In der Pubertät den TSH-Wert richtig interpretieren

Eine normale Schilddrüsenfunktion ist für die geistige und motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unerlässlich. Gerade in diesen Altersgruppen sind unnötige Behandlungen zu vermeiden. Bei einer manifesten Schilddrüsenerkrankung, das heißt mit erkennbarer Symptomatik, ist eine Behandlung allerdings notwendig. Behandlungsdürftige Schilddrüsenfunktionsstörungen kommen jedoch in der Kinderheilkunde selten vor. Gleichwohl: Aus Sorge um das Wohl des Patienten und dem Wissen um die negativen Auswirkungen einer ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beginnen Ärzte oft früh mit einer Behandlung. Sind leicht erhöhte TSH-Werte (Thyreoidea stimulierendes Hormon) aber schon ein Behandlungsgrund?

Jugendliche: Diagnose einer Schilddrüsenerkrankung schwierig

Bei der Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen, unter anderem einer Schulddrüsenunterfunktion, gibt es Besonderheiten beziehungsweise Schwierigkeiten, da viele der Symptome wie Müdigkeit, Gereiztheit oder Gewichtsschwankungen auch im normalen Pubertätsverlauf vorkommen. Zudem kann in dieser sensiblen Phase der Selbstwertentwicklung jede gesundheitliche Störung und insbesondere die Tatsache, täglich Tabletten einnehmen zu müssen, eine starke Verunsicherung und psychische Belastung darstellen. Sichere Diagnosen sind daher sehr wichtig.

Aussagekraft des TSH-Wertes

Im Kindes- und Jugendalter gelten andere Normbereiche für den TSH-Wert (siehe Tabelle 1), sodass die gemessenen Werte oft falsch interpretiert werden. Für die Diagnose reicht es nicht aus, allein den erhöhten TSH-Wert zu betrachten. Wenn die Werte der Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (T4, Thyroxin)  und Trijodthyronin (T3) normal sind sowie Symptome ausbleiben, ist eine medikamentöse Therapie nicht angebracht. Die voreilige Behandlung mit Schilddrüsenhormonen bei leicht erhöhten TSH-Werten kann laut Studien zu einer Überdosierung und somit zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen (2). Nichtsdestotrotz können leicht erhöhte TSH-Konzentrationen auf eine beginnende, noch symptomfreie Störung der Schilddrüsenfunktion hinweisen.

Starkes Übergewicht beeinflusst den TSH-Wert

Bei Jugendlichen mit starkem Übergewicht lassen sich oft erhöhte TSH-Werte feststellen, die meist nicht behandlungsbedürftig sind. Aufgrund des starken Übergewichts wird in vielen Fällen eine Schilddrüsenunterfunktion fälschlicherweise diagnostiziert. Folglich verschreibt der Arzt eine Schilddrüsenhormontherapie, um die Übergewichtsproblematik zu verbessern. Allerdings steigen die TSH-Werte als Folge des Übergewichtes und nicht aufgrund einer Schilddrüsenfunktionsstörung. Eine Gabe von Schilddrüsenhormonen bei alleiniger Berücksichtigung der TSH-Konzentration wird auch hier nicht empfohlen. Bei einer Gewichtsreduktion können die TSH-Werte wieder sinken.

Tabelle 1: Referenzbereiche für TSH (µU/ml) für Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren (4)

TSH-Referenzbereich (µU/ml)

Alter*

Jungen

Mädchen

10,0

1,0 – 5,2

0,9 – 5,2

10,5

0,9 – 5,1

0,9 – 5,1

11,0

0,9 – 5,1

0,9 – 5,0

11,5

0,9 – 5,0

0,8 – 4,9

12,0

0,9 – 4,9

0,8 – 4,8

12,5

0,9 – 4,9

0,8 – 4,7

13,0

0,9 – 4,8

0,8 – 4,5

13,5

0,9 – 4,7

0,7 – 4,4

14,0

0,8 – 4,6

0,7 – 4,3

14,5

0,8 – 4,5

0,7 – 4,2

15,0

0,8 – 4,4

0,7 – 4,2

15,5

0,8 – 4,3

0,7 – 4,1

16,0

0,8 – 4,2

0,6 – 4,0

16,5

0,8 – 4,1

0,6 – 4,0

17,0

0,7 – 4,0

0,6 – 4,0

17,5

0,7 – 3,9

0,6 – 3,9

* Alter in Jahren (Wert für z.B. 2 Jahre von 1,75 bis unter 2,25 Jahren)

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Quellen:

  1. Krude H. (2015) Schilddrüsenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Monatsschrift Kinderheilkunde, 163:601– 615.DOI 10.1007/s00112-014-3302-7
  2. Krude H. (2015) Macht TSH krank? Relevanz einer isolierten TSH-Erhöhung im Kindes- und Jugendalter. Pädiatrie, Vol.5, S.30-34 
  3. Lazar L. et al (2009) Natural history of thyroid function tests over 5 years in a large pediatric cohort. J Clin Endocrinol Metab, Vol.95(5), S.1678-1682
  4. RKI – Robert Koch-Institut (2009) Bevölkerungsbezogene Verteilungswerte ausgewählter Laborparameter aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS), Reihe Gesundheitsberichterstattung des Bundes, URL: http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/KiGGS_Laborparameter.pdf?__blob=publicationFile (Seite 54-57; Abruf am 21.11.2017)
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