Schilddrüsenfunktion und Jod

Jod (Iod) ist ein Spurenelement, das der Körper für die Herstellung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) benötigt. Jod wird mit der Nahrung aus dem Darm aufgenommen, gelangt in den Blutstrom und wird schließlich in der Schilddrüse in die Schilddrüsenhormone T4 und T3 eingebaut. Deshalb reichert sich Jod in der Schilddrüse an.

Schilddrüsenhormone und deren unverzichtbarer Bestandteil Jod sind für den Organismus lebenswichtig. Erhält die Schilddrüse durch die Nahrung nicht genügend Jod, vergrößeren sich ihre Zellen, um die geringen Jodmengen besonders effektiv aus der Nahrung „herauszufischen“. Dadurch kann es zu einer Jodmangelstruma (Kropf) kommen. Kann die Schilddrüse trotz dieser Vergrößerung nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone bilden spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit entsprechenden Beschwerden.

Jodbedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Empfehlungen für die tägliche Jodaufnahme veröffentlicht. Dabei unterscheiden sich die Richtwerte nach Alter und Lebensphase. Insbesondere während Schwangerschaft und Stillzeit besteht ein deutlich erhöhter Bedarf:

Alter Jod
(Empfehlung für Deutschland,
Österreich)
µg/Tag µg/MJ1
(Nährstoffdichte)
m w
Säuglinge
0 bis unter 4 Monate2 40 20 21
4 bis unter 12 Monate 80 27 28
Kinder
1 bis unter 4 Jahre 100 21 23
4 bis unter 7 Jahre 120 19 21
7 bis unter 10 Jahre 140 18 20
10 bis unter 13 Jahre 180 19 21
13 bis unter 15 Jahre 200 18 21
Jugendliche u. Erwachsene
15 bis unter 19 Jahre 200 19 24
19 bis unter 25 Jahre 200 19 25
25 bis unter 51 Jahre 200 20 26
51 bis unter 65 Jahre 180 20 24
65 Jahre und älter 180 22 26
Schwangere 230   25
Stillende 260 24
µg: Mikrogramm
MJ: Megajoule

 

Natürliche Jodversorgung in Deutschland

Jod kommt auf der Erde in großer Menge vor, ist aufgrund der erdgeschichtlichen Entwicklung jedoch ungleich verteilt. In Deutschland enthalten Boden und Gewässer nur wenig Jod. Diese Jodarmut hat zur Folge, dass auch in Deutschland produzierte natürliche Nahrungsmittel nur vergleichsweise wenig Jod enthalten. Um einem Jodmangel in der Bevölkerung entgegenzuwirken, wird bei verarbeiteten Lebensmitteln der Jodgehalt deshalb oftmals durch den Zusatz von jodiertem Kochsalz (Jodsalz) erhöht.

Jodgehalt von Nahrungsmitteln

Die meisten natürlichen Nahrungsmittel enthalten nur verhältnismäßig wenig Jod. Typisch ist ein Gehalt von 1 – 10 µg Jod pro 100 g, der beispielsweise bei, Fleisch, Getreide und den meisten Gemüsesorten vorliegt. Eine wichtige Ausnahme von dieser Regel stellt Meeresfisch dar, der zwischen 50 und 250 µg Jod pro 100 g enthält. In der Trinkmilch sind auch relevante Jodmengen vorhanden. Die wirkt sich günstig auf die Jodversorgung der Kinder aus.

Der natürliche Jodgehalt der Nahrung reicht in Deutschland in der Regel nicht oder nur knapp aus, um eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung zu garantieren.

Jodsalz

Die wichtigste Jodquelle für weite Teile der Bevölkerung in Deutschland ist heute jodiertes Speisesalz. Dabei handelt es sich um Kochsalz, dem Jodsalz zugesetzt wird. 5 g Jodsalz versorgen den Körper mit ungefähr 100 µg Jod, also etwa der Hälfte der empfohlenen Jod-Tagesmenge.

Die Verwendung von jodiertem Speisesalz zu Hause und durch die Lebensmittelindustrie hat die Jod-Versorgung in Deutschland zwar insgesamt verbessert. In den letzten Jahren ist jedoch insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein Rückgang der täglichen Jodaufnahme beobachtet worden. Studien haben ergeben, dass bei einem erheblichen Anteil der Bevölkerung  ein leichter Jodmangel besteht (je nach Studie bei bis zu 60 % der Teilnehmer).

Individuelle Versorgungssituation

Da die tägliche Jodaufnahme des Körpers nur ungenau erfasst werden kann, wird die individuelle Jodversorgung indirekt bestimmt. Das geschieht über die Ausscheidung von Jod im Urin. Als ausreichend sieht die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Jodaufnahme an, wenn sie zu einer Jodkonzentration im Urin von 100 - 200 µg/l führt. Bei einer Jodkonzentration im Urin zwischen 50 und 100 µg/l wird von einem leichten, zwischen 20 und 50 µg/l von einem mittelschweren und bei weniger als 20 µg/l von einem schweren Jodmangel gesprochen.

Maßnahmen gegen Jodmangel

Häufiger Verzehr von Seefisch (2 x pro Woche) und die konsequente Verwendung von jodiertem Speisesalz wirken einem Jodmangel entgegen. Darüber hinaus stehen bei erhöhtem Bedarf (z.B. während Schwangerschaft und Stillzeit) aber auch zur Vorbeugung eines Jodmangels Jodid-Tabletten zur Verfügung, die die natürliche Jod-Aufnahme aus der Nahrung ergänzen.

► Jodid-Tabletten

Quellen:
Köhrle J, Brabant G. Synthese, Stoffwechsel und Diagnostik der Schilddrüsenhormone. Internist 2010; 5: 559-567. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20405099

Zimmermann MB. Iodine Deficiency. Endocrine Reviews 2009; 30: 376–408. URL: http://edrv.endojournals.org/content/30/4/376.full.pdf+html

Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Jod. Empfohlene Zufuhr. URL: http://www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=4&page=2 (Stand: 27.09.2012)

Pharmawissen aktuell: Struma und Schilddrüsenknoten. Jodversorgung optimieren. Beilage SM 1886 in Der Hausarzt 7/2012.

 

Autor:
Jan Groh

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