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SCHILDDRÜSE UND RAUCHEN

Rauchen gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für schwerwiegende Gesundheitsschäden und vorzeitigen Tod. Tabakkonsum fördert unter anderem Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, schwere Atemwegserkrankungen und Unfruchtbarkeit. Das im Tabakrauch enthaltene Nikotin und andere Giftstoffe verändern den Körperstoffwechsel, beeinflussen die Nervenaktivität und stören allgemein die Hormonproduktion. Es überrascht daher nicht, dass Rauchen auch Störungen der Schilddrüsenfunktion begünstigt.

OFT LEICHT ERHÖHTE HORMONSPIEGEL BEI GESUNDEN RAUCHERN

Gesunde erwachsene Raucher und Kinder in Raucherhaushalten weisen oft leicht erhöhte Blutspiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie erniedrigte Werte des Schilddrüsensteuerungshormons TSH auf. Die von der Norm abweichenden Werte gehen auf die Wirkung der im Tabakrauch enthaltenen Giftstoffe Nikotin und Thiocyanat zurück. Diese Werte sind zunächst jedoch kein Hinweis auf eine grundlegende Störung der Schilddrüsenfunktion.

Während Nikotin die Hormonveränderungen vermutlich über eine Anregung des Nervensystems vermittelt, führen die mit der Blausäure verwandten Thiocyanate zu einem Verlust von Jod in der Schilddrüse. Besteht ohnehin ein Jodmangel, kann Rauchen daher die Entstehung eines Kropfes (Struma) fördern.

MORBUS BASEDOW, ENDOKRINE ORBITOPATHIE

Neben den genannten Effekten bei gesunder Schilddrüse beeinflusst Tabakkonsum das Risiko für den Ausbruch und den Verlauf einiger weiterer Schilddrüsenerkrankungen.

So erhöht Rauchen die Wahrscheinlichkeit, an der Basedowschen Krankheit (Morbus Basedow) zu erkranken und nach Absetzen der Behandlung Rückfälle zu erleiden. Beim Morbus Basedow handelt es sich um eine so genannte Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Gegen das Organ gerichtete Antikörper des Immunsystems bewirken eine unkontrollierte Freisetzung von Schilddrüsenhormonen. Die Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die mit Symptomen wie Herzrasen, Gewichtsabnahme und Schweißausbrüchen einhergeht.

Eine schwerwiegende Komplikation der Basedowschen Erkrankung stellt die so genannte Endokrine Orbitopathie dar, die mit hervortretenden Augäpfeln und Sehstörungen verbunden ist. Ausgelöst wird diese Komplikation durch ein Anschwellen des hinter dem Augapfel gelegenen Binde- und Muskelgewebes.

Die Endokrine Orbitopathie tritt bei Rauchern erheblich häufiger auf als bei Nichtrauchern. Außerdem sprechen Raucher verspätet und schlechter auf die Behandlung der Erkrankung an.

KEIN ZUSAMMENHANG MIT HASHIMOTO-THYREOIDITIS UND KREBS

Einzelne wissenschaftliche Studien haben einen Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Ausbruch bzw. dem Verlauf der so genannten Hashimoto-Thyreoiditis hergestellt. Dieser hat sich in Kontrolluntersuchungen bisher jedoch nicht als stichhaltig erwiesen.

Wissenschaftler hatten darüber hinaus in einer Studie Hinweise darauf gefunden, dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit von Schilddrüsenkrebs verringern könnte. Auch diese Beobachtung konnte jedoch in Kontrolluntersuchungen nicht bestätigt werden.

NICHTRAUCHER WERDEN IST SINNVOLL

Bei allen negativen Effekten des Rauchens gibt es jedoch auch eine positive Nachricht für Raucher. Ebenso wie für die meisten anderen durch Tabakkonsum geschädigten Organe gilt auch für die Schilddrüse, dass die negativen Auswirkungen des Rauchens zumindest teilweise umkehrbar sind.

Wer also mit dem Rauchen aufhört, tut sich in jedem Fall etwas Gutes und reduziert nicht nur sein Risiko für Herzinfarkt, Raucherbein, Lungen-, Brunst- und Darmkrebs, sondern auch für Schilddrüsenerkrankungen.

Quellen:

Eckstein A, Esser J. Endokrine Orbithopathie. Internist 2010; 51: 584–595. URL: http://www.springermedizin.de/spmblob/259166/pdfPrintArticle/3328852/endokrine-orbitopathie.pdf

Autor: Jan Groh

Letzte Aktualisierung: 25.06.2019