Reisen mit Schilddrüsenerkrankungen – eine Checkliste

Urlaubs- und Geschäftsreisen sind für Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen problemlos möglich. Voraussetzung dafür ist  eine gute Vorbereitung. Insbesondere Über- oder Unterfunktionen der Schilddrüse sollten nach Möglichkeit vor Reiseantritt ausgeglichen werden.
 

Woran Sie denken sollten:

1. Arztbesuch

Um Komplikationen und gesundheitliche Gefährdungen zu vermeiden, sollten Sie frühzeitig vor Reiseantritt ihren behandelnden Arzt zu Reiseziel und den zu erwartenden klimatischen Bedingungen konsultieren. Besprechen sie auch Aktivitäten am Urlaubsort. Außerdem sollten Sie mit Ihrem Arzt klären, ob sich die Reise mit geplanten Untersuchungen oder Behandlungen überschneidet.
 

2. Wichtige Dokumente

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt eine kurze Zusammenfassung Ihrer Gesundheitssituation und eine Liste Ihrer Medikamente einschließlich Dosierung ausstellen – bei internationalen Reisen idealerweise auf Englisch und unter Verwendung der Wirkstoffbezeichnung anstelle des Arzneimittelnamens.

Ebenso gehören der Impfpass, gegebenenfalls der Allergiepass und soweit vorhanden der Nothilfepass ins Reisegepäck. Diese Dokumente können im Notfall gefährliche Komplikationen verhindern und beim Grenzübertritt viel Zeit sparen.

Wichtig: Lassen Sie sich in ausreichendem Umfang Medikamente rezeptieren. Kalkulieren Sie dabei ein paar Reservetage ein, falls sich die Rückreise verzögern sollte. Besorgen Sie sich ihre Arzneimittel nach Möglichkeit noch am Heimatort. Nicht alle Medikamente sind international gleichermaßen verfügbar. Außerdem können Bestellungen am Urlaubsort unter Umständen mit längeren Lieferzeiten verbunden sein.
 

3. Impfschutz aktualisieren, Vorbeugemaßnahmen beachten

Impfungen sind auch für Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen ein möglicher Schutz vor Infektionskrankheiten. In manchen Ländern sind bestimmte Impfungen zudem für die Einreise vorgeschrieben. Aktualisieren Sie daher Ihren Impfschutz und lassen Sie die vorgeschriebenen landesspezifischen Impfungen bei sich vornehmen. Auch Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) können geimpft werden.

Beachten Sie darüber hinaus notwendige oder empfohlene Vorbeugemaßnahmen gegen regionale Erkrankungen wie zum Beispiel Malaria oder Typhus. Den besten Schutz bieten Kombinationen aus Verhaltensmaßregeln und Arzneimitteln, die vorbeugend (prophylaktisch) oder auch erst im Bedarfsfall eingesetzt werden.
 

4. Reiseversicherungen

Eine Reisekrankenversicherung übernimmt bei Erkrankungen im Ausland die Kosten für Behandlung, in einigen Fällen auch für den Rücktransport ins Heimatland. Prüfen Sie daher, ob eine Reisekrankenversicherung für Ihr Reiseziel sinnvoll ist. Fragen Sie dazu am besten bei Ihrer Krankenversicherung nach oder informieren Sie sich auf der Homepage des Gesundheitsministeriums [bitte verlinken auf: http://www.bmg.bund.de/krankenversicherung/leistungen/auslandsversicherungsschutz.html]. Bei Abschluss einer Versicherung sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Versicherung auch bereits bestehende Erkrankungen abdeckt.
 

5. Medikamente

Medikamente im Koffer helfen nicht. Bei der An- und Abreise, eventuell aber auch am Urlaubsort, sollten Sie daher Medikamente für einige Tage unbedingt im Handgepäck mitführen. So wird die Behandlung nicht unterbrochen, selbst wenn mal ein Koffer verloren geht.

Achten Sie gerade bei Reisen in Länder mit extremen Klimabedingungen auch auf eine verträgliche Lagerung der Arzneimittel. In der Packungsbeilage ist angegeben, worauf bei den einzelnen Substanzen zu achten ist.
 

6. Arztbesuch am Urlaubsort

Gerade bei instabilem Gesundheitszustand empfiehlt es sich, bereits vor Reiseantritt zu klären, ob und wo am Urlaubsort ein Arzt und eine Apotheke zu finden sind. Wird ein Arztbesuch erforderlich, muss unbedingt auf die bestehende Schilddrüsenerkrankung hingewiesen werden. Achten Sie dabei auch auf möglicherweise bestehende Sprachbarrieren. Im Notfall können Ihnen unter Umständen die deutschen Botschaften und Konsulate im Reiseland weiterhelfen.
 

