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URSACHEN VON SCHILDDRÜSENENTZÜNDUNGEN

Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditiden) werden aufgrund ihres Verlaufs und ihrer Ursachen eingeteilt. Dabei können akute, rasch verlaufende und chronische, langwierige Entzündungen unterschieden werden.

SCHILDDRÜSENENTZÜNDUNGEN DURCH AUTOIMMUNPROZESSE

Autoimmunerkrankungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sich das eigentlich schützende Abwehrsystem des Organismus gegen den eigenen Körper richtet und diesen schädigt. Im Fall der Schilddrüse kommt es zu unterschiedlichen Formen einer Autoimmunthyreoiditis, je nachdem gegen welchen Bestandteil des Schilddrüsengewebes sich die fehlgeleitete Abwehrreaktion richtet. Warum es überhaupt zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems kommt, ist hingegen bisher nicht bekannt.

Hashimoto Thyreoiditis 

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis treten Antikörper gegen bestimmte Eiweiße auf, die an der Bildung und Speicherung von Schilddrüsenenzymen beteiligt sind. Zu Beginn der Erkrankung kann es dadurch vorübergehend zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, die im weiteren Verlauf jedoch sehr oft in eine Unterfunktion des Organs übergeht. Die Krankheit endet stets mit der vollständigen Zerstörung des Organs, so dass die Betroffenen lebenslang Schilddrüsenhormone einnehmen müssen. Extrem hohe Jod-Gaben (wie sie in Deutschland in der normalen Ernährung auch bei Konsum von jodiertem Speisesalz und Seefisch eher nicht vorkommen) scheinen den Ausbruch einer Hashimoto-Thyreoiditis fördern zu können.

Basedowsche Krankheit

Bei dieser Form der Autoimmunthyreoiditis bilden sich Abwehreiweiße (Antikörper) gegen die Bindungsstelle für das Hormon TSH (Schilddrüse stimulierendes Hormon) auf den Schilddrüsenzellen. Diese Antikörper aktivieren die Zelle und führen zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse mit vermehrter Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen. Die Basedowsche Krankheit geht daher mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einher.

Weitere Erkrankungsformen

Neben diesen beiden wichtigsten Formen können Autoimmunreaktionen gegen die Schilddrüse auch im Jugendalter (juvenile Thyreoiditis), oder nach Schwangerschaften (postpartum Thyreoiditis), auf Teilbereiche der Schilddrüse beschränkt (fokale Thyreoiditis) oder in Form einer „stummen“, vorübergehenden Entzündung (stumme Thyreoiditis) auftreten.

INFEKTIONEN

Schilddrüsenentzündungen aufgrund von Infektionen mit Bakterien sind eine absolute Rarität. Die Erkrankung geht oft von einer Infektion im Hals oder Rachen aus, die in die Schilddrüse verschleppt wird. Betroffen sind oft fast immer Menschen mit angeborenen Fehlbildungen im Halsbereich oder Menschen mit starker Abwehrschwäche nach Chemotherapie, Tuberkulose oder AIDS.

Typische Beschwerden bei infektiösen Schilddrüsenentzündungen sind rasch einsetzende Schwellung, Rötung und Schmerz sowie begleitendes Fieber und Schluckstörungen. Die Erkrankungen können in schweren Fällen lebensbedrohlich verlaufen und müssen daher sehr ernst genommen werden.

VERLETZUNGEN

Verletzungen am Halsbereich können auch die Schilddrüse betreffen. Zu Entzündungen des Organs kann es insbesondere durch Schläge oder durch heftige Halsbewegungen kommen, wie sie bei Verkehrsunfällen auftreten (Schleudertrauma). Eine andere Ursache sind schweres Heben oder Pressen, bei dem es zur übermäßigen Anspannung der Halsmuskulatur kommt.

BESTRAHLUNG

Schilddrüsenentzündungen aufgrund von Strahlenwirkung können selten als unerwünschte Nebenwirkung bei der Radiojodtherapie, die zur Behandlung von bestimmten Formen der Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt wird, vorkommen. Dabei reichert sich radioaktives Jod in der Schilddrüse an und gibt dort seine Strahlung ab. Die Schädigung des Gewebes löst dann eine Entzündung aus.

SUBAKUTE THYREOIDITIS DE QUERVAIN

Die subakute Thyreoiditis vom Typ de Quervain  ist die häufigste Form einer schmerzhaften Schilddrüsenentzündung. Typisch ist ein Halsschmerz der ein- oder beidseitig Richtung Ohr austrahlt. Die subakute Thyreoiditis entwickelt sich weniger rasch (subakut) als akute Schilddrüsenentzündungen und betrifft besonders oft Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Ihre Ursache ist nicht genau bekannt. Vermutet wird aber, dass die Erkrankung durch Viren ausgelöst wird, da sie oftmals wenige Wochen nach einer Virusinfektion auftritt. In der Regel heilt eine Schilddrüsenentzündung vom Typ de Quervain innerhalb von drei bis sechs Monaten ab. In schweren Fällen kann ein Jahr bis zur völligen Wiederherstellung vergehen.

SCHILDDRÜSENENTZÜNDUNGEN MIT BINDEGEWEBIGEM UMBAU

Im Rahmen von Erkrankungen, die den gesamten Organismus betreffen, kann es auch zu Entzündungen der Schilddrüse kommen. Beispiele sind etwa die Tuberkulose, die Syphilis sowie einige seltene Erkrankungen, die zu einer vermehrten Umwandlung von Funktionsgewebe in Bindegewebe führen (z.B. Sklerodermie).

Riedel-Thyreoiditis

Eine Sonderform einer Entzündung mit bindegewebiger Umwandlung der Schilddrüse ist die sehr seltene Riedel-Thyreoiditis (Riedel-Struma, invasiv-sklerosierende Thyreoiditis, „eisenharte Struma“). Ihre Ursache ist unbekannt. Kennzeichnend für die Erkrankung ist neben der vollständigen Zerstörung der Schilddrüse, das Fortschreiten der bindegewebigen Gewebeumwandlung in das umgebende Halsgewebe. Die Riedel-Thyreoiditis betrifft mehr Männer als Frauen und tritt gehäuft zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf.

Sonderformen

Spezielle Formen von Schilddrüsenentzündungen können darüber hinaus bei AIDS, im Verlauf der Behandlung mit bestimmten Medikamenten, so genannten Zytokinen, sowie nach der Zufuhr sehr hoher Mengen Jod auftreten.

Quellen:

Autor:
Jan Groh

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018