Weniger Angst vor Schilddrüsenknoten!

In Deutschland weist etwa jeder vierte Erwachsene Knoten in der Schilddrüse auf (1). Viele Patienten beunruhigt die Diagnose eines oder mehrerer Knoten. In diesem Fall besteht oft der Wunsch, das Schmetterlingsorgan teilweise oder komplett entfernen zu lassen. Jedoch sind die Knoten in der Schilddrüse nur selten bösartig. Viele Schilddrüsenknoten können durch eine medikamentöse Behandlung therapiert werden, was eine Operation überflüssig macht. Es gilt die Veränderungen in der Schilddrüse frühzeitig zu erkennen, zu diagnostizieren und gegebenenfalls zu behandeln. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle der Schilddrüse durch eine Tastuntersuchung sinnvoll. Bei Auffälligkeiten sollte der Arzt dann eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und eine Kontrolle der Blutwerte vornehmen.

Ursache für die Knotenbildung

In Jodmangelgebieten sind die Menschen besonders häufig von Schilddrüsenknoten betroffen. Sie können einzeln oder vermehrt in der Schilddrüse vorkommen. Ein langfristiger Jodmangel führt durch eine verstärkte Produktion von Wachstumsfaktoren in dem Schmetterlingsorgan zu dessen Vergrößerung (med. Struma; ugs. Kropf) und meist zu knotigen Veränderungen. Zudem kann es auch zu Funktionsstörungen, wie einer Schilddrüsenunterfunktion, kommen. Allerdings sind Knoten auch bei einer normal großen Schilddrüse möglich.

Diagnostik der Schilddrüsenknoten

Bei einer Vorsorgeuntersuchung sollte der Arzt zunächst eine Tastuntersuchung an der Schilddrüse durchführen. Dabei können bereits Schilddrüsenknoten ab einer Größe von einem Zentimeter ertastet werden. Bei einem positiven Befund folgen eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Messung der Schilddrüsenwerte im Blut. Falls die entdeckten Knoten größer als ein Zentimeter sind, sollte zusätzlich eine Szintigraphie in Betracht gezogen werden. Mit Hilfe dieser Untersuchung stellt der Arzt fest, ob es sich um heiße oder kalte Schilddrüsenknoten handelt. Bei einem kalten Knoten sollte zudem durch eine Feinnadelbiopsie untersucht werden, ob ein gut- oder bösartiger Knoten vorliegt.

Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten drängen viele Patienten auf eine Operation, da die Angst vor einem bösartigen Schilddrüsenknoten sehr groß ist. Jedoch sind die Knoten in den seltensten Fällen bösartige Schilddrüsenkarzinome. Sie machen bei Frauen nur 1,5 Prozent und bei Männern 0,5 Prozent aller bösartigen Tumorerkrankungen aus (1). Die Operation der Schilddrüse ist oft eine unnötige Belastung des Patienten, da gutartige Knoten schonend mit Medikamenten behandelt werden können. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit eines bösartigen Schilddrüsenknotens bei älteren Patienten noch geringer (4).

Unterschied: Heiße und kalte Knoten

Heiße Knoten, auch autonome Adenome genannt, sind Veränderungen im Schilddrüsengewebe, die unkontrolliert die Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (T4, Thyroxin) und Trijodthyronin (T3) produzieren. Sie sind in der Regel gutartig. Durch die übermäßige Produktion dieser Hormone kommt es langfristig zur Schilddrüsenüberfunktion.  Die Behandlung der Überfunktion erfolgt zu Beginn meist mit Medikamenten, die die Hormonbildung und -freisetzung in der Schilddrüse hemmen (Thyreostatika), und gegebenenfalls durch eine darauffolgende Radiojodtherapie. Die teilweise oder komplette operative Entfernung der Schilddrüse wird erst nach einer erfolglosen Behandlung oder einer starken Schilddrüsenvergrößerung mit Beschwerden vorgenommen.

Kalte Knoten sind funktionsarm beziehungsweise inaktiv. Sie nehmen wenig bis gar kein Jod auf und bilden keine Schilddrüsenhormone. Meist sind die Knoten gutartig und verursachen keine Funktionsstörungen. Jedoch können sie in seltenen Fällen bösartig sein. Bei einer normalen (euthyreoten) Stoffwechsellage trotz Struma und nicht krebsverdächtigen Schilddrüsenknoten sollte, wenn der Patient keine Beschwerden hat, die Schilddrüse regelmäßig kontrolliert und mit einer Behandlung vorerst gewartet werden. Falls die Knoten wachsen oder sich die Schilddrüsenwerte verändern, können Ärzte dies frühzeitig mit Schilddrüsenhormonen oder der Kombination der Hormone mit Jod behandeln. Dadurch werden die weitere Vergrößerung der Schilddrüse sowie das Knotenwachstum gehemmt, und bestehende Veränderungen schrumpfen wieder. Zudem wird der Bildung neuer Schilddrüsenknoten vorgebeugt. Eine Operation der Schilddrüse ist als definitive Therapie sinnvoll, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten erschöpft sind, ein Handlungsbedarf aufgrund akuter Beschwerden besteht oder ein Schilddrüsenkarzinom vorliegt.

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Quellen:

  1. Schumm-Dräger P.M., Feldkamp J. (2007) Schilddrüsenkrankheiten in Deutschland – Ausmaß, Entwicklung, Auswirkungen auf das Gesundheitswesen und Präventionsfolge. Präv Gesundheitsf, 2:153-158
  2. Expertenworkshop „Schilddrüse“ – Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen. MMW – Fortschritte der Medizin, Hrsg. Springer MedizinExpertenworkshop
  3. Westphal K. (2016) Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen. MMW – Fortschritte der Medizin, Aug;17: 1-4.
  4. Führer D., Schmid K.W. (2010) Benigner Schilddrüsenknoten oder Schilddrüsenmalignom? Der Internist, Volume 51, Issue 5, S.611-619
  5. Grussendorf M. et al. (2011) Reduction of Thyroid Nodule Volume by Levothyroxine and Iodine Alone and in Combination: A Randomized, Placebo-Controlled Trial. J Clin Endocrinol Metab, 96(9):2786-2795
  6. Wegner R. et al. (2014) Therapeutische Entscheidungen bei Patienten mit euthyreoter Struma und/oder Schilddrüsenknoten in der Hausarztpraxis. German Medical Science GMS Publishing House, doi 10.3205/14degam111
  7. Dietlein M. et al. (2014) DGN-Handlungsempfehlung (S1-Leitlinie) Schilddrüsenszintigraphie. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V., unter: http://www.nuklearmedizin.de/leistungen/leitlinien/docs/031-011l_S1_Schilddruesenszintigraphie_2014-10.pdf, (Aufgerufen am 16.08.2017)

 

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