Morbus Basedow

Morbus Basedow: Antikörper aktivieren die Schilddrüse

Bei der Basedowschen Krankheit (Morbus Basedow, Autoimmunhyperthyreose) regen bestimmte Antikörper des körpereigenen Abwehrsystems die Schilddrüse zur unkontrollierten Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen an. Die Folge ist eine Schilddrüsenüberfunktion, die mit starken Beschwerden einhergehen kann. Der Name der Erkrankung leitet sich von dem Merseburger Arzt Carl von Basedow her, der die Schilddrüsenstörung und ihre wichtigsten Symptome 1840 erstmals beschrieben hat.

Aufgrund der Beteiligung des Abwehrsystems (Immunsystem) an ihrer Entstehung zählt die Basedowsche Krankheit zu den so genannten Autoimmunerkrankungen (griech. auto = selbst). Bei diesen Erkrankungen sieht das Abwehrsystem Bestandteile des eigenen Organismus plötzlich als fremd an und bekämpft sie. Im Fall des Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper für das Steuerungshormon TSH gegen die Empfangsregionen der Schilddrüsenzellen aus, die so genannten TSH-Rezeptoren. Die TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) erhöhen unkontrolliert die Produktion und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen. Dadurch entwickelt sich eine oft schwere Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) mit typischen Beschwerden. Als „klassisch“ gilt die so genannte „Merseburger Trias“, die nach dem Wohnort von Carl von Basedow benannt ist. Zu ihr gehören hervortretende Augäpfel (Exophthalmus, endokrine Orbitopathie), Herzrasen (Tachykardie) und Schilddrüsenvergrößerung (Kropf, Struma). Die hormonfreisetzenden Antikörper sind am Anfang der Erkrankungen so typisch für die Basedowsche Krankheit, dass die Diagnose nur dann gestellt wird, wenn im Blut der Patienten TRAK nachgewiesen werden können. Im Verlauf können sich die Trak-Werte normalisieren.

Warum es zum Ausbruch eines Morbus Basedow kommt, ist im Detail nicht bekannt. Die Behandlung kann zunächst mit Tabletten erfolgen, die die Aktivität der Schilddrüse herabsetzen (Thyreostatika). Die Medikamente werden aber höchstens über einen Zeitraum von anderthalb Jahren verabreicht. Kommt es nicht zu einer nachhaltigen Besserung, muss die Schilddrüse langfristig entweder durch eine Operation oder durch eine Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) verkleinert werden.

Quellen:

Schumm-Draeger PM. Thyreoiditis. Formen, Diagnostik, Therapie. Internist 1998; 39: 594–598. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9677516

Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin. 5. Auflage. München, Jena 2003. Verlag Urban & Fischer. S. 1470-1473

 

Autor: Jan Groh

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