Kontakt zu Haustieren nach Radiojodtherapie – erlaubt oder nicht?

Während einer Erkrankung ist die Gesellschaft von Tieren oft Trost und Unterstützung zugleich. Bei einer Radiojodtherapie findet die Behandlung jedoch stationär statt. Nach der Therapie wird geraten, von kleinen Kindern und Schwangeren vorübergehend mehr Abstand zu halten, da diese besonders sensibel auf Strahlung reagieren können. Doch wie ist das mit Hunden, Katzen und anderen tierischen Freunden?

Nach einer Radiojodtherapie gelten bereits strenge Grenzwerte für die Entlassung

Generell geht nach der regulären Entlassung nur noch sehr wenig Strahlung vom Patienten aus. Die Entlassung erfolgt  erst nach dem weitgehenden Abklingen der Strahlung, das heißt, wenn ein vom Gesetzgeber festgelegter Grenzwert unterschritten wird. Auch nach der Entlassung fällt die Intensität der Strahlung weiter ab und reduziert sich so in den Tagen nach der Entlassung immer weiter. Generell sollte bedacht werden, dass die Radiojodgabe in vielen Ländern ambulant stattfindet und  die Grenzwerte in Deutschland schon besonders niedrig sind. Grundsätzlich gilt dabei für Menschen wie für Tiere immer: je weiter der eigene Abstand zum Patienten, desto geringer ist die Strahlendosis.

Wie beim Menschen sind junge und trächtige Tiere sensibler

Die Strahlendosis, die bei der Entlassung nach einer Radiojodtherapie abgegeben wird, ist sehr gering und in der Regel völlig unbedenklich. Die Strahlung bei Organismen wird in Sievert (Sv) gemessen und dient zur Bestimmung der Strahlenbelastung. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus beträgt die Strahlung in einem Meter Abstand nur noch 15 µSv pro Stunde, in 2 Metern sogar nur etwa 3,9 µSv pro Stunde und verringert sich danach rasch weiter. Zum Vergleich: Die Strahlenbelastung durch einen Transatlantikflug beträgt in etwa 100 µSv. Die Strahlenexposition durch natürliche Strahlenquellen, wie Höhenstrahlung oder natürliche Boden- und Luftbestandteile, liegt jährlich etwa bei 2200 µSv pro Kopf.

Tierarten reagieren unterschiedlich sensibel auf Strahlung. Für die geringe Menge an Strahlung, die Patienten nach der Entlassung von einer Radiojodtherapie abgeben, gibt es allerdings keine Studien, die eine mögliche Schädigung von Tieren überprüft haben. Jedoch kann man im Prinzip für Tiere dieselben Maßstäbe anlegen, die für Menschen gelten. Das bedeutet: Da die Strahlung jeden weiteren Tag nach der Radiojodtherapie abnimmt, sind vor allem die ersten Tage entscheidend. Wie beim Menschen ist die Reststrahlung für erwachsene Tiere kein Problem, junge und trächtige Tiere sind in der Regel sensibler.

Vorsichtsmaßnahmen für Haustiere nach der Radiojodtherapie

Möchten Patienten für erwachsene Tiere besonders vorsichtig sein, oder handelt es sich um sehr junge oder trächtige Tiere, eignen sich folgende Maßnahmen: Wie bei kleinen Kindern und Schwangeren können Patienten für einige Tage Abstand von ihren Haustieren halten: so ist beispielsweise in einem Körbchen in wenigen Metern Abstand die Strahlung schon wesentlich schwächer, als auf dem Schoß von Frauchen oder Herrchen. Außerdem können die Tiere  für die ersten Nächte aus dem Schlafzimmer verbannt werden, da Patienten sich hier für mehrere Stunden aufhalten und die Tiere dort am längsten der Reststrahlung ausgesetzt sind. Zusätzlich können Patienten die Weitergabe des Jods vermeiden. Neben der Ausscheidung über den Urin wird auch ein geringer Anteil des radioaktiven Jods über den Schweiß abgegeben. Patienten sollten also das Ablecken der Haut durch die Tiere, zum Beispiel Hände oder Gesicht, vermeiden, damit die tierischen Freunde das Jod nicht von ihrer Haut aufnehmen. Außerdem sollten vor dem Servieren von Futter und Wasser für die Tiere die Hände gewaschen werden.

Die Strahlung, die vom Patienten nach Entlassung aus der Radiojodtherapie ausgeht, ist gering und lässt auch nach der Entlassung rasch weiter nach. Erwachsene Menschen und Tiere sind dadurch nicht gefährdet. Junge und trächtige Tiere haben zumindest theoretisch ein höheres Risiko, wie etwa Kleinkinder und Schwangere.

Autoren: Prof. Dr. Markus Luster, Dr. Jochen Heinis, 20.12.2016

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Quellen:

1. http://www.uni-bonn-radiologie.de/front_content.php?idart=430

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