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„KREUZ“ AUF DEM REZEPT NICHT MEHR NÖTIG

SCHILDDRÜSENHORMON-PRÄPARATE DÜRFEN IN DER APOTHEKE NICHT MEHR AUSGETAUSCHT WERDEN

Viele Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, kennen das Problem: Man erhält immer wieder das Produkt eines anderen Herstellers – je nachdem, mit welchen Anbietern die eigene Krankenkasse gerade einen Rabattvertrag abgeschlossen hat. Im Fall von Schilddrüsenhormon ist dieses „Glücksspiel“ ab Anfang 2015 endgültig vorbei – hier ist der Gesetzgeber aktiv geworden.

Nachdem bei Frau Simone M. die Schilddrüse operativ entfernt werden musste, dauerte es mehrere Wochen bis ihr Arzt für sie die richtige Dosis des Schilddrüsenhormons L-Thyroxin gefunden hatte. Zuerst war die Dosis offensichtlich zu niedrig und Frau M. dauernd müde und antriebslos, dann wiederum zu hoch, was sich in Herzrasen und Nervosität äußerte. Endlich war dann das für sie passende Präparat in der richtigen Dosierung gefunden worden und Frau K. war über drei Jahre gut eingestellt. „Bis auf die tägliche Einnahme der kleinen Tablette am Morgen habe ich nichts mehr von meiner Erkrankung gemerkt“ so die Patientin.

Austausch von Schilddrüsenhormon-Präparaten kann sich rächen

Das wurde schlagartig anders, als sie eines Tages in der Apotheke nach Abgabe ihres Rezepts eine ganze andere Packung statt ihres gewohnten Präparates in die Hand bekam. „Machen Sie sich keine Sorgen, da ist genau der gleiche Wirkstoff in der gleichen Dosierung drin“, so der Apotheker. Zuerst brachte Frau M. daher ihre zunehmende Nervosität und das Herzrasen gar nicht mit der Schilddrüsenhormoneinnahme in Zusammenhang. Erst einen Monat später fielen ihrem Arzt bei einer Routineuntersuchung die erhöhten Schilddrüsenhormonwerte ins Auge. Nach erneuter Umstellung auf ihr altes Präparat ging es Frau M wieder gut.

Die Ursache dieses Phänomens ist gut bekannt: Bei jedem Patienten, der neu auf Schilddrüsenhormon eingestellt wird, muss der Arzt erst einmal eine individuelle „Wohlfühldosis“ herausbekommen. Dabei kommt es nicht allein auf die Hormondosis in dem Präparat an, sondern auch darauf, wie viel des L-Thyroxins aus der Tablette aus dem Darm aufgenommen wird und dann tatsächlich am Wirkort ankommt. Dies kann von Präparat zu Präparat – aber auch von Patient zu Patient ganz unterschiedlich sein. Wird das Präparat ausgetauscht, muss wie bei der Ersteinstellung durch Laboruntersuchungen sichergestellt werden, dass der Körper genau die Menge an Schilddrüsenhormon bekommt, die er benötigt.

SCHILDDRÜSENHORMONE STEHEN AUF DER „AUSTAUSCHVERBOTS-LISTE“

Dass der Austausch von Schilddrüsenhormonpräparaten nicht unproblematisch ist, hat jetzt auch der Gesetzgeber erkannt. L-Thyroxin und die Kombination von L-Thyroxin und Jod wurden mit auf eine Liste von Präparaten aufgenommen, bei denen sich ein Austausch in der Apotheke aufgrund von Rabattverträgen grundsätzlich verbietet. Der Arzt braucht das nicht mehr extra auf dem Rezept durch ein Kreuz zu kennzeichnen – und Sie und Ihr Arzt können jetzt sicher sein, in der Apotheke jederzeit Ihr gewohntes Schilddrüsenhormonpräparat zu erhalten.

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020