Erhöhen Schilddrüsenhormone das Schlaganfallrisiko?

Hashimoto-Patienten werden für gewöhnlich mit L-Thyroxin therapiert, da ihre Schilddrüse das wichtige Hormon nicht mehr in ausreichender Menge herstellen kann. Bei diesen Patienten kommen Gefäßkrankheiten, die zu Herzerkrankungen oder Schlaganfällen führen können, gehäuft vor. Die Studienlage, wie die Gefäßkrankheiten ausgelöst werden, ist jedoch immer noch unklar.

Die Vorteile des L-Thyroxins übersteigen die Risiken

Bei einer Hashimoto Thyreoiditis zerstören aufgrund eines fehlgeleiteten Immunprozesses T-Lymphozyten das Schilddrüsengewebe. Infolgedessen kann die Schilddrüse für den Körper wichtige Hormone nicht mehr herstellen. Es kommt zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Eine Studie belegte ein leicht erhöhtes Risiko für Schlaganfälle bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Dieses Risiko ist vor allem in den ersten 6-12 Monaten nach der Diagnose nachweisbar. Dies kann zum einen durch die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion begünstigt werden, manche vermuten jedoch auch eine Folge der Einnahme von L-Thyroxin.

Nebenwirkung oder Symptom?

Die Begleiterscheinung der Schilddrüsenunterfunktion sind divers: Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Herzvergrößerung und Depressionen zählen dazu. Jedoch kann die Hashimoto Thyreoiditis auch zu Vorhofflimmern, einer Verdickung der inneren Wand der Halsschlagader (Arteria Carotis), erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck, Übergewicht und auch Diabetes führen. Das erhöht das Risiko für Gefäßkrankheiten, die zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen können. Die Schilddrüsenunterfunktion kann jedoch gut mit der oralen Einnahme der Schilddrüsenhormone therapiert werden und die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion gehen zurück. Sind Patienten gut mit dem Medikament eingestellt, können sie ein weitgehend normales Leben führen. Allerdings hat das Schilddrüsenhormon, L-Thyroxin, selbst eine leicht blutgerinnende Wirkung.

Eine Kohortenstudie von 2014 untersuchte die Häufigkeit von Schlaganfällen bei Hashimotopatienten. Es konnte kein signifikant erhöhtes Langzeitrisiko für Gefäßerkrankungen für Schilddrüsenpatienten nachgewiesen werden. Allerdings war das Risiko für Schlaganfälle im ersten Jahr nach der Diagnose leicht erhöht. Wahrscheinlich wird dieses Risiko vor allem durch die Schilddrüsenunterfunktion und die einhergehenden Symptome bedingt. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass auch L-Thyroxin die Entstehung von Gefäßkrankheiten begünstigt. Generell gilt jedoch, dass eine nicht-therapierte Hashimoto-Thyreoiditis die Risiken der Einnahme von L-Thyroxin übersteigt.

Risikofaktoren im Blick behalten

Damit die körperlichen Symptome der Schilddrüsenunterfunktion nicht das Risiko für Krankheiten der Gefäße erhöhen, sollte diese vor allem früh erkannt werden, damit die Symptome gar nicht erst auftreten. Wird eine Unterfunktion spät diagnostiziert, sollte der Arzt mögliche Risikofaktoren überprüfen.

Patienten die ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen vermuten, sollten diese Faktoren mit ihrem Arzt besprechen. Auch wenn die Therapie bereits gut angeschlagen hat, sollten Patienten die Gesundheit des gesamten Körpers im Blick behalten. Dazu gehört regelmäßig den Blutdruck zu messen sowie auf das Allgemeinbefinden abgestimmte Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Gleichzeitig sollten Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen wie das Rauchen vermieden werden.

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Quellen:

Karch et al. (2014): Autoimmune thyroiditis as a risk factor for stroke - A historical cohort study. In: Neurology 2014;82:1643–1652.

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