Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

Wie kann ein Kropf behandelt werden?

Zur Behandlung eines Jodmangelkropfes können Jodtabletten, Schilddrüsenhormon-Tabletten
(L-Thyroxin) — in den meisten Fällen auch effektiver — die Kombination beider Bestandteile eingesetzt werden. Je jünger die Patienten sind und je früher die Behandlung beginnt, umso besser sind die Resultate. Eine Verkleinerung der Schilddrüse wird innerhalb von sechs bis zwölf Monaten erreicht. Danach ist die weitere Therapie zur Erhaltung der Wirkung erforderlich. Bei sehr großen Kröpfen, bei knotigen Veränderungen und bei älteren Patienten kann mit Medikamenten oft kein befriedigendes Resultat erzielt werden, so dass eine Operation infrage kommt. In manchen Fällen kann auch durch eine Radiojodtherapie eine Strumaverkleinerung erreicht werden.

Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?

Bei der Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, so dass sie mit Medikamenten „gebremst“ werden muss. Solche Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) umfassen eine Gruppe von Medikamenten, die die Bildung der Schilddrüsenhormone verlangsamen oder ganz blockieren. Dadurch normalisieren sich die Hormonkonzentration im Blut und damit auch die Symptome der Überfunktion. In aller Regel dauert diese Stoffwechselregulierung einige Wochen. Bei der Basedow´schen Krankheit erfolgt die Einnahme dieser Medikamente in der Regel über ein bis zwei Jahre. Dann wird durch einen sogenannten Auslassversuch festgestellt, ob in der Zwischenzeit eine Spontanheilung eingetreten ist. Es kann jedoch auch sein, dass das unkontrolliert hormonbildende Schilddrüsengewebe letztlich entfernt oder inaktiviert werden muss, z. B. bei heißen Knoten. Hier dienen Schilddrüsenblocker zur vorübergehenden Behandlung und Vorbereitung einer Operation oder einer Radiojodbehandlung. Wichtig zu wissen: Viele Menschen essen während der Überfunktion sehr viel mehr, ohne an Gewicht zuzunehmen, da der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Nach erfolgreicher Behandlung, z. B. mit Thyreostatika, läuft der Stoffwechsel jedoch wieder normal. Wenn dann die größeren Essensmengen aus Gewohnheit beibehalten werden, ist eine Gewichtszunahme vorprogrammiert.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt?

Wenn die Schilddrüse krankheitsbedingt nicht genug eigenes Schilddrüsenhormon herstellen kann, muss das körpereigene Hormon Thyroxin durch Tabletten ersetzt werden (Substitutionstherapie). Das in den Tabletten enthaltene Hormon entspricht dem körpereigenen Schilddrüsenhormon. Es werden also dem Körper Hormone zugeführt, die er normalerweise selbst bilden würde. Die Stoffwechsellage normalisiert sich dadurch wieder, Vitalität, Aktivität und Lebenslust kehren zurück. Da lediglich die fehlende Hormonmenge ersetzt wird, gibt es keine Nebenwirkungen durch das Medikament. Allerdings kommt es bei der Behandlung mit Schilddrüsenhormon darauf an, dass der Arzt die richtige Dosis für jeden einzelnen Patienten findet, diese auch auf lange Sicht regelmäßig kontrolliert und der Patient die Tabletten zuverlässig einnimmt. Die Schilddrüsenhormone müssen dann täglich in Tablettenform, am besten morgens vor dem Frühstück, eingenommen werden. Bis auf wenige Ausnahmen muss die Einnahme lebenslang ohne Unterbrechung erfolgen.

Was ist eine Radiojodtherapie?

Mit der Radiojodbehandlung wird Schilddrüsengewebe in seiner Funktion eingeschränkt oder im Volumen reduziert. Dies kann nötig sein, weil die Schilddrüsenzellen zu aktiv sind, wie beispielsweise bei einem Kropf oder heißen Knoten, oder vom körpereigenen Immunsystem angegriffen werden, der Basedow´schen Krankheit.
Radiojod ist eine besondere Form des Jods, die vom Körper genauso aufgenommen wird wie das natürlich vorkommende Jod und sich insbesondere in überaktiven Schilddrüsenzellen anreichert. Beim Zerfall sendet es anders als das natürliche Jod radioaktive Strahlung aus, mit der das umliegende Gewebe zerstört werden kann. Aufgrund der geringen Strahlenreichweite von etwa ein bis zwei Millimetern bleibt diese Wirkung auf die Schilddrüsenzellen beschränkt.
Dennoch darf die Behandlung mit Radiojod aus Sicherheitsgründen bei Schwangeren und Stillenden nicht durchgeführt werden. Die Radiojodbehandlung erfolgt in Deutschland während eines meist drei- bis fünftägigen Aufenthaltes in speziellen nuklearmedizinischen Abteilungen größerer Kliniken. Meist erhält der Patient das Radiojod in Form einer Kapsel am Tag der Aufnahme. Es ist weder zu schmecken noch zu fühlen. Gelegentlich kann ein Anschwellen der kranken Schilddrüse auftreten.

