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NEBENSCHILDDRÜSE UND HYPERPARATHYREOIDISMUS: WENN DER NACHBAR DER SCHILDDRÜSE ZU VIEL ARBEITET

Die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyreoideae) liegen direkt hinter der Schilddrüse. Trotz der unmittelbaren Nachbarschaft und obwohl die beiden Hormondrüsen ähnlich benannt sind, übernehmen sie im Körper unterschiedliche Aufgaben. Darüber hinaus haben beide verschiedene Anforderungen, damit sie einwandfrei funktionieren. Während die Schilddrüse nicht ohne das Spurenelement Jod auskommt, stehen bei der Nebenschilddrüse andere Mikronährstoffe hoch im Kurs: Das Organ benötigt Kalzium und indirekt auch Vitamin D, damit das produzierte Parathormon (PTH) den Kalziumstoffwechsel regulieren kann. Gemeinsam ist der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse jedoch, dass eine krankhafte Überfunktion auftreten kann.

ÜBERFUNKTION DER NEBENSCHILDDRÜSE: PRIMÄRER HYPERPARATHYREOIDISMUS

Zu den Überfunktionszuständen der Nebenschilddrüse zählt der sogenannte primäre Hyperparathyreoidismus (pHPT). Dabei produziert die Drüse – ohne dass Bedarf besteht – übermäßig viel Parathormon und gibt es in den Blutkreislauf ab. Typisch für das Krankheitsbild: Neben hohen Parathormon-Werten liegen auch hohe Kalzium-Werte im Blut (Hyperkalzämie) sowie oft ein erniedrigter 25 OH Vitamin D Wert (das Speicher-Vitamin D) vor, während das eigentlich aktive 1,25 OH2 Vitamin D häufig erhöht ist. Dies geschieht durch die Umwandlung der Vitamin D-Formen in der Niere durch das zu hohe Parathormon.

Dass die Nebenschilddrüse beim primären Hyperparathyreoidismus zu viel Parat-hormon ausschüttet, liegt an Vergrößerungen eines oder mehrerer Epithelkörperchen. Aus vier dieser Mini-Drüsen besteht die Nebenschilddrüse. Die Vergrößerungen sind meistens gutartig. Dennoch können sie bei den Betroffenen Beschwerden verursachen.

Symptome des Hyperparathyreoidismus: „Stein-, Bein-, Magenpein“

Häufig treten unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auf, die durch den hohen Kalziumspiegel im Blut ausgelöst werden. Kalzium wird verstärkt aus den Knochenspeichern freigesetzt, das Skelett leidet. Osteoporose kann entstehen. In den Nieren können sich Steine bilden, weil die Filterorgane vermehrt das überschüssige Kalzium aus dem Blutkreislauf entfernen. Zum Vitamin D-Mangel kommt es, da Parathormon die Verstoffwechslung der im Körper gespeicherten Vorräte des Vitamins fördert. Ein Merkspruch fasst die klassischen Beschwerden als „Stein-, Bein-, Magenpein“ zusammen.

Früh diagnostiziert durch Hyperkalzämie

Entdeckt wird der primäre Hyperparathyreoidismus oft zufällig und frühzeitig bei Routineuntersuchungen durch den charakteristisch erhöhten Kalziumspiegel im Blut. Viele Patienten sind zu diesem frühen Diagnosezeitpunkt noch symptomfrei. Neben Blut- und Urinuntersuchungen stehen auch verschiedene bildgebende Verfahren, zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen oder Szintigraphie, zur Verfügung. Anhand derer können Ärzte die Nebenschilddrüse untersuchen.

Vitamin D-Mangel vermeiden

Betroffene sollten sich ausgewogen, Kalzium- und Vitamin D-reich ernähren. Um den erhöhten Vitamin D-Bedarf auszugleichen, ist es außerdem sinnvoll, den Mikronährstoff in niedriger Dosierung zu ersetzen. Dies muss aber unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

OPERATION HEILT DIE KRANKHEIT

Zur Behandlung des primären Hyperparathyreoidismus gibt es zwar verschiedene Medikamente, die den hohen Kalziumspiegel senken sollen. Eine definitive Heilung gelingt aber nur, wenn der erkrankte Teil der Nebenschilddrüse operativ entfernt wird. Am besten wenden sich Betroffene an einen Endokrinologen. Er kennt sich in Sachen Nebenschilddrüse bestens aus und kann rund um Diagnose und Therapie beraten.

Quellen:

http://www.nebenschilddruese.de

http://www.endokrinologikum.com/fachbereiche/endokrinologie/osteologie/primaerer-hyperparathyreoidismus.html

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018