MIBI-Szintigraphie bei Schilddrüsenknoten

Tc-99m-MIBI ist ein Radiopharmakon, ein Arzneimittel, das bei der MIBI-Szintigraphie verwendet wird. Die Szintigraphie dient als Nachweisverfahren von Erkrankungen in der Nuklearmedizin. Tc-99m-MIBI ist ein chemischer Komplex aus Technetium-99m und Methoxy-isobutyl-isonitril-Liganden (5). Es reichert sich in den Mitochondrien (Kraftwerke der menschlichen Zellen) in Abhängigkeit vom Energieverbrauch des Gewebes an. Ursprünglich wurde die Tc-99m-MIBI-Szintigraphie für die Untersuchung des Herzens entwickelt. Allerdings reichert es sich auch in gutartigen sowie bösartigen Tumoren an. Daher wird es mittlerweile ebenfalls zur Tumordiagnostik genutzt. Die MIBI-Szintigraphie dient so unter anderem zur Diagnostik von gutartigen Nebenschilddrüsentumoren und bösartigem Brustkrebs. Zudem hat sich dieses Verfahren bei der Abklärung von Schilddrüsenknoten bewährt und wird bei der Untersuchung kalter Knoten eingesetzt. Mit der MIBI-Szintigraphie können Ärzte relativ gut vorhersagen, ob ein kalter Knoten gut- oder bösartig ist.

Ablauf der Methode

Das Tc-99m-MIBI wird über die Vene verabreicht. Mit speziellen Kameras messen Ärzte dann, wie sich das Radiopharmakon im Schilddrüsengewebe anreichert. Das Ergebnis (MIBI-Szintigramm) wird anschließend mit einem herkömmlichen Schilddrüsen-Szintigramm, was zur Unterscheidung von heißen und kalten Schilddrüsenknoten dient, verglichen. Eine Übereinstimmung der beiden Szintigramme liegt vor, wenn sich die Schilddrüsenknoten nicht beziehungsweise nur gering mit Tc-99m-MIBI anreichern. In diesem Fall ist der untersuchte Schilddrüsenknoten mit hoher Wahrscheinlichkeit gutartig. Es bedarf dann bei Beschwerdefreiheit keiner Operation der Schilddrüse und die Knoten können medikamentös oder mittels ultraschallgesteuerter Thermoablation behandelt werden. Jedoch sollten diese Schilddrüsenknoten weiterhin in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Denn sehr kleine Tumore können mit der MIBI-Methode unter Umständen nicht eindeutig erfasst werden, da sie keine ausreichende Menge Tc-99m-MIBI aufnehmen. Hier sind weitere Untersuchungen notwendig. Wenn hingegen der kalte Schilddrüsenknoten vermehrt das Tc-99m-MIBI aufnimmt, handelt es sich in 15 bis 20 Prozent der Fälle um einen bösartigen Schilddrüsentumor (1). Schilddrüsenkarzinome sind in Deutschland allerdings sehr selten. Sie machen hierzulande gerademal circa ein Prozent aller Tumorerkrankungen aus (8).

Anwendungspraxis der MIBI-Szintigraphie

Die MIBI-Szintigraphie wird noch nicht in aktuellen Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften zur Diagnostik von kalten Schilddrüsenknoten aufgeführt. Allerdings wird diese Methode bereits seit Jahren angewendet und ist praktisch nebenwirkungsfrei (4). Dennoch gilt die Feinnadelaspirationsbiopsie, bei der Schilddrüsengewebe mittels einer feinen Nadel entnommen wird, laut der Leitlinien weiterhin als diagnostischer Standard. Die MIBI-Szintigraphie kann diese nicht ersetzen. Jedoch ist die Tc-99m-MIBI-Szintigraphie eine wertvolle ergänzende Methode zur Feinnadelaspirationsbiopsie. Ihr Ergebnis kann zur Entscheidung über eine Schilddrüsen-Operation herangezogen werden. Im Vergleich zur MIBI-Szintigraphie kann die Feinnadelpunktion für den Patienten unangenehm sein, und die Ergebnisqualität ist immer vom Punktierenden sowie der Gewebsanalyse abhängig. Die MIBI-Szintigraphie ist insbesondere für Patienten geeignet, bei denen eine Feinnadelpunktion schwierig beziehungsweise mit einem erhöhten Risiko, zum Beispiel durch die Einnahme von Gerinnungshemmern, verbunden ist. Die Kosten für die Tc-99m-MIBI-Szintigraphie werden in der Regel von den Krankenkassen getragen.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

 

Quellen:

  1. Schmidt M. (2016) MIBI-Szintigraphie bei hypofunktionellen Schilddrüsenknoten. Der Nuklearmediziner, 39: 178-190
  2. Praxis für Nuklearmedizin (2015): „Diagnostik – Schilddrüsenszintigraphie mit MIBI“, unter: http://www.nuklearmedizin-hsk.de/diagnostik_schilddruese_szintigraphie_mibi.html (aufgerufen am 31.07.2017)
  3. Verburg F.A.: „Szintigraphie mit Tc-99m-MIBI bei kalten Knoten der Schilddrüse“, unter: http://www.nuklearmedizin2017.de/fortbildungen/jata13_abstracts/PD_Dr._med._F._A._Verburg,_Aachen_-_Szintigrafie_m._Tc-99m-MIBI_bei_kalten_.pdf
  4. Radiologie Herford (2017): „Aufklärung zur MIBI-Szintigraphie der Schilddrüse bei kalten Knoten“, unter: https://www.radiologie-herford.com/app/download/13115402436/Aufkl%C3%A4rung+MIBI-Szintigraphie.pdf?t=1497945311 (aufgerufen am 02.08.2017)
  5. doccheck: „Tc-99m-MIBI“, unter http://flexikon.doccheck.com/de/Technetiumflexikon.doccheck.com/de/Tc-99m-MIBI (aufgerufen am 07.08.2017)
  6. doccheck: „Negativer prädiktiver Wert”, unter: http://flexikon.doccheck.com/de/Negativer_pr%C3%A4diktiver_Wert (aufgerufen am 07.08.2017)
  7. doccheck: „Positiver prädiktiver Wert”, unter:  http://flexikon.doccheck.com/de/Positiver_pr%C3%A4diktiver_Wert (aufgerufen am 07.08.2017)
  8. Maurer E., Bartsch D.K. (2015) Aktueller Stand der operativen Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen. Hessisches Ärzteblatt, 7: 413-418

 

X