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APPLIKATION VON KONTRASTMITTEL MIT JOD: PROBLEME FÜR DIE SCHILDDRÜSE?

Mediziner setzen bei Gefäßuntersuchungen, wie zum Beispiel der Herzkatheter-Untersuchung, einem CT (Computertomographie) oder Darmuntersuchungen jodhaltige Kontrastmittel ein, um mögliche Veränderungen oder Erkrankungen auf dem Diagnosebild besser zu erkennen. Diese Kontrastmittel sind sinnvoll und hilfreich für die Diagnostik. Aber durch ihren extrem hohen Gehalt an Jod können sie für die Schilddrüse zum Problem werden, wenn unentdeckte Erkrankungen des Organs vorliegen. Daher gilt: vor der Untersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel auf Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow oder heiße Knoten checken lassen!

KONTRASTMITTEL: HOHER GEHALT AN JOD

Es gibt zwei Arten von jodhaltigen Kontrastmitteln: Die einen, sogenannte nicht-ionische niedrigosmolare Kontrastmittel, können in die Blutgefäße (in Venen und Arterien) eingespritzt werden und eignen sich für Gefäßdarstellungen wie Herzkatheter-Untersuchungen oder einem CT. Die anderen, sogenannte ionische hochosmolare Kontrastmittel, werden über den Mund oder über den After verabreicht und dienen hauptsächlich der Darstellung des Magen-Darm-Traktes. Die verabreichte Jodmenge kann in beiden Kontrastmitteln im Vergleich zur Gesamtjodmenge im menschlichen Körper etwa 1.500- bis 10.000-fach erhöht sein.  

Schilddrüsenerkrankungen und Kontrastmittel: Vorsicht bei Morbus Basedow und heißen Knoten

Eine gesunde Schilddrüse verträgt diese hohen Jodmengen. Aber bei möglicherweise unentdeckten heißen Knoten oder einem Morbus Basedow wird es riskant. Liegt dann plötzlich ein starkes Überangebot an Jod vor, ein sogenannter „Jodexzess“, produziert die Schilddrüse übermäßig viele Hormone. Diese Überproduktion kann zu einer thyreotoxischen Krise (= plötzliche extreme Schilddrüsenüberfunktion) führen. Symptome dieser Hormonvergiftung sind extrem hoher Puls, Herzrhythmusstörungen, Fieber, Zittern, Ruhelosigkeit, starke Durchfälle, Verwirrung und Bewusstseinsbeschwerden. In Extremfällen kann diese Krise bis zum Koma führen und sogar tödlich enden. Sollten Patienten entsprechende Symptome, die auch noch mehrere Wochen oder Monate nach der Kontrastmittelgabe auftreten können, verspüren, gilt es umgehend den Hausarzt oder eine radiologische Klinik aufzusuchen.

Vor Katheter-Untersuchung, CT oder Darmuntersuchung mit Kontrastmitteln: Schilddrüsen-Check beim Arzt

Um die oben genannten Nebenwirkungen zu vermeiden, wird empfohlen, vor einer Untersuchung mit jodhaltigen Kontrastmitteln die Schilddrüse beim Arzt untersuchen zu lassen. Neben einer Blutkontrolle (TSH-Wert) kann der Arzt die Schilddrüse ebenfalls mittels Ultraschall beobachten. Nur dadurch können Knoten erkannt werden. Die Diagnose hat den weiteren Vorteil, dass eine möglicherweise entdeckte Schilddrüsenerkrankung auch zukünftig vom Arzt beobachtet und angemessen behandelt werden kann.

SCHILDDRÜSENÜBERFUNKTION: THYREOSTATIKA VERHINDERN NEBENWIRKUNGEN

Sind bei Patienten heiße Knoten oder Morbus Basedow bekannt und wird eine Kontrastmittelgabe notwendig, kann mit „Schilddrüsenblockern“ (Thyreostatika) eine Entgleisung der Hormonproduktion verhindert werden. Die Gabe eines Blockers der Jodaufnahme ermöglicht eine Kontrastmitteluntersuchung bereits nach wenigen Stunden. Besteht der Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung, die noch weiter abgeklärt werden soll, ist jodhaltiges Kontrastmittel zu vermeiden, da dies eine Diagnostik mit Szintigramm und eine eventuell nötige Radiojodbehandlung der Schilddrüse für mehrere Wochen unmöglich machen würde.

Quellen:

Rendl J; Saller B: Schilddrüse und Röntgenkontrastmittel: Pathophysiologie, Häufigkeit und Prophylaxe der jodinduzierten Hyperthyreose. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 7, 2001

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020