Dr. med. Hüdayi Korkusuz 

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Quellen:

1. Rosenberg B, Kemeny G, Switzer RC, Hamilton TC. Quantitative evidence for protein denaturation as the cause of thermal death. Nature 1971; 232(5311):471–3.

2. Esnault O, Franc B, Menegaux F, Rouxel A, Kerviler E de, Bourrier P et al. High-intensity focused ultrasound ablation of thyroid nodules: first human feasibility study. Thyroid : official journal of the American Thyroid Association 2011; 21(9):965–73.

3. Korkusuz H, Fehre N, Sennert M, Happel C, Grünwald F. Early assessment of high-intensity focused ultrasound treatment of benign thyroid nodules by scintigraphic means. Journal of therapeutic ultrasound 2014; 2:18.

4. Korkusuz H, Fehre N, Sennert M, Happel C, Grünwald F. Volume reduction of benign thyroid nodules 3 months after a single treatment with high-intensity focused ultrasound (HIFU). Journal of therapeutic ultrasound 2015; 3:4.

5. Kovatcheva RD, Vlahov JD, Stoinov JI, Zaletel K. Benign Solid Thyroid Nodules: US-guided High-Intensity Focused Ultrasound Ablation-Initial Clinical Outcomes. Radiology 2015; 276(2):597–605.

6. Korkusuz H, Sennert M, Fehre N, Happel C, Grünwald F. Localized Thyroid Tissue Ablation by High Intensity Focused Ultrasound: Volume Reduction, Effects on Thyroid Function and Immune Response. RöFo : Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen und der Nuklearmedizin 2015; 187(11):1011–5.

7. Korkusuz H, Sennert M, Fehre N, Happel C, Grünwald F. Local thyroid tissue ablation by high-intensity focused ultrasound: effects on thyroid function and first human feasibility study with hot and cold thyroid nodules. International journal of hyperthermia : the official journal of European Society for Hyperthermic Oncology, North American Hyperthermia Group 2014; 30(7):480–5.

Letzte Aktualisierung: 07.08.2018