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HORMONEXTRAKTE AUS DER SCHILDDRÜSE VOM SCHWEIN: FÜR DEN MENSCHEN NICHT NATÜRLICH!

Fehlen dem Körper Schilddrüsenhormone, verschreibt der Arzt in der Regel ein synthetisches Hormon (Thyroxin) in Tablettenform. Im Handel erhältlich sind neben diesen gängigen Schilddrüsenmedikamenten aber auch sogenannte natürliche Schilddrüsenhormone. Sie werden hergestellt aus der Schilddrüse vom Schwein und versprechen eine besonders naturnahe Behandlung. Doch Vorsicht: Diese Präparate können die Gesundheit gefährden.

HORMONEXTRAKTE AUS DER SCHWEINESCHILDDRÜSE – NATUR PUR?

 „Natürliche“ Schilddrüsenhormone werden seit der BSE-Diskussion ausschließlich aus Schilddrüsen vom Schwein gewonnen. Die erzeugten Extrakte enthalten die beiden Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) in unterschiedlichen Verhältnissen. Außerdem finden sich darin weitere Zellbestandteile des tierischen Organs, die jedoch auf die menschliche Schilddrüse keinerlei positiven oder gar heilenden Einfluss haben. Hingegen können diese Bestandteile zu Unverträglichkeitsreaktionen führen. Besonders problematisch ist außerdem: Die Extrakte liefern deutlich mehr von dem Hormon T3 als die menschliche Schilddrüse normalerweise produziert.

PRODUKTION VON THYROXIN (T4) UND TRIJODTHYRONIN (T3) IM MENSCHLICHEN KÖRPER

Eine gesunde menschliche Schilddrüse gibt täglich etwa zehnmal mehr T4 als T3 in den Blutkreislauf ab (T4:T3 = 10:1). Erst am eigentlichen Wirkort, in den Zellen des Körpers, wird T4 bedarfsgerecht in das deutlich stärker wirksame T3 umgewandelt. In den meisten gängigen Schilddrüsenmedikamenten steckt daher ausschließlich T4. Es gibt außerdem Präparate, die das T3 in einem Anteil von 10 % (10:1) enthalten. Nicht so die Hormonextrakte aus der Schilddrüse vom Schwein: Sie liefern direkt höhere Mengen an T3 (z.B. in einem Verhältnis T4:T3 = 4:1). Mögliche Risiken sind für Patienten höheren Alters oder mit vorbestehender Herzkrankheit schwer abzuschätzen. 

KEINE WISSENSCHAFTLICHEN DATEN FÜR TIERISCHE EXTRAKTE

Bedenklich ist, dass es kaum wissenschaftliche Studien zu den Hormonextrakten aus der tierischen Schilddrüse gibt. Die Hersteller haben zum Beispiel nicht untersucht, wie der menschliche Körper ihre Präparate aufnimmt oder verstoffwechselt. Gleiches gilt für sogenannte „Umstellungstabellen“: Sie sollen die bisherige T4-Gabe durch ein synthetisches Schilddrüsenmedikament in ein T4/T3-Gemisch aus einem tierischen Extrakt umrechnen. Dabei berücksichtigen sie aber weder die körpereigene Hormonregulation noch den individuellen Gesundheitszustand des Patienten.

FAZIT:

Patienten sollten sich nicht unbedacht für eine Behandlung mit Extrakten aus der Schweineschilddrüse entscheiden. Die Bezeichnung „natürliche“ Schilddrüsenhormone dient eher Werbezwecken. Denn weder haben die Präparate eine für den Menschen besonders günstige Hormonzusammensetzung, noch werden sie sehr naturnah hergestellt.

Autor:

Dr. Mathias Beyer, Endokrinologe aus Nürnberg
(Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Forums Schilddrüse)

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018