Schilddrüsenüberfunktion: Was gibt es in der Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?

Die Schilddrüse ist ein wichtiges Steuerungsorgan im menschlichen Körper. Das schmetterlingsförmige Organ kann von einer Überfunktion betroffen sein. Dabei werden die Schilddrüsenhormone T4 (Tetrajodthyronin, Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) im Übermaß produziert. Typische Symptome sind unter anderem Herzrasen, innere Unruhe, Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen, Haarausfall und Durchfall. Ebenfalls kann die Erkrankung in der Schwangerschaft und Stillzeit Probleme bereiten.

Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft: manifeste und latente Form

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird, wie bei anderen Erkrankungen, zwischen einer latenten Form (noch nicht sicht- oder bemerkbar, meist symptomfrei) und der manifesten Form (erkennbar, vor allem hinsichtlich der Symptomatik) unterschieden. Eine manifeste Schilddrüsenüberfunktion kann unter anderem zu einer Früh- oder Fehlgeburt, zu einer Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie), Herzversagen oder zu einer Plazentaablösungen führen. Außerdem können das Wachstum sowie die Funktion der Schilddrüse des Neugeborenen gestört werden. Eine stärkere unbehandelte Überfunktion stellt ein Risiko für das ungeborene Kind dar und sollte mit Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) medikamentös behandelt werden. Eine leichte Überfunktion ist allerdings mit keinem erhöhten Risiko verbunden. Hingegen ist eine latente Überfunktion der Schilddrüse, bei der nur das Thydeoidea stmunlierende Hormon (TSH) erniedrigt, während der Schwangerschaft nicht so selten und normalisiert sich meist im Schwangerschaftsverlauf wieder. Dies liegt fast immer daran, dass das Schwangerschaftshormon Choriongonadotropin gebildet wird. Dieses ist in der 8. bis 12. Schwangerschaftswoche besonders hoch und hat eine ähnliche Wirkung wie das Hormon TSH, das die Schilddrüse normalerweise aktiviert. Der Arzt sollte die Schilddrüse während der Schwangerschaft genau beobachten und gegebenenfalls eine Behandlung anordnen.

Überfunktion und Stillen

Durch eine Schilddrüsenüberfunktion haben Mütter häufig Schwierigkeiten, beim Stillen ausreichend Milch zu produzieren. Durch die typischen Symptome der Hyperthyreose, wie Schlaflosigkeit und innere Unruhe, wird häufiges und längeres Stillen von betroffenen Müttern kaum toleriert. Auch in der Stillzeit muss eine Überfunktion mit Thyreostatika behandelt werden, wobei die niedrigst mögliche Therapiedosis eingesetzt wird. In der Regel können gut eingestellte Mütter uneingeschränkt stillen.

Stillzeit: Ausreichende Jodversorgung wichtig

Nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch in der Stillzeit ist eine ausreichende Jodversorgung wichtig. Denn die Muttermilch ist die einzige Nahrung und somit Jodquelle für den Säugling in den ersten Monaten nach der Geburt. Der kindliche Organismus benötigt das Jod für die Herstellung der Schilddrüsenhormone. Ein Jodmangel kann zu psychomotorischen Entwicklungsstörungen und einer verminderten intellektuellen Leistungsfähigkeit des Kindes führen. Stillende Mütter benötigen ein Drittel mehr Jod (insgesamt 260 Mikrogramm pro Tag) als Erwachsene allgemein. Eine jodreiche Ernährung besteht aus Seefisch, Milch, Milchprodukten und jodiertem Speisesalz beziehungsweise mit Jodsalz angereicherten Lebensmitteln. Zusätzlich sollten sie täglich 150 bis 200 Mikrogramm Jod in Tablettenform zu sich nehmen, um ihren Tagesbedarf zu decken. Das gilt laut einer aktuellen Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie auch bei Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow, wenn aktuell keine Überfunktion vorliegt.

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Quellen:

  • (1)  Von der Ohe, G.: Die Schilddrüse in Schwangerschaft und Stilzeit. Europäisches Institut für Stillen und Laktation
  • (2)  Von der Ohe, G.: Erkrankungen der Mutter in der Stillzeit: Schilddrüsenerkrankungen. Europäisches Institut für Stillen und Laktation, (Download 24.03.2016)
  • Schiddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) – Schwanger mit Schilddrüsenüberfunktion. Hrsg. Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (Download 26.04.2017)
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