SERVICE

VORBEUGUNG VON SCHILDDRÜSENERKRANKUNGEN

Erkrankungen der Schilddrüse sind vielgestaltig und gehen auf stark verschiedene Ursachen zurück. Während für einzelne Schilddrüsenkrankheiten sehr wirksame Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung stehen, lassen sich andere Erkrankungen erst nach ihrem Ausbruch behandeln.

Nachfolgend werden verschiedene wirksame Vorbeugemaßnahmen und ihre jeweiligen Anwendungsgebiete beschrieben.

STRUMA UND SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION: VORBEUGUNG MIT JOD

Nach aktuellen Schätzungen gehen in Deutschland etwa 90 Prozent aller Fälle von Struma (Schilddrüsenvergrößerungen oder Kropf) auf ernährungsbedingten Jodmangel zurück.

Ohne Jod kein Schilddrüsenhormon

Jod ist ein natürlich vorkommendes, aber nur in kleinen Mengen in der Nahrung vorhandenes chemisches Element (ein sog. Spurenelement). Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Ohne ausreichende Jodmengen kann nicht genügend Schilddrüsenhormon gebildet werden. Ein Mangel an Jod führt daher zu einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen, der sog. Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und den damit verbundenen Beschwerden.

Der Körper reagiert auf den Hormonmangel durch vermehrte Freisetzung des die Schilddrüse stimulierenden Hormons TSH aus der Hirnanhangsdrüse. Unter dem Einfluss von TSH wird die Hormonproduktion in der Schilddrüse verstärkt aktiviert. Dadurch nimmt die Drüse selbst an Größe zu. Ohne ausreichende Jodmengen in der Nahrung können diese Maßnahmen des Organismus, den Hormonausstoß zu erhöhen, jedoch keinen Erfolg zeigen. Lediglich die  Größe der Schilddrüse nimmt weiter zu, bis das Organ schließlich als Struma (Kropf) tast- und sichtbar wird.

Deutschland ist Jodmangelgebiet

Aufgrund des geringen Jodgehalts seiner Böden gilt Deutschland als Jodmangelregion. So nehmen in Deutschland Menschen, die kein jodiertes Speisesalz verwenden, durchschnittlich nur 110 µg (Männer) bzw. 91 µg (Frauen) statt der erforderlichen 200 µg Jod pro Tag auf.

Jodprophylaxe: Zusatz von Jod zum Speisesalz und Tierfutter

Um den in Deutschland und anderen Ländern bestehenden Jodmangel auszugleichen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kochsalz mit Jod zu versetzen, um die tägliche Jodzufuhr zu erhöhen. Allerdings ist die Verwendung von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie (Wurst, Brot, Käse, Fertiggerichte) seit Jahren rückläufig. Studien liefern Hinweise darauf, dass sich die Jodversorgung insbesondere bei Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren verschlechtert. So war die mittlere Jodausscheidung bei Schülern 1999 höher als in den Jahren 2003 bis 2006 – ein Indiz, dass sich auch die Jodaufnahme verringert hat. Aktuelle Daten hinsichtlich des Jodversorgungsstatus von Erwachsenen werden derzeit in einer Studie erhoben. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Geeignetes Salz ist beim Einkauf am Zusatz „jodiertes Speisesalz“ zu erkennen. Diese Speisesalze sollten von körperlich gesunden Personen bevorzugt verwendet werden, um einem Jodmangel vorzubeugen.

Mögliche Komplikationen der Jodprophylaxe

Individuelle Ernährungsgewohnheiten (z.B. vegetarische, insbesondere vegane Ernährung; häufiger Verzehr von Seefisch) können zu starken Abweichungen der Jodaufnahme vom Durchschnittswert der Bevölkerung führen. Trotz der allgemeinen Jodprophylaxe kann es somit sowohl zu einer Jod-Unterversorgung oder im Einzelfall auch zu einer übermäßigen Zufuhr von Jod kommen (mehr als 500 µg pro Tag). Beide Abweichungen von der empfohlenen Jodzufuhr in Höhe von 200 µg pro Tag können zu Schilddrüsenerkrankungen führen. Die gesellschaftlich etablierte Jodprophylaxe entbindet daher nicht davon, bei Krankheitszeichen die Jodversorgung im Einzelfall zu überprüfen.

Auf eine Jodprophylaxe vollständig verzichten sollten Menschen mit sog. autonomen („heißen“) Knoten der Schilddrüse. Diese Knoten unterliegen nicht dem normalen Regelkreislauf der Schilddrüse. Bei erhöhter Jodzufuhr setzen sie unkontrolliert Schilddrüsenhormone frei. Unter den Maßnahmen der Jodprophylaxe kann es bei den Betroffenen daher zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen.

AUTOIMMUNERKRANKUNGEN DER SCHILDDRÜSE

Vorbeugung durch Meiden von Umweltfaktoren

Die wichtigsten Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse sind die Basedowsche Erkrankung (Morbus Basedow) und die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Beide Erkrankungen gehen auf Reaktionen des menschlichen Abwehrsystems gegen den eigenen Organismus zurück.

Etwa 70 – 80 % des Risikos eines Menschen, an einer der beiden Störungen zu erkranken, sind durch erbliche Faktoren bedingt. Diese sind unveränderlich und können nicht beeinflusst werden. Hat es in einer Familie bereits Fälle von Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis gegeben, sollte schon bei geringen Anzeichen für eine Schilddrüsenerkrankung eine ärztliche Überprüfung vorgenommen werden.

Die verbleibenden 20 - 30 % des Erkrankungsrisikos scheinen hingegen durch Umweltfaktoren beeinflusst zu sein. Diese Umweltfaktoren zu meiden, kann den Ausbruch einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse eventuell verhindern oder verzögern.

Die wichtigsten Umweltfaktoren in diesem Zusammenhang sind:

  • Infektionen
  • Stress
  • Übermäßige Jodaufnahme
  • Rauchen Tabakkonsum erhöht das Risiko für den Ausbruch der Basedowschen Erkrankung, scheint unter bestimmten Verhältnissen das Risiko für eine Hashimoto-Schilddrüsenentzündung aber geringfügig vermindern zu können
  • Medikamente (z.B. Amiodaron)
  • eine Selenunterversorgung scheint das Risiko zu erhöhen
  • Röntgenstrahlen erhöhen das Risiko für den Ausbruch einer Autoimmun-Schilddrüsenerkrankung
  • Umweltgifte z.B. polychlorierte Biphenyle (verwendet u.a. als Kühlmittel), bestimmte Pflanzenschutzmittel, polybromierte Diphenylether (Flammschutzstoffe), Perchlorate (Zigarettenrauch, Düngemittel), Bisphenol-A (in Plastikflaschen), Triclosan (antibakterieller Bestandteil mancher Seifen) und Isoflavone (in Soja-Produkten) stehen immer Verdacht, Autoimmunschilddrüsenerkrankungen zu begünstigen
     

Quellen:

Ehlers A. Nutzen und Risiken der Jodprophylaxe in Deutschland. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2012. URL: 
http://www.bfr.bund.de/cm/343/nutzen-und-risiken-der-jodprophylaxe-in-deutschland.pdf (Stand: 08.04.2012)

Pharmawissen aktuell: Jodversorgung optimieren. Beilage SM 1886 in Der Hausarzt 7/2012

Brent AG. Environmental Exposures and Autoimmune Thyroid Disease. Thyroid 2010; 20: 755-761. URL: 
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2935336/pdf/thy.2010.1636.pdf

Autor:
Jan Groh

Letzte Aktualisierung: 15.08.2018