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HASHIMOTO-THYREOIDITIS: IST EIN VERZICHT AUF GLUTEN IN DER ERNÄHRUNG SINNVOLL?

Einige Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, fragen sich, ob sie in ihrer Ernährung auf den Getreidebestandteil Gluten verzichten sollen. Denn in seltenen Fällen kann Gluten eine entzündliche Darmreaktion (Zöliakie) hervorrufen, die ebenfalls eine Autoimmunerkrankung ist. Studien konnten allerdings nicht nachweisen, dass eine glutenarme bzw. glutenfreie Ernährung eine dauerhafte Besserung der Hashimoto-Thyreoiditis bewirkt.

SCHILDDRÜSE KANN VON AUTOIMMUNERKRANKUNGEN BETROFFEN SEIN

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse gehören im Erwachsenenalter zu den häufigsten Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion. Sie haben einen genetischen Hintergrund und werden durch Produktion von Antikörpern gegen Zellbestandteile der Schilddrüse, Einbau von Lymphozyten (Entzündungszellen) in die Schilddrüse und eine Verringerung der Schilddrüsengröße gekennzeichnet. Das Vollbild dieser Erkrankung nennt man „Hashimoto-Thyreoiditis“ nach einem japanischen Arzt aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann im zeitlichen Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten.

UNTERSCHIED ZWISCHEN ZÖLIAKIE UND GLUTENSENSITIVITÄT

Durch Autoimmunvorgänge ausgelöst wird auch die so genannte „Zöliakie“. Daran leiden ca. 0,2 – 1 % der Bevölkerung. Es handelt sich um eine entzündliche Reaktion des Darmes auf den Getreidebestandteil Gluten. Gluten findet sich in Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Kamut und Triticale. Die betroffenen Patienten müssen sich streng an eine glutenfreie Diät halten, um eine dauerhafte und massive Schädigung der Darmschleimhaut zu vermeiden. In der letzten Zeit häufen sich Berichte und Beobachtungen von Menschen, die keine Zöliakie haben und trotzdem glutenhaltige Nahrungsmittel nicht vertragen („Glutensensitivität“). Die Symptome ähneln denen einer Lactose- oder Fructoseunverträglichkeit. Es treten Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen auf. Diese Menschen müssen wahrscheinlich nicht so streng mit der Vermeidung von glutenhaltigen Speisen sein wie die Zöliakiepatienten, d. h. sie können jeweils ausprobieren, welche Speisen sie in welcher Menge noch vertragen.

Keine glutenarme oder glutenfreie Ernährung bei Hashimoto notwendig

Es wurde diskutiert, ob man eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, wie Hashimoto-Thyreoiditis, eventuell durch das Reduzieren glutenhaltiger Speisen behandeln könnte. Entsprechende Studien verliefen allerdings diesbezüglich nicht ermutigend. Es ergibt sich bisher kein Grund, Patienten mit einer Hashimoto-Thyreoiditis generell glutenarm oder sogar glutenfrei zu ernähren. Einzelverläufe, nach denen sich Hashimoto-Patient(inn)en mit Beschwerden trotz ausgeglichener Unterfunktion der Schilddrüse durch Ernährungsumstellung subjektiv besser fühlen, sind unserer Erfahrung nach jedoch oft leider nur von kurzer Dauer. Diese Beobachtungen sollten auf keinen Fall zu einer dauerhaften, massiven Einschränkung der Ernährung der Betroffenen führen.

Autor: Mathias Beyer, Praxis für Endokrinologie Nürnberg

Quellen:

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Sategna-Giudetti C et al, Gut 2001;49:502-505

Kalyoncu D et al, Int J Endocrinol. 2015; Epub Februar 2015

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Letzte Aktualisierung: 07.08.2018