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JOD-ARME DIÄT: WANN IST SIE SINNVOLL?

Deutschland galt lange ist ein Jodmangelgebiet. Auch heute leiden viele Menschen noch an einer unzureichenden Jodversorgung. Ernährungshinweise zu Jod zielen deshalb fast ausnahmslos darauf ab, die Jodzufuhr beispielsweise durch den Verzehr von Seefisch oder die Verwendung von jodiertem Speisesalz zu verbessern. Doch gibt es auch Situationen, in denen die Jodzufuhr begrenzt und eine jod-arme Diät eingehalten werden sollte?

Im Allgemeinen lässt sich die Frage verneinen. Bei angemessener medizinischer Behandlung gibt es keine Erkrankung, deren Ausbruch, Verlauf oder Schwere durch eine jod-arme Ernährung zum Positiven beeinflusst werden könnte.

NATÜRLICHE JODAUFNAHME ZU GERING, UM EFFEKTE ZU ZEIGEN

Diese Feststellung mag zunächst überraschen. Im Internet finden sich zahlreiche Berichte über „Jodallergien“, durch Jod ausgelöste Akne oder den durch Jod begünstigten Ausbruch einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Außerdem wird vor überhöhter Jodzufuhr bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Schilddrüsenvergrößerung gewarnt.

Beschrieben werden damit Phänomene, die bei übermäßiger Jodzufuhr tatsächlich auftreten können. Allerdings entwickeln sich diese Gesundheitsstörungen erst bei einer Jodaufnahme von mehr als 500 µg pro Tag, einer Menge, die durch natürliche Ernährung praktisch nicht erreicht werden kann.

Selbst bei einer bestehenden Hyperthyreose ist die Jodzufuhr über die Nahrung so gering, dass sie eine korrekt eingestellte Therapie der Schilddrüsenüberfunktion nicht zu stören vermag. Lediglich in den ersten vierzehn Tagen, ehe die Behandlung ihre volle Wirkung entfaltet, kann eine jod-arme Diät als Übergangsmaßnahme sinnvoll sein.

Im Gegensatz zu einer natürlichen Ernährung kann bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten (z.B. Amiodaron) jedoch Vorsicht angezeigt sein. Insbesondere Algenpräparate können sehr viel Jod enthalten, selbst wenn das auf der Packung nicht ausdrücklich ausgewiesen ist.

JOD-ARME DIÄT ZUR VORBEREITUNG EINER RADIOJODTHERAPIE

Empfohlen und sinnvoll ist eine jod-arme Diät hingegen im Vorfeld einer Behandlung mit Radiojodtherapie. Bei diesem Behandlungsverfahren wird bösartiges oder überschüssiges gutartiges Schilddrüsengewebe durch radioaktives Jod zerstört. Die Behandlung ist für den übrigen Organismus ungefährlich, da sich Jod nahezu ausschließlich in der Schilddrüse anreichert.

Um die Wirksamkeit des Therapieverfahrens zu optimieren, ist es notwendig, dass sich möglichst viel radioaktives Jod in der Schilddrüse konzentriert. Das kann durch eine jod-arme Diät über den Verlauf von ein bis zwei Wochen gefördert werden. Über diesen Zeitraum sinkt der Jodvorrat der Schilddrüse kontinuierlich ab. Wird zum Behandlungszeitpunkt dann radioaktives Jod zugeführt, reichert sich dieses schnell und effektiv im Schilddrüsengewebe an und die Radiojodtherapie kann ihre optimale Wirkung entfalten.

Quellen:

Sawka AM, et al. Dietary Iodine Restriction in Preparation for Radioactive Iodine Treatment or Scanning in Well-Differentiated Thyroid Cancer: A Systematic Review. THYROID 2010; 20: 1129-38. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2956383

Zechmann CM, Haufe S. Radiologische und nuklear - medizinische Diagnostik und Therapie der Schilddrüsenerkrankungen. Teil II: Maligne Erkrankungen der Schilddrüse. Radiologe 2012; 52: 761–774. URL: http://www.springermedizin.de/spmblob/3197394/pdfPrintArticle/3328852/radiologische-und-nuklearmedizinische-diagnostik-und-therapie-der-schilddruesenerkrankungen

Autor: Jan Groh

Letzte Aktualisierung: 22.06.2020