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WAS IST BEI DER EINNAHME VON SCHILDDRÜSENHORMONEN ZU BEACHTEN?

Das Schilddrüsenhormon Thyroxin (L-Thyroxin, Levothyroxin) wird zur Behandlung von Erkrankungen eingesetzt, die mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) einhergehen. Entscheidend für den Behandlungserfolg und das Wohlbefinden der Patienten ist dabei ein stabiler und normal hoher Hormonspiegel im Blut.

Die Aufnahme von Thyroxin in den Körper kann jedoch sowohl durch Nahrungsbestandteile als auch durch andere Medikamente beeinflusst werden. Um dennoch eine stabile Versorgung des Organismus mit Schilddrüsenhormonen zu erreichen, sollten bei der Einnahme des Thyroxin-Präparats bestimmte Regeln eingehalten werden.

EINFACHE REGELN FÜR STABILE HORMONSPIEGEL

Um die Beeinflussung der Hormonaufnahme durch Nahrungsmittel zu verhindern, wird empfohlen, die Thyroxin-Tablette morgens, mindestens 30 min vor dem Frühstück mit einem Glas Leitungswasser einzunehmen.

Zwischen der Einnahme von Thyroxin und bestimmten anderen Medikamenten müssen teilweise mehrere Stunden vergehen, um Störungen der Hormonaufnahme sicher auszuschließen. Als problematisch haben sich dabei unter anderem folgende Medikamentenbestandteile erwiesen:

  • Kalzium – enthalten insbesondere in Brausetabletten für den Knochenaufbau oder zur Vorbeugung gegen Osteoporose;
  • Aluminium – (z.B. als Aluminiumhydroxid) enthalten insbesondere in manchen Medikamenten gegen Magensäure-Überschuss oder zur Bekämpfung von Sodbrennen;
  • Eisen – enthalten insbesondere in Mitteln gegen Blutarmut.

Finden sich in Medikamenten kritische Bestandteile, werden unter Umständen bereits Arzt und Apotheker auf die besonderen Einnahmeregeln hinweisen. Genaue Informationen lassen sich in jedem Fall aber der Rubrik „Wechselwirkungen“ auf dem Beipackzettel entnehmen. Dort sollte bei allen Medikamenten – auch bei rezeptfreien Präparaten! – nachgelesen werden, die begleitend zu  einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen eingenommen werden.

VORSICHT BEI HERZKREISLAUFERKRANKUNGEN UND OSTEOPOROSE

Schilddrüsenhormone aktivieren das Herz. Aus diesem Grund sollten sie bei Herzerkrankungen ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Nur so kann eine unter Umständen gefährliche Überbeanspruchung des Pumporgans ausgeschlossen werden.

Eine zu hoch dosierte Schilddrüsenhormontherapie kann die Entwicklung eines vorzeitigen Knochenabbaus (Osteoporose) fördern. Besteht die Knochenerkrankung bereits, ist deshalb besondere Vorsicht bei der Gabe von Thyroxin-Präparaten notwendig.

Demgegenüber stellt eine Schwangerschaft kein Problem für die Einnahme von Schilddrüsenhormonen dar. Da während der Schwangerschaft ein erhöhter Hormonbedarf besteht, bekommen Frauen in manchen Fällen Thyroxin sogar ausdrücklich verschrieben.

DOSIERUNG VON SCHILDDRÜSENHORMONEN

Bei einer Schilddrüsenvergrößerung ohne veränderte Hormonspiegel (euthyreote Struma) werden Schilddrüsenhormone in der Regel für mindestens ein bis zwei Jahre eingenommen, bei Schilddrüsenunterfunktion in der Regel sogar lebenslang.

Die Dosierung erfolgt zu Beginn zumeist einschleichend mit 25 – 50 µg Thyroxin pro Tag, um den Körper nicht durch eine Überversorgung mit Schilddrüsenhormon zu belasten. Unter ärztlicher Aufsicht und Laborkontrolle wird die Dosis dann langsam auf den langfristigen Wert von etwa 100 – 200 µg pro Tag erhöht. Es wird jedoch diskutiert, ob die langsame Dosissteigerung tatsächlich erforderlich ist.

Quellen:

Fachinformationen zu Thyroxin-Präparaten

Gerdemann A, et al. Schilddrüsenhormone und polyvalente Kationen. Pharm. Ztg. 2007; 152: 4146–4148.
URL: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4059

Gärtner R. Hypothyreose: Wann müssen Sie substituieren? MMW-Fortschr. Med. 2010; 44: 67-72. URL: http://www.springermedizin.de/spmblob/301394/pdfPrintArticle/3328852/hypothyreose-wann-muessen-sie-substituieren.pdf

Hintze G, Derwahl M. Hypothyreose. Von der latenten Funktionsstörung zum Koma. Internist 2010; 51: 568–573. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20372870

Autor: Jan Groh

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018