Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten im Monat Ramadan: Fasten als Schilddrüsenpatient?

In Deutschland leben mehr als drei Millionen Muslime. Eine der fünf Säulen des islamischen Glaubens ist das Fasten im Monat Ramadan. In dieser Zeit verzichten Muslime von der Morgendämmerung bis nach Sonnenuntergang auf flüssige und feste Nahrung – auch die Einnahme von Medikamenten ist nicht erlaubt. Für muslimische Patienten mit einer kranken Schilddrüse ergeben sich dadurch Probleme bei der Therapie. Denn bei Schilddrüsenerkrankungen, wie zum Beispiel einer Überfunktion oder einer Unterfunktion müssen regelmäßig Medikamente eingenommen werden.

Fasten: Kranke von der Pflicht im Ramadan ausgenommen

Ramadan bedeutet übersetzt „Sommerhitze“. Er findet aber nicht zwangsläufig im Sommer statt, denn er ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Obwohl das Fasten mit körperlicher Anstrengung verbunden ist,  gehört es zu den am häufigsten praktizierten Grundpflichten des Islams. Der Verzicht gilt nicht nur für Essen und Trinken, sondern auch für Rauchen, Geschlechtsverkehr und Medikamenteneinnahme. Zum Fasten ist jeder verpflichtet, der volljährig, mündig und gesund ist. Niemand soll beim Fasten gesundheitlichen Schaden nehmen. Daher sind Stillende, Menstruierende, Schwangere, Alte und insbesondere auch Kranke von der Pflicht ausgenommen. Trotz der religiösen Freistellung wollen viele Muslime aber nicht auf das Fasten im Ramadan verzichten.

Absprache mit dem Arzt zur Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten im Ramadan

Muslimische Schilddrüsenpatienten, die im Ramadan fasten möchten, sollten gemeinsam mit ihrem Arzt eine individuelle Lösung finden. Der Mediziner kann beurteilen, ob der Verzicht auf das Schilddrüsenmedikament oder eine tageszeitlich verschobene Einnahme die Gesundheit des muslimischen Patienten beeinträchtigt. Ist dies der Fall, klärt der Arzt den Patienten über die möglichen gesundheitlichen Folgen auf. Ergänzend kann auch eine individuelle theologische Beratung durch einen Imam (Vorbeter in der Moschee) erfolgen.

Behandlung von Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, so dass Patienten sogenannte Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) einnehmen müssen. Diese verlangsamen die Bildung der Schilddrüsenhormone oder blockieren sie ganz. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenige Hormone. Patienten mit einer Unterfunktion ersetzen das fehlende Hormon durch Tabletten (L-Thyroxin).   

Quellen:

Ilkilic, I. Medizinethische Aspekte im Umgang mit  muslimischen Patienten. Dtsch. Med. Wschr. 132 (2007)
Staiger, C. Arzneimittel im Ramdan. Pharmazeutische Zeitung Online (2010)

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