SERVICE

SCHILDDRÜSENMEDIKAMENTE: NICHT JEDES PRÄPARAT IST GLEICH

Ist ein Patient gut auf ein Thyroxin-Medikament eingestellt, sollte dieses Schilddrüsenhormonpräparat möglichst nicht ausgetauscht werden. Es ist nicht auszuschließen, dass es dabei zu geringfügigen Dosisänderungen kommen kann, die langfristig klinische Folgen haben. Eine neue „Aut-Idem-Liste“ soll Abhilfe schaffen.

Apotheker sind im Rahmen der sogenannten Rabattverträge angehalten, das für die Krankenkasse günstigste Präparat entsprechend der ärztlichen Verordnung auszuhändigen. Dabei muss lediglich der gleiche Wirkstoff in der gleichen Dosierung enthalten sein. So können Patienten statt ihrem gewohnten Medikament Schilddrüsenhormone von einem anderen Hersteller erhalten, mit dem ihre Krankenkasse einen Rabattvertrag abgeschlossen hat. Patienten merken diesen Wechsel meist erst bei einem genauen Blick auf die Verpackung oder bei unzufriedener Wirkung, die sich beispielsweise in Müdigkeit oder Antriebslosigkeit äußert.

TROTZ GLEICHER DOSIS UNTERSCHIEDLICHE WIRKUNG

Doch auch wenn auf der Packung die gleiche Menge an Schilddrüsenhormonen angegeben ist, können sich die Präparate unterscheiden. So wird die Aufnahme des Schilddrüsenhormons aus dem Darm auch durch Faktoren wie Hilfsstoffe und Produktionsverfahren beeinflusst. Die Hormonmenge, die dann tatsächlich im Körper ankommt, kann zwischen zwei Präparaten unterschiedlich ausfallen und im Extremfall bis zu zwei Wirkungsstärken abweichen. Bei einem Produktwechsel ist daher eventuell eine andere Dosis erforderlich. Diese müsste dann wie bei der Ersteinstellung durch Bluttests kontrolliert werden.

ARZNEIMITTELENGPÄSSE IMMER HÄUFIGER

Immer häufiger kommt es zu Medikamentenengpässen. Davon betroffen sind auch Schilddrüsenhormone. Wurden die Arzneimittel früher auch in Deutschland produziert, werden diese heute nur noch in Ländern wie Indien und China hergestellt. Die Versorgung mit diesen Arzneimitteln ist damit auch vom Ausland abhängig. Darüber hinaus werden die Arzneimittel nur knapp über dem Bedarf produziert, was bei kleinen Fehlern schon zu schwerwiegenden Engpässen führen kann. Eine weitere Ursache sind die Rabattverträge, die die Krankenkassen mit einzelnen Pharmafirmen abschließen. Die Firmen, die keinen Zuschlag erhalten, können ihr Produkt nur noch in kleinen Mengen oder gar nicht mehr produzieren.

FESTBETRAGSABSENKUNG FÜR L-THYROXINPRÄPARATE

Patienten müssen künftig eine erhöhte Zuzahlung für ihr Thyroxin-Medikament in der Apotheke entrichten. Die Ursache dafür ist die Entscheidung des Spitzenverbandes der Krankenkassen zukünftig für Schilddrüsenhormone nur noch geringere Kosten zu erstatten. Schilddrüsenhormone sind in der Herstellung und Qualitätssicherung anspruchsvoll  und komplex. Namhafte Hersteller gehen die Festbetragsanpassung nicht mit, da eine weitere Kostenreduktion, ohne die Qualität zu gefährden, nicht kompensiert werden kann. Die Differenz der Kassenentscheidung muss daher vom Patienten selbst getragen werden.

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018