SERVICE

SCHILDDRÜSE IM KINDESALTER: GEWEBEVERMEHRUNGEN DER SCHILDDRÜSE

ARTEN DER GEWEBEVERMEHRUNG

Bei der Schilddrüse können drei Hauptformen der Gewebevermehrung (Tumor – der Begriff darf nicht mit „Krebs“ gleichgesetzt werden; der Begriff Tumor sagt nichts über die Gut- oder Bösartigkeit bzw. die Ursache einer Gewebevermehrung aus) unterschieden werden:

  • Kropf (Struma) – eine allgemeine Vergrößerung der gesamten Schilddrüse, ohne dass einzelne Bereich besonders betroffen sind;
  • Schilddrüsenknoten – örtlich begrenzte Gewebevermehrungen innerhalb der Schilddrüse kann gutartig oder bösartig sein;
  • Schilddrüsenkrebs – bösartige Gewebeneubildung, die vom  Schilddrüsengewebe ausgeht (in der Schilddrüse kann Krebs auch von anderen Geweben ausgehen).

KROPF / STRUMA

Beschreibung

Ist die Schilddrüse vergrößert – unabhängig von der Ursache- , so spricht man medizinisch von einer Struma, zu deutsch  von einem Kropf. Eine allgemeine Vergrößerung der Schilddrüse, ohne dass dabei einzelne Schilddrüsenbereiche besonders hervortreten, wird als diffuse oder „einfache“ Struma bezeichnet. Der Begriff bezieht sich dabei ausschließlich auf die Größenzunahme der Schilddrüse, nicht jedoch auf die Schilddrüsenfunktion. Ein Kropf kann mit einer normalen, aber auch mit einer Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse verbunden sein.

Ursachen und Behandlung

1. Idiopathische Struma

Die Ursache eines Kropfes kann nicht immer sicher bestimmt werden. In solchen Fällen wird von einer „idiopathischen“ Struma oder auch „einfachem Kropf“ gesprochen. Diese Form der Schilddrüsenvergrößerung geht stets mit einer normalen Schilddrüsenfunktion einher. Es wird vermutet, dass eine unzureichende Versorgung mit Jod die häufigste Ursache einer Entstehung der idiopathischen Struma fördert. Beschwerden entstehen bei dieser Form des Kropfes, wenn die Schilddrüse aufgrund ihrer Größe andere Organe im Hals- oder Brustbereich beeinträchtigt oder der Kropf als ästhetische Beeinträchtigung wahrgenommen wird.

2. Hormonbildungsstörungen

Verminderungen der Hormonproduktion im Schilddrüsengewebe können auch zu einer starken Vergrößerung der Schilddrüse führen. Aufgrund des Mangels an Schilddrüsenhormonen im Blut erhält die Schilddrüse von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und aus der zugehörigen Steuerregion im  Gehirn (Hypothalamus) in Gestalt des Hormons TSH fortwährend Anreize,  zu wachsen und ausreichend Schilddrüsenhormon zu bilden und freizusetzen. Unter dem Reiz dieser Steuersignale kommt es zu einer starken Vermehrung des Drüsengewebes, ohne dass  der Hormonmangel im Blut  jedoch dadurch immer behoben werden kann. Die Behandlung besteht  dann in der Gabe von Schilddrüsenhormon.

3. Entzündungen

Vergrößerungen der Schilddrüse  durch Entzündungen auf der Basis von  Bakterien oder Viren sind sehr selten, setzen meist akut ein und sind schmerzhaft. Häufig  hingegen ist die Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis). In diesem Fall geht die Schilddrüsenvergrößerung  auf ein Entzündungsgeschehen zurück, bei dem sich das eigene Abwehrsystem des Körpers gegen bestimmte Schilddrüsenbestandteile richtet. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis kann die Schilddrüsenvergrößerung mit normalen, erhöhten oder erniedrigten Schilddrüsenhormonen im Blut einhergehen. Dabei kann die Krankheit während ihres Verlaufs zwischen den verschiedenen hormonellen Stoffwechsellagen wechseln.

Langfristig kommt es aber zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes. Es entsteht letztlich ein Hormonmangel, der durch Hormonersatz ausgeglichen werden muss. Die Erkrankung gilt als nicht ursächlich heilbar.

KNOTEN IN DER SCHILDDRÜSE

Beschreibung

Gewebe, das sich von dem normalen Schilddrüsengewebe  in einem Bereich unterscheidet wird als „Knoten“ bezeichnet. Wenn ein solcher Knoten Flüssigkeit enthält wird er als „Zyste“ oder als „zystischer Knoten“ bezeichnet. Ob ein Knoten Schilddrüsenhormon produziert oder nicht, und ob er gut- oder bösartig ist, muss durch weitere Untersuchungen festgestellt werden. Knoten in der Schilddrüse sind bei Erwachsenen sehr häufig zu beobachten. Bei Kindern sind sie jedoch seltener und sollten immer darauf überprüft werden, ob eventuell eine bösartige Schilddrüsenerkrankung vorliegt. Insbesondere gilt dies, wenn Risikofaktoren für eine Krebserkrankung bestehen, wie z.B. eine vorangehende Bestrahlung in der Halsregion. 

Behandlung

Gutartige Knoten, die klein sind und weder die Funktion der Schilddrüse beeinflussen  noch negative Auswirkungen auf das umliegende Gewebe haben wird man beobachten. Wenn gutartige Knoten umliegende Gewebe beeinträchtigen oder vermehrt Schilddrüsenhormone produzieren wird man sie operativ entfernen. Bei Zweifel über die Natur von Knoten wird man operativ vorgehen.

SCHILDDRÜSENKREBS

Beschreibung

Schilddrüsenkrebs geht im Kindesalter in den meisten Fällen von den eigentlichen Schilddrüsenzellen aus. Die Heilungsaussichten sind dann gut. Der Krebs macht sich anfänglich oft wie ein gutartiger Schilddrüsenknoten  bemerkbar. Im Gegensatz zu gutartigen Knoten kann Schilddrüsenkrebs jedoch über die Schilddrüse hinauswachsen. Der Gewebeknoten ist deshalb unter Umständen mit dem umliegenden Halsgewebe verwachsen, lässt sich nur schlecht verschieben und weist eine unregelmäßige Oberfläche auf.

Absiedelungen (Metastasen) von Schilddrüsenkrebs wandern im Kindesalter zumeist entlang der Lymphwege in die benachbarten Lymphknoten. Metastasen in weit entfernten Körperregionen sind nur selten anzutreffen.

Behandlung

Die Therapie bei Schilddrüsenkrebs im Kindesalter besteht zunächst in der operativen Entfernung der gesamten Schilddrüse und der benachbarten Lymphknoten. Da die Metastasen bei Schilddrüsenkrebs in der Regel einen aktiven Jod-Stoffwechsel aufweisen, erfolgt bei Nachweis von Krebsabsiedelungen zusätzlich eine Behandlung mit radioaktivem Jod-131, das die Tochtergeschwülste zerstört. Um ein erneutes Aufflammen der Erkrankung zu verhindern, erhalten die Kinder Schilddrüsenhormone in hochnormaler Dosierung. Dadurch wird die Bildung des Steuerungshormons TSH in der Hirnanhangdrüse und im Hypothalamus unterdrückt. So wird verhindert, dass eventuell noch vorhandenes Krebsgewebe Wachstumsanreize durch TSH erhält. – Krebsbehandlung ist immer komplex und bedarf der Zusammenarbeit von verschiedenen Spezialisten.

Autoren:
Professor Dr. med. Michael Ranke, Tübingen
Jan Groh

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018