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NEUE STUDIE ZEIGT: DAS SCHILDDRÜSENMEDIKAMENT THYROXIN KANN MÖGLICHERWEISE DAS RISIKO FÜR DARMKREBS SENKEN

Schilddrüsenhormone haben vielfältige Wirkungen im Körper. Wenn das Hormonsystem der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät, können Funktionsstörungen mit verschiedenen Symptomen auftreten. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse leiden die Betroffenen beispielsweise an extremer Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch Gewichtszunahme. Mediziner behandeln eine Schilddrüsenunterfunktion mit dem Hormonpräparat Thyroxin. Eine aktuelle Studie zeigt: Das Schilddrüsenmedikament hilft nicht nur bei einer Unterfunktion, sondern kann möglicherweise auch vor Darmkrebs schützen.

FEHLFUNKTION DER SCHILDDRÜSE KANN DARMKREBS FÖRDERN

Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Verdauungstrakt. Über 95 Prozent aller Darmtumoren liegen im Dick- oder Enddarm, im Gegensatz dazu sind sie im Dünndarm äußerst selten. Zu den Risikofaktoren der Krebserkrankung zählen unter anderem ein erhöhtes Alter, eine erbliche Vorbelastung, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, ein Diabetes Mellitus Typ II, Darmpolypen (Ausstülpungen der Darmschleimhaut), eine ungesunde Lebens- und Ernährungsweise sowie möglicherweise eine unbehandelte Funktionsstörung der Schilddrüse – wie die neueste Forschung zeigt.

NEUE STUDIE: THYROXIN KANN RISIKO FÜR DARMKREBS SENKEN

In einer groß angelegten Fall-Kontroll-Studie mit circa 103.000 Patienten untersuchten Forscher der Universität Pennsylvania den Einfluss von Funktionsstörungen der Schilddrüse auf das Risiko für Darmkrebs. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine unbehandelte Überfunktion oder Unterfunktion der Schilddrüse möglicherweise das Risiko für Darmkrebs moderat erhöhen könnte. Jedoch zeigte sich auch, dass das Schilddrüsenmedikament Thyroxin einen schützenden Effekt vor Darmkrebs hat. Das Besondere: Die protektive Wirkung von Thyroxin war umso stärker, je länger die Behandlung damit andauerte. Beispielsweise sank bei fünf- bis zehnjähriger Einnahme von Thyroxin das Risiko für Darmkrebs um zwölf Prozent, bei einer Einnahme von über zehn Jahren sogar um 32 Prozent. Den schützenden Effekt von Thyroxin erklären die Forscher folgendermaßen: Das Medikament könnte ein Ungleichgewicht im Hormonsystem beseitigen, dass unter anderem durch eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht.

HORMONSYSTEM BEI FUNKTIONSSTÖRUNGEN DER SCHILDDRÜSE AUS DEM GLEICHGEWICHT

Wenn das Hormonsystem der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät, sind komplexe Stoffwechselwege im Körper gestört. Schilddrüsenhormone regulieren darüber zum Beispiel Zellwachstum und -entwicklung und interagieren dabei auch mit dem Stoffwechsel der Östrogene (weibliche Sexualhormone). Östrogene wirken nicht nur auf den weiblichen Organismus, sondern übernehmen auch allgemeine Funktionen im Stoffwechsel. Liegt zu viel oder zu wenig Schilddrüsenhormon vor, kann das fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht geraten. Ein Tumor im Darm könnte sich dann leichter entwickeln.

WICHTIG: SCHILDDRÜSEN-CHECK UND DARMKREBSVORSORGE

Wenn sich die Ergebnisse der Studie in ergänzenden Untersuchungen bestätigen, sollte der Arzt gerade bei unklaren Symptomen oder einer schwach verlaufenden Unterfunktion oder Überfunktion aufmerksam sein. Bei Patienten mit Funktionsstörungen der Schilddrüse könnte zudem eine verstärkte und kontinuierliche Darmkrebsvorsorge sinnvoll sein. Die aktuelle Studie bestätigt: Die Schilddrüse hat vielfältige Wirkungen im Körper. Eine regelmäßige Untersuchung beim Arzt ist wichtig, um Schilddrüsenerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und mit Schilddrüsenmedikamenten in den Griff zu bekommen. Sprechen Sie Ihren Arzt auf einen Schilddrüsen-Check an!

Quellen:

Boursi et al. (2015): Thyroid Dysfunction, Thyroid Hormone Replacement, and Colorectal Cancer Risk. In: J Natl Cancer Inst 2015; 107 (6): djv084. doi: 10.1093/jnci/djv084.

http://www.darmkrebs.de/

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/index.php

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018