Schilddrüsenfunktionsstörungen: Saunabesuch möglich?

Saunabaden ist in Deutschland sehr beliebt. Über 25 Millionen Menschen gehen hierzulande mehr oder weniger regelmäßig in die Sauna. Die Hitze in der Sauna steigert den Körperkreislauf, fördert die Durchblutung der Haut sowie der Atemwegsschleimhäute und regt das Immunsystem an. Zudem wirkt der Wechselreiz zwischen Hitze und Kälte für viele entspannend. Doch nicht für jeden ist ein Saunabesuch ratsam, da der Kreislauf stark beansprucht wird. Zum Beispiel sollten Personen mit einer akuten beziehungsweise einer unzureichend behandelten Schilddrüsenerkrankung auf das Saunieren verzichten.

Durch die Temperaturen in der Sauna von bis zu 100 Grad (4) erwärmt sich die Haut auf bis zu 40 Grad (3). Die Körperkerntemperatur steigt um ein bis zwei Grad an. Dabei erweitern sich die Gefäße in den Armen und Beinen und werden stärker durchblutet. Der Blutdruck sinkt und das Herz muss schneller und kräftiger schlagen. Zudem nimmt auch die Atmung zu. Nach etwa 10 bis 20 Minuten in der Sauna wird es Zeit für eine Abkühlung, zum Beispiel durch eine kalte Dusche. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße wieder zusammen und der Blutdruck steigt. Das löst im Körper eine leichte Stressreaktion aus und bewirkt eine milde Glückseligkeit. Abschließend folgt die Entspannungsphase, in der das Herz langsam und kräftig schlägt. Der Saunagang sollte zwei- bis dreimal wiederholt werden. Erst durch regelmäßige Saunabesuche profitiert der Körper von den gesundheitlichen Vorteilen, die jedoch bisher ausschließlich für die finnische Sauna untersucht wurden.

Wann sollte ein Saunabesuch lieber ausgesetzt werden?

Ob ein Saunabesuch sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie belastbar das Herzkreislaufsystem ist. So sollte bei einem akuten Infekt nicht sauniert werden, da dieser das ohnehin geschwächte Herzkreislaufsystem zusätzlich belastet. Personen mit chronischen Gefäßerkrankungen oder Bluthochdruck sollten beim Saunabesuch vorsichtig sein. Oftmals ist die Belastung durch die Hitze für den Kreislauf dieser Patienten zu stark. Allerdings birgt das Saunabaden auch bei niedrigem Blutdruck ein Risiko, da es bei den Betroffenen zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen kann.

Auch Personen mit akuten beziehungsweise unzureichend behandelten Schilddrüsenfunktionsstörungen sollten nicht in die Sauna gehen. Zum einen gilt dies für eine akute oder nicht ausreichend mit Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) eingestellte Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse übermäßig viele Hormone, welche die Herztätigkeit und den Kreislauf ankurbeln. Dies führt zu einem erhöhten Puls, Herzklopfen beziehungsweise Herzrasen. Somit können bei den Patienten Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern auftreten. Langfristig führt diese Überbelastung zu einer abnehmenden Funktion des Herzens – einer Herzschwäche. Da ein Saunabesuch eine starke Belastung des Kreislaufs darstellt, wird davon abgeraten. Wenn die Patienten angemessen therapiert werden und wieder eine normale Stoffwechsellage aufweisen, ist auch das Saunieren wieder möglich. Allerdings sollte dies langsam und schrittweise geschehen. Zum anderen ist auch bei einer akuten Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ein Saunagang nicht empfohlen, um den Kreislauf nicht zusätzlich zu belasten. Bei einer akuten sowie einer nicht ausreichend mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin (Tetrajodthyronin, T4) eingestellten Unterfunktion der Schilddrüse sind der Körperstoffwechsel verlangsamt und der Blutdruck erniedrigt. Daher besteht das Risiko eines Kreislaufzusammenbruchs. Jedoch gilt auch hier, dass richtig eingestellte Patienten und mit einer normalen Stoffwechsellage die Sauna besuchen können.

Nach einer Schilddrüsenoperation nicht direkt in die Sauna

Für eine bessere Wundheilung wird empfohlen, nach einer Schilddrüsenoperation nicht direkt in die Sauna zu gehen. Denn die Wunde sollte nach der Entfernung von Schilddrüsengewebe immer trocken gehalten werden. Circa eine Woche nach dem Eingriff ist die Wunde verheilt. Allerdings können auch bei einer verheilten Eingriffswunde noch leichte Schwellungen und Rötungen auftreten. Aufgrund dessen sollte bis mindestens zwei Wochen nach der Operation mit einem Saunabesuch gewartet werden. Darüber hinaus sollte der Patient ebenfalls wieder eine normale Stoffwechsellage aufweisen.

Quellen:

  1. Brenke R. (2015) Sauna – Mehr als Wellness. Zeitschrift für Komplementärmedizin, 07(03), 28-32, DOI: 10.10555/s-0035-1554953
  2. „Sauna ist nicht für jeden geeignet“, Paulsen I., Fit for Fun, unter: http://www.fitforfun.de/beauty-wellness/trends/sauna/interview_aid_1718.html (aufgerufen am 04.07.2017)
  3. Gesundes Saunieren – Dafür kann ich mich erwärmen, von Hollstein T., 2015, Spiegel Online, unter: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/sauna-regelmaessiges-saunieren-staerkt-nicht-nur-die-abwehrkraefte-a-1018396.html  (aufgerufen am 04.07.2017)
  4. Sauna: Schwitzen für die Gesundheit, von Gruht C., 2014; Apotheken Umschau, unter: http://www.apotheken-umschau.de/Wellness/Sauna-Schwitzen-fuer-die-Gesundheit-435391.html (aufgerufen am 05.07.201)
  5. Saunabaden bei Unterfunktion der Schilddrüse? Conradi E, unter: https://www.saunabund-ev.de/index.php?id=661 (aufgerufen am 24.01.2017)
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