7. Aktivitäten am Urlaubsort

Urlaub ist Erholung, aber er vollbringt keine medizinischen Wunder. Schilddrüsenüber- und -unterfunktion verringern die Belastungsfähigkeit – und das bleibt leider auch am schönsten Reiseziel so.

Beachten Sie bei Aktivitäten deshalb auch unterwegs die Empfehlungen Ihres Arztes. Berücksichtigen Sie, dass Sie beispielsweise durch Zeitverschiebung, Klimawechsel, Höhenlage, Sonneneinstrahlung und Ernährungsumstellung zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind.

Grundsätzlich sollten Patienten mit Schilddrüsenfunktionsstörungen bei Extrembelastungen wie beispielsweise Höhenbergsteigen, Trekkingtouren oder Tropenaufenthalten vorsichtig sein.
 

8. Klima

Schilddrüsenfunktionsstörungen beeinflussen die Temperaturregulation des Körpers. Insbesondere in heißer und schwüler Umgebung kann der Organismus dann schnell an seine Grenzen geraten. Manche Mediziner raten Schilddrüsenpatienten deshalb grundsätzlich von Reisen in sehr warme und tropische Regionen ab. Besprechen Sie derartige Unternehmungen deshalb am besten frühzeitig mit Ihrem Arzt.
 

9. Ernährung

Auf Reisen werden oft andere Speisen und Getränke angeboten als zu Hause. Bei Einnahme von Schilddrüsenhormonen muss ein gleichmäßiger Hormonspiegel jedoch auch unterwegs eingehalten werden. Wenden Sie sich diesbezüglich am besten an Ihren Arzt und besprechen Sie, wie Sie am Reiseziel vorgehen sollten, um Schwankungen der Hormonversorgung zu vermeiden.

Günstig wirkt sich oft der hohe Jodgehalt der Speisen am Urlaubsort aus. Insbesondere Seefisch, der in vielen Ländern auf dem Speisezettel steht,  kann die Jodzufuhr erhöhen und dem in Deutschland weitverbreiteten Jodmangel entgegenwirken. Auch Patienten mit Hashimoto- oder Basedow-Thyreoiditis dürfen hier genießen. Die zusätzliche Jodzufuhr stellt keine Gefahr für sie dar.

Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Diese ist angesichts der oft eingeschränkten Temperaturregulation bei Schilddrüsenpatienten besonders wichtig. Dabei muss gerade an exotischen Reisezielen auch auf die hygienische Qualität von Wasser, anderen Getränken und Eiswürfeln geachtet werden. 
 

10. Reisen nach Radiojodtherapie

Patienten, die sich vor nicht allzu langer Zeit einer Radiojodbehandlung unterzogen haben, müssen bei Flugreisen einen wenig bekannten, aber in der Konsequenz unter Umständen gravierenden Aspekt ihrer Therapie beachten. Die im Körper verbliebene Reststrahlung kann auf Flughäfen auch noch Wochen nach der Klinikentlastung Sicherheitsalarm auslösen.

Was sich zunächst nur kurios anhört, kann in der Wirklichkeit schwerwiegende Konsequenzen und eine vorübergehende Verhaftung unter Terrorverdacht nach sich ziehen.

Betroffene Patienten sollten mit ihrem behandelnden Arzt deshalb unbedingt besprechen, wann die Strahlung in ihrem Körper hinreichend abgeklungen ist und wie bei Flugreisen am besten vorgegangen werden sollte.
 

Quellen:

Gangopadhyay KK, Sundram F, De P. Triggering radiation alarms after radioiodine treatment. BMJ 2006; 333: 293–4. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1526947/

Bundesministerium für Gesundheit. Versicherungsschutz im Ausland. URL: http://www.bmg.bund.de/krankenversicherung/leistungen/auslandsversicherungsschutz.html (Stand: 05.04.2013)

Auswärtiges Amt. Reisen und Gesundheit. URL: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/Uebersicht_node.html und Unterseiten (Stand: 05.04.2013)

Shomon M. Air Travel Tips for Thyroid Patients. URL: http://thyroid.about.com/b/2005/08/18/air-travel-tips-for-thyroid-patients.htm (Stand: 05.04.2013)

Schilddrüsenkrank in den Urlaub - worauf muss man achten? URL: http://www.schilddruesenguide.de/urlaub.html (Stand 05.04.2013)


Autor: Jan Groh

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