Morbus Basedow

Morbus Basedow

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Was heißt das?

Bei der Basedow’schen Krankheit (Morbus Basedow) greift die körpereigene Abwehr die Schilddrüse an und versucht sie wie einen Eindringling zu zerstören. Das Immunsystem wendet sich gegen ein eigenes Organ des Körpers, also gegen sich selbst (= lat. „auto“). Dabei bildet der Körper Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, die dann im Blut nachweisbar sind und sich auf nahezu jede Zelle im Körper auswirken können. Autoimmunerkrankungen betreffen deshalb oft nicht nur das angegriffene Organ, sondern den ganzen Körper. So zerstören die Antikörperangriffe bei Morbus Basedow nicht nur das Schilddrüsengewebe, sondern bewirken auch Augenerkrankungen, typische Hautveränderungen oder Gelenkschmerzen. Die genaue Ursache für diesen Selbstangriff des Körpers bei Morbus Basedow ist nicht bekannt, eine familiäre Krankheitsveranlagung ist möglich. Gelegentlich treten auch weitere Autoimmunerkrankungen gleichzeitig mit Morbus Basedow auf.

Ist der Verzehr von Lebensmitteln mit jodiertem Speisesalz für Menschen mit Morbus Basedow gefährlich?

Große Jodmengen sollten Sie mit Morbus Basedow vermeiden. Solche Mengen nehmen Sie allerdings meist nur dann auf, wenn Sie jodhaltige Medikamente einnehmen (z. B. Cordarex) oder ein Kontrastmittel verabreicht bekommen. Auch größere Mengen von Meeresprodukten (z. B. Seefisch, Meeresalgen als Tabletten oder in manchen asiatischen Gerichten) könnten für Sie nicht empfehlenswert sein. Wenn Sie jedoch Brot oder Wurst essen, die mit jodiertem Speisesalz hergestellt wurden, nehmen Sie dadurch nur Millionstel Gramm Jod auf. Diese kleinen Mengen haben selbst bei einer vorhandenen Schilddrüsenüberfunktion keine negativen Auswirkungen. Da unsere natürlichen Lebensmittel arm an Jod sind, ist dieser Jodzusatz für den größten Teil der Bevölkerung eine wichtige Vorsorge gegen Schilddrüsenerkrankungen.

Helfen Selen oder andere Antioxidanzien gegen die Begleiterscheinungen bei Morbus Basedow?

Grundsätzlich findet bei Morbus Basedow ein Entzündungsprozess statt, der auch dazu führt, dass vermehrt aggressive und schädliche Stoffe im Körper entstehen, sogenannte freie Radikale. Antioxidative Substanzen wie das Selen können dazu beitragen, solche Stoffe unschädlich zu machen, so dass in der Theorie eine Behandlung damit denkbar wäre. Allerdings konnte diese Wirkung bislang noch nicht eindeutig und zweifelsfrei durch Studien bewiesen werden. In einer Dosis bis 200 Mikrogramm kann Selen dabei eingesetzt werden. Dies sollte mit dem Arzt abgesprochen werden. Eine starke Belastung mit freien Radikalen findet vor allem beim Rauchen statt. Morbus Basedow-Erkrankte sollten deshalb unbedingt auf Zigaretten verzichten, um die Erkrankung nicht zusätzlich zu verschlimmern.

Wie lange kann Morbus Basedow mit Medikamenten behandelt werden, und wann ist eine Operation erforderlich?

Das Medikament kann für einige Zeit die überschießende Reaktion der Schilddrüse stoppen. Damit können die Beschwerden des Morbus Basedow gelindert werden, heilbar ist die Erkrankung aber dadurch nicht. Bei etwa der Hälfte der der Morbus Basedow -Patienten tritt innerhalb eines Jahres eine Spontanremission ein. Ansonsten sollte Morbus Basedow nicht länger als ein Jahr mit Medikamenten behandelt werden, sondern das angegriffene Schilddrüsengewebe muss teilweise oder vollständig entfernt werden. Dies kann durch eine Radiojodbehandlung erfolgen. Nach einer solchen Behandlung geht es den meisten Patienten deutlich besser. Das fehlende körpereigene Schilddrüsenhormon muss danach langfristig durch Tabletten ersetzt werden.

Können auch die Augen von Morbus Basedow betroffen sein?

Ein großer Teil der Morbus Basedow-Erkrankten entwickelt eine solche Augenerkrankung. Diese sogenannte endokrine Orbitopathie (= hormonell bedingte Erkrankung der Augenhöhle) reicht von leichten Beschwerden wie Brennen oder Fremdkörpergefühl bis hin zu schweren Augenveränderungen mit den typischen hervortretenden Augäpfeln. Für die Betroffenen ist dann nicht nur die schlechtere Sehkraft, sondern auch das veränderte Aussehen eine große Belastung. Eine endokrine Orbitopathie kann jedoch auch vorhanden sein, ohne dass sie äußerlich erkennbar ist. Wichtig ist in jedem Fall die Überwachung durch einen erfahrenen Augenarzt, der mit dieser Erkrankung vertraut ist. Die Untersuchungen sollten alle vier bis sechs Monate stattfinden, auch wenn noch keine Augenprobleme bestehen, bei Augenbeschwerden legt der Arzt kürzere Abstände zwischen den Untersuchungen fest.

Welche Ursachen gibt es für Morbus Basedow?

Der Morbus Basedow ist eine so genannte Autoimmunerkrankung, bei der der Organismus Antikörper gegen die Schilddrüse bildet und so eine dauerhafte Entzündung in dem kleinen Organ auslöst: Die Antikörper stimulieren die Hormonproduktion der Schilddrüse und führen in der Folge zur Überfunktion. Über die Ursachen der Erkrankung weiß man bislang sehr wenig, Morbus Basedow tritt oft spontan auf, aber auch zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus Typ 1.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Morbus Basedow?

Zunächst werden bei der Behandlung des Morbus Basedow schilddrüsenblockierende Medikamente verordnet (Thyreostatika), die die Überproduktion der Schilddrüsenhormone hemmen. Diese Behandlung wird maximal über ein bis eineinhalb Jahre durchgeführt. Danach besteht bei einem Teil der Patienten die Chance, dass die Erkrankung von selbst ausgeheilt ist. Da jedoch auch das Risiko von Rückfällen besteht, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen weiterhin wichtig. Tritt innerhalb dieses Zeitraumes keine Heilung auf, sollten Betroffene entweder eine Radiojodtherapie oder Operation erhalten, um das kranke Gewebe dauerhaft zu vermindern oder zu entfernen. Betroffene mit Morbus Basedow können sich weitgehend normal ernähren. Sehr hohe Dosen Jod, wie sie z. B. in Röntgenkontrastmitteln vorkommen, sind zu vermeiden.

Kann eine Gewichtszunahme auch bei einer gravierenden Überfunktion der Schilddrüse, z. B. Morbus Basedow, auftreten?

Bei den meisten Personen mit Schilddrüsenüberfunktion überwiegt der verstärkte Abbau von Körpersubstanzen und von Nahrungsmitteln, so dass eine Gewichtsabnahme eintritt. Andererseits kommt es bei einer Überfunktion zu einer drastischen Steigerung des Appetits bis hin zu Heißhunger. In diesen Fällen kann die Nahrungszufuhr über den verstärkten Abbau überwiegen, und es resultiert eine Gewichtszunahme. Diese ist nur durch disziplinierte Nahrungszufuhr zu kontrollieren.

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