Was passiert bei einer Operation?

Ist zum Beispiel aufgrund eines Kropfes, kalter Knoten oder einer Überfunktion eine Operation erforderlich, entfernt der Chirurg bei gutartigem Gewebe in der Regel die krankhaft veränderten Schilddrüsenanteile bis auf beiderseits kleine Restlappen. Unter bestimmten Bedingungen werden nur einzelne, isolierte Knoten aus der Schilddrüse herausoperiert. Das Ziel ist eine Restschilddrüse ohne Knoten. Es kann aber auch nötig sein, die gesamte Schilddrüse zu entfernen, wie z. B. bei Schilddrüsenkrebs. Aufgrund ihrer Häufigkeit gehören Schilddrüsenoperationen heute – ähnlich wie Blinddarmoperationen – zu den Standardeingriffen.
Wie bei allen Operationen können danach Schmerzen oder leichte Beschwerden im Bereich der frischen Narbe auftreten, die jedoch meist schnell nachlassen. In sehr seltenen Fällen können die Stimmbandnerven, die nah an der Schilddrüse vorbeiführen, beeinträchtigt werden. Auch hierbei kann es sich um eine vorübergehende Funktionsstörung handeln, die sich wieder zurückbildet. Sehr selten können die Nebenschilddrüsen beeinträchtigt oder gar entfernt werden. Dann ist der Calciumstoffwechsel gestört und muss medikamentös behandelt werden. Die Operation hinterlässt eine kleine Narbe im unteren Halsbereich, die meist erst bei genauem Hinsehen zu erkennen ist.

Die Operation der Schilddrüse ist inzwischen vielerorts ein Routineeingriff: Hierzulande findet er schätzungsweise 100.000-mal im Jahr statt. Verbesserte Operationsmethoden, feinere Instrumente und Techniken sorgen dafür, dass der Eingriff in den letzten Jahren immer weniger belastend für den Patienten wurde und Komplikationen nur noch sehr selten auftreten.

Wie geht es nach einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie weiter?

Nach einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie kann je nach Ausmaß der nötigen Behandlung nicht mehr genügend funktionsfähiges Schilddrüsengewebe übrig sein, um für den Körper in ausreichender Menge Schilddrüsenhormone zu produzieren. Häufig kommt es behandlungsbedingt zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, die jedoch leicht zu behandeln ist. Meist handelt es sich bei der Unterfunktion um einen dauerhaften Zustand, so dass zeitlebens die fehlenden Hormone ersetzt werden müssen. Je nach Ursache der Erkrankung und verbliebenem Schilddrüsenrest kann außerdem auch eine Jodeinnahme sinnvoll sein, zum Beispiel, um einem erneuten Gewebewachstum bei einem Jodmangelkropf vorzubeugen. Langfristig sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen in größeren Zeitabständen, etwa einmal jährlich, erfolgen.

Verträgt sich die Schilddrüsenhormontherapie mit anderen Medikamenten und der Verhütungspille?

Die gleichzeitige Einnahme von Schilddrüsenhormontabletten mit anderen Medikamenten, auch der Verhütungspille, ist in aller Regel unproblematisch. Allerdings sollten bei der Schilddrüsenuntersuchung und -behandlung immer alle Medikamente beachtet werden und dem Arzt bekannt sein. Das gilt besonders für Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen und den Blutzucker senken.

Wie sollte die Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung in der Schwangerschaft fortgesetzt werden?

Die Weiterbehandlung einer kranken Schilddrüse ist in der Schwangerschaft besonders wichtig, da die Entwicklung des Kindes ebenso davon abhängt wie die Gesundheit der Mutter. So steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormon bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft stark an. Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion mit Schilddrüsenhormon sollte deshalb von Beginn an besonders sorgfältig überwacht werden und die Dosis des L-Thyroxins frühzeitig entsprechend erhöht werden. Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion mit Schilddrüsenblockern (Thyreostatika) ist auch während der Schwangerschaft und Stillperiode möglich. Die tägliche Thyreostatikamenge darf aber eine bestimmte Dosis nicht überschreiten, und die Kontrolluntersuchungen sind besonders sorgfältig durchzuführen, am besten durch einen Spezialisten (Endokrinologen). Frauen, die wegen einer Schilddrüsenerkrankung behandelt werden, sollten sich unbedingt nach dem Ergebnis der Schilddrüsenuntersuchung erkundigen, die beim Neugeborenen in den ersten fünf Tagen nach der Geburt durchgeführt wird.


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