Rauchen – ein Risikofaktor für die Schilddrüse

Jeder zehnte Todesfall weltweit steht im Zusammenhang mit dem Rauchen. In Deutschland ist es sogar jeder siebte (2). Allgemein führt Rauchen zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden und erhöht die Sterblichkeit. Das im Tabakrauch enthaltene Nikotin und andere Inhaltsstoffe, wie das Thiocyanat und das Hydroxypyridin, beeinflussen den Körperstoffwechsel, die Nervenaktivität und den Hormonhaushalt des Menschen. Das Rauchen hat auch zahlreiche Auswirkungen auf die Schilddrüse. Der Tabakkonsum kann das Schmetterlingsorgan stimulieren oder hemmen und erhöht das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen.

Erhöhtes Risiko: Morbus Basedow und Folgeerkrankungen

Der Tabakkonsum wird unter anderem mit der Entstehung und dem Verlauf von Morbus Basedow in Verbindung gebracht. Morbus Basedow (engl. Graves disease) ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der die Schilddrüse unkontrolliert Hormone produziert. Die Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit Symptomen, wie innerer Unruhe, vermehrtem Schwitzen, Herzrasen oder Bluthochdruck. Das Rauchen kann auch den Effekt der Therapie senken, sodass Raucher verspätet und schwächer auf die medikamentöse Behandlung ansprechen. Ist die Therapie mit Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) beendet, haben Raucher ein höheres Risiko für eine Wiedererkrankung als Nichtraucher. Ebenso steigert der Tabakkonsum das Risiko der endokrinen Orbitopathie, eine Folgeerkrankung des Morbus Basedow. Hierbei kommt es durch ein Anschwellen des hinter dem Augapfel liegenden Binde- und Muskelgewebes zu hervorstehenden Augen und Sehstörungen, was sich durch eine adäquate Behandlung nach unterschiedlichen Zeiträumen wieder zurückbildet.

Weitere Bestandteile des Tabakrauches haben einen Effekt auf die Schilddrüsenfunktion

Neben Nikotin enthält der Tabakrauch Stoffe wie Thiocyanat und Hydroxypyridrin. Das Thiocyanat hemmt unter anderem den Jodtransport in die Schilddrüse und fördert dort die Freisetzung von Jod. In der Folge bekommt diese zu wenig Jod, was wiederum zu einem Kropf (vergrößerte Schilddrüse) führen kann. Wenn ohnehin ein Jodmangel besteht, kann das Rauchen diesen somit verstärken. Das Hydroxypyridin hingegen stört die Umwandlung der Schilddrüsenhormone von Thyroxin (Tetrajodthyronin oder T4) zu Trijodthyronin (T3), da es das zuständige Enzym (Dejodase) hemmt. Dieser Mangel an T3 beeinträchtigt unter anderem den Körperstoffwechsel.

Rauchen beeinflusst auch die gesunde Schilddrüse

Bei Menschen mit gesunder Schilddrüse lässt sich ein leichter Anstieg der Schilddrüsenhormone T4 und T3, wahrscheinlich durch eine Nikotin-bedingte Stimulation des Nervensystems, beobachten. Ebenso sind die Werte des Thyreoidea stimulierenden Hormon (TSH) bei Rauchern niedriger. Diese Einflüsse des Rauchens stellen allerdings zunächst keinen Hinweis auf grundlegende Störungen der Schilddrüse dar. Kinder aus Raucherhaushalten sind ebenfalls von diesen Effekten betroffen.

Quellen:

  1. Ferrari S.M. et al. (2017) Environmental Issues in Thyroid Diseases. Front. Endocrinol. 8: 50
  2. Weltstudie – jeder siebte Deutsche stirbt am Rauchen. SpringerMedizin.de - Update Allgemeinmedizin, 19.04.2017,URL: www.springermedizin.de
  3. Kapoor D., Jones T.H. (2005) Smoking and hormones in health and endocrine disorders. European Journal of Endocrinology; 152: 491–499. URL: http://eje-online.org/content/152/4/491.full.pdf
  4. Eckstein A, Esser J. (2010) Endokrine Orbitopathie. Internist; 51: 584–595.

 